Lassen Sie mich mit einer persönlichen Bemerkung beginnen: 1976 machte ich in Frankfurt, am Historischen Museum, eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg, Titel: »Ein Krieg wird ausgestellt«. Wie dies damals so war, die Wellen gingen hoch, weil wir das Material in pazifistischer Interpretation präsentiert hatten; die CDU-Fraktion im Stadtparlament verlangte von uns eine »wertneutrale« Präsentation, die SPD samt ihrem Kulturdezernenten bekam sofort kalte Füße, und sagte ebenfalls, die Präsentation müsse »wertneutral« sein. Aus dieser Zeit stammen meine ersten Kontakte zur Gedenkstättenarbeit, weil ich darauf verweisen konnte, dass hier die NS-Zeit und das KZ-System auch nicht »wertneutral« präsentiert würden. Gedenkstätten waren (und sind?) primär der pädagogischen Arbeit verpflichtet, Museen primär der Wissenschaft – so müssen wir das wohl formulieren, obwohl einem eine solche Definition im Halse stecken bleibt, während man sie ausspricht. Und der Gegensatz ist auch so nicht geblieben, Museen haben mancherorts die Wissenschaft zugunsten von Showveranstaltungen aufgegeben und Gedenkstätten übernehmen mehr und mehr museale Aufgaben, das heißt: Sammeln, Erforschen, Ausstellen. Das Sammeln verlangt aber Kompetenz und Platz; Gedenkstätten hatten früher keine Magazine, wie dies in Museen üblich ist. Alles was man hatte, war in der Ausstellung. Inzwischen sammelt sich vieles an, und Professionalität tut dringend Not. Wir haben vor einiger Zeit einen Antrag an eine bedeutende forschungsfördernde Institution gestellt, mit deren Hilfe wir in zwei Jahren (nach substantiellen, schon erbrachten Vorarbeiten) einen bestimmten Materialbestand in allen deutschen Gedenkstätten inventarisieren, d.h. dokumentieren wollten. Das Inventar sollte dann in das Internet gestellt werden, somit allen zugänglich sein. Die Gutachter haben diesen Antrag abgelehnt, vor allem mit der Begründung, dies sei in so kurzer Zeit nicht durchführbar – sie schlugen eine Pilotstudie vor (die war aber schon Bestandteil des Antrages). Warum erzähle ich Ihnen das? Weil die Gutachter sichtlich Menschen waren, denen das von uns vorgeschlagene Tempo unheimlich war. Tatsächlich werden wir aber nur Geld, d.h. Forschungsmittel, für solche Inventarisierungen bekommen, wenn wir ein großes Tempo vorlegen (professionell arbeiten) und wenn wir die Eitelkeiten aufgeben, die Zusammenarbeit verhindern. Denn die Materialien, die Gegenstandsbereiche, sind in allen Gedenkstätten sehr ähnlich und Zusammenarbeit, so auch gemeinsame Inventarisierungen, sind eine wichtige Lösung der bestehenden Probleme. Sie müssen doch nicht alle Fehler der Museen wiederholen.
Damit komme ich zum theoretischen Teil meines Themas: Das Wort »authentisch« hat, wie ich noch zeigen werde, in den letzten zehn Jahren eine riesige Karriere gemacht. Das Wort selber ist unschuldig, es ist genauso brauchbar oder unbrauchbar wie andere Worte auch. Die Karriere aber signalisiert etwas, um das wir uns kümmern müssen. Denn hinter Wort-Karrieren stecken Ablehnungen oder Wünsche, subversive Kritik oder subversive Zustimmung. Wir müssen deswegen erst einmal einen etwas dornigen Weg durch die Wortgeschichte gehen, um zu erraten, um was es geht. Damit legen wir uns unser Werkzeug zurecht, um eine zeitgenössische Strömung zu analysieren. Schließlich haben wir zu entscheiden, ob mit dem Wort »authentisch« etwas signalisiert wird, das wir in unsere Arbeit einbeziehen können oder nicht.
Zuerst also die Wortgeschichte: Das Herkunftswörterbuch des Duden erklärt: »Zu gr. auth-éntës ›Urheber, Ausführer‹ (urspr. vielleicht ›wer mit eigener Hand etwas vollbringt‹). Dessen erstes Glied ist gr. autós ›selbst; eigen‹… Das zweite Glied ist nicht sicher gedeutet.2 Hier finden sich auch die meisten Bedeutungen des Wortes vor seiner Inflation: »›(nach einem sicheren Gewährsmann) glaubwürdig u. zuverlässig verbürgt; echt.‹ In der Kanzleisprache des 16. Jh.s spätlat. authenticus ›zuverlässig verbürgt; urschriftlich eigenhändig (von Schriften)‹ entlehnt.«3 Auf jeden Fall bis in die sechziger Jahre, wahrscheinlich noch länger, hat das Wort die Bedeutung, die es schon im 19. Jahrhundert hatte.4 Sehr gründlich breitet Meyers Konversationslexikon von 1893 die Bedeutungen aus. Sie beziehen sich vor allem auf den juristischen und philologischen Bereich: authentisch ist ein Originalgesetz im Gegensatz zu späteren Erweiterungen und Veränderungen, autenticae sind die Justinianischen Novellen; Authenticum ist die Sammlung der Antiphonen und Responsiorien der Sonn- und Festtage in der römischen Kirche, Authentie schließlich ist »in der Literatur der echte Ursprung einer Schrift«.5 Glaubwürdig, echt, ursprünglich wären danach die Bedeutungen des Wortes. Die Aussage beschränkt sich auf Texte unterschiedlicher Art, ist ein editorischer, ein textkritischer Begriff. Dabei ist immer der Bezug zu klären. Ein Text ist authentisch als erste Fassung des Autors, als letzte Fassung, als Überarbeitung einer späteren Zeit, als eine autorisierte oder als eingeführte Übersetzung.
Dem authentischen Text entspricht in der kunsthistorischen Fachsprache das Original, in dem das lateinische Wort »origo«, Ursprung, mitklingt. Von ihm ist die Replik und die Kopie, die Reproduktion oder die Fälschung zu unterscheiden.6 Ein Bauwerk7, das wollen wir uns schon an diesem Punkt unserer Überlegungen verdeutlichen, kann verändert werden wie ein Text. Leichte Korrekturen, wie Orthografie und Zeichensetzung, treten zu schwerwiegenden, wie der Modernisierung von Worten, bis hin zu markierten Kürzungen und groben Auslassungen. Wie ein Text im Laufe der Zeiten lesbar gehalten wird, so hat ein Bauwerk seine oder eine Funktion zu erfüllen. Kirchen, auch wenn sie durch die Jahrhunderte der gleichen Religionsgemeinschaft zur Verfügung stehen, erfahren Veränderungen, etwa in der Platzierung und Form des Altars oder der Bestuhlung. Damit das Dach nicht den Regen durchlässt, ist es zu erneuern, meist mit den Materialien der jeweiligen Gegenwart. Dem Putz ergeht es nicht anders. Auch die Verglasung ist anfällig. Die Frage nach dem Authentischen ist hier die Frage, ob der Bau heute noch so aussieht, wie er dies zu seiner Erbauungszeit getan hat. Aber die Erbauungszeit ist meist länger als bei einem Einfamilienhaus. Oft geht sie über Jahrzehnte, Planänderungen werden vorgenommen. Wenn man will kann man die Erbauungszeit des KZ Dachau von 1933–1938 ansetzen. Was ist dann das »authentische« Lager?
Ich will die Wortgeschichte mit der Frage, was bei einem Gebäude als das Original zu betrachten ist, kurz unterbrechen. Wie Sie wissen, steht der KZ-Gedenkstätte Dachau mehr Raum zur Verfügung als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, der »Schubraum«, um das Beispiel zu nennen, kann wieder im Rahmen der Gedenkstätte besucht werden. Ich nehme ihn als Beispiel, weil hier die Probleme besonders deutlich sichtbar sind. Als der Raum wieder der Gedenkstätte zur Verfügung stand, musste er restauriert, wieder hergestellt werden – wie die deutsche Übersetzung heißt. Das Gebäude soll in einen bestimmten Zustand versetzt werden, der anders ist als der überlieferte. Wir nennen ihn »Originalzustand«. Aber was ist der Originalzustand? Was ist zu konservieren, wenn das konserviert wird? Das provisorische, im Aufbau befindliche KZ seit 1933? Oder das 1938 fertig gestellte Muster-KZ, oder der Zustand, in dem die amerikanischen Befreier die Baulichkeit vorfanden? Wissen die Besucher überhaupt, welche dieser Baulichkeiten sie besuchen? Oder besuchen sie keine dieser Baulichkeiten, sondern ein Erinnerungsmal an die Zeit bis 1945 aus dem Jahre 1968? Erschwert wird das Problem noch dadurch, dass in der Ausstellung gerne zur Veranschaulichung des Lagerlebens auf die von der SS publizierten Fotos des SS-Mannes Friedrich Franz Bauer zurückgegriffen wird, die vor 1938 aufgenommen wurden? In den Köpfen der Besucherinnen und Besucher entsteht – unvermeidlich – ein visuelles Konglomerat aus verschiedenen Bildern und Realien. Sie sehen alles, nur kein Original, nichts Authentisches (weil alles verändert, bzw. neu erfunden wurde). Verstehen Sie mich recht: Es geht überhaupt nicht anders. Aber weil dies so ist, müssen wir den Traum eines Originalzustandes angeben, und den Menschen zeigen, dass sie Relikte eines historischen Prozesses sehen.
Das Gebäude des »Schubraums« im KZ Dachau ist grob gerechnet in drei (auch das Gebäude verändernde) Nutzungsphasen zu unterteilen:
1. die bis zu Befreiung (1938–1945, 7 Jahre)
2. die Nutzung durch die US-Amerikaner (1945–1972, 27 Jahre),
3. die Nutzung als Gedenkstätte, Werkstätten (1972 bis heute).
Diese unterschiedlichen Nutzungen können wir an Farbschichten, Beschriftungsschichten, Bildschichten und Installationen ablesen.
Die verantwortlichen Gremien hätten vor der Ausschreibung nach intensiver wissenschaftlicher Beratung entscheiden müssen, ob lediglich der Zustand von »vor 1945« herauszupräparieren sei, oder ob nicht alle Schichten konserviert werden sollten, wie dies etwa im Campo Santo in Pisa gemacht worden ist. Dabei ist schließlich danach zu fragen, ob auch die heutige Schicht zu erhalten sei. Jeder dieser möglichen Entscheidungen entspricht eine unterschiedliche Aufgabe für Forschung und Gestaltung. Sollen sich – drauf hat sich die Frage zugespitzt – Forschung, Restaurierung, Analyse der Farbschichten und die Zuordnung der Installationen auf die Zeit bis 1945 oder auch auf die amerikanische Zeit erstrecken. Ich habe auf dem Symposion 19988 für die Erhaltung aller Schichten plädiert, die den Rahmen für die Zeit vor 1945 hätten bilden können, sie wären gleichsam das Fenster zur Vergangenheit gewesen. Das entstehende visuelle Patchwork wäre auch ein Signal an die Besucher gewesen, kriminaltechnisch und spurensichernd mit den Augen zu arbeiten. Gezeigt worden wäre die Verschichtung von Erinnerung, thematisiert worden wäre die Zeit, der zeitliche Abstand – die Wanddekorationen der Amerikaner hätten der Tatsache ein Denkmal gesetzt, dass dieses Land sich nicht selbst befreit hat, dass es auf die Amerikaner, die Westmächte und die Sowjets angewiesen war. Aus dem Konditional entnehmen Sie, dass die Entscheidung anders gefallen ist, die Ideologen des Authentischen wollen den Zustand von 1938 wieder herstellen, als ob es um die Kathedrale von Chartres ginge.
Ich halte die getroffenen Entscheidungen für falsch, die Zerstörung der amerikanischen Wandbilder für Vandalismus. Lassen Sie sich doch einmal den Wunsch auf der Zunge zergehen, es solle ein »authentisches KZ« gezeigt werden, das »Original« aus dem Jahre 1938. Wir wissen doch nur zu genau, dass der Versuche, durch intensive Schilderung das Gefühl zu vermitteln, »wie es eigentlich gewesen sei« (Ranke), scheitern muss. Statt dessen ist es unsere Aufgabe Material bereitzustellen, natürlich auch Bauten, die es den Besucher ermöglichen, sich die Vergangenheit vorzustellen.
Ich komme auf die Wortgeschichte, somit die Theorie zurück, die unser Beispiel besonders deutet: Der Originalitätsbegriff der Kunstgeschichte – den man durchaus synonym mit dem Begriff des Authentischen verwenden könnte – hat allerdings eine Konnotation, die mit der angenommenen Wirkungsweise des Kunstwerkes zusammenhängt. Dem Original wird eine Strahlkraft zugebilligt, den die Kopie oder die Fälschung nicht habe. Das »Lexikon der Kunst« thematisiert vor diesem Hintergrund die hohe Qualität moderner Reproduktionstechniken. »Der noch vorhandene qualitative Unterschied in der Rezeption ist jetzt weitgehend mitbestimmt durch den Umstand, dass das Original der bildenden Kunst ein unmittelbar von Menschenhand gefertigtes Werk, somit ein ›persönliches Fluidum‹ besitzt, genauso wie etwa die Manuskriptseite eines Dichters.«9 Das »Fluidum«, die Strahlkraft, die Aura, meinen eine Leistungsfähigkeit des Originals, die sich der Sprache entzieht. Auf sie wird noch zurückzukommen sein. Vorerst sei festgehalten, dass das Original in ganz banalem Sinn einen höheren Informationswert hat – etwa bei Streiflicht oder im Röntgenapparat oder bei Farbuntersuchungen.
Das Fluidum bezeichnet eine Qualität des Objekts, die auch Thema des Authentischen im Bereich des Sakralen ist. Litterae authenticae sind die Dokumente, die die Echtheit von Reliquien verbürgen. Das 4. Laterankonzil 1215 legt fest, dass damit der Papst neu aufgefundenen Reliquien authentischen Charakter bestätigt. Inzwischen kann durch päpstliches Indult einem Geistlichen die »facultas authenticandi« verliehen werden.10 Während beim Text lediglich die Echtheit festgestellt wird, hat das bei authentischen Reliquien Folgen: Sie besitzen eine Strahlkraft, die Wunder wirken kann. Zeigte man im Mittelalter diese Heiligtümer, gingen die Menschen vom Heiligen berührt nach Hause. Die authentische Reliquie kann von sich aus auf das Leben des Gläubigen einwirken, eine Kopie nicht. Dies trauen manche Fachleute auch Kunstwerken zu. Rainer Maria Rilke formuliert dies für den Torso von Belvedere11 in seinem berühmten Gedicht in der dritten und vierten Strophe so:
»Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;
und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.«
Die Leistungsfähigkeit, die Rainer Maria Rilke dem Kunstwerk bescheinigt, nimmt die Verwendung des Wortes authentisch, das synonym zu Martin Heideggers Terminus »eigentlich« gebraucht wird12, voraus. Nun wird das Wort nicht nur auf menschliche Handlungen, sondern auch auf menschliche Produkte angewandt. Das authentische Ding, das authentische Werk, die authentische Handlung ist nicht weiter hinterfragbar, weil Ding, Werk und Handelnder bei sich sind. Diese Bedeutung schwingt in der heute alltäglichen Verwendung mit, etwa wenn ein T-Shirt mit dem Label »authentic clothes« versehen wird. Am 28. Juli 1999 berichtete die »Süddeutsche Zeitung« von einer tiefenpsychologischen Studie über die Faszination der Formel 1. Darin heißt es: »Die Fans erleben sich nicht als passive Zuschauer. Sie geraten in einen Bereich, in dem die Grenzen zwischen Beobachtung und wirklicher Teilnahme immer mehr verschwimmen. Es entwickeln sich Schicksalsgemeinschaften vom Wohnzimmer zum Cockpit. Das Schöne dieser Art von Authentizität: Sie ist erfahrbar, ohne dabei mögliche Gefahren auf sich nehmen zu müssen.«13 Authentisch meint in diesem Text »ohne Distanz«, Verschmelzung mit dem Ereignis oder mit einer Sache, unmittelbar. Es gibt keine Trennung zwischen rezipierendem Subjekt und dem reinen, echten Ereignis, keine Analyse ist notwendig, um sich konstruierend oder rekonstruierend an ein Geschehen oder ein Kunstwerk heranzuarbeiten. Alles ist in der Sache selbst präsent.
In seinem »Jargon der Eigentlichkeit« hat Theodor W. Adorno die »Totalität des Scheins von Unmittelbarem« kritisiert, »der in der zum bloßen Exemplar gewordenen Innerlichkeit« gipfelte. Er erschwere es »den vom Jargon Berieselten ungemein, ihn zu durchschauen.« »In seiner Ursprünglichkeit aus zweiter Hand findet sie tatsächlich etwas wie Kontakt, vergleichbar dem Gefühl, in der angedrehten nationalsozialistischen Volksgemeinschaft sei für alle Artgenossen gesorgt, keiner werde vergessen: metaphysische Winterhilfe in Permanenz.«14 Adornos erfrischende Polemik wendet sich immer wieder gegen die Vernachlässigung der Veränderungen in der Geschichte durch den »Jargon der Eigentlichkeit«: »In der universal vermittelten Welt ist alles primär Erfahrene kulturell vorgeformt. Wer das Andere will, muss von der Immanenz der Kultur ausgehen, um sie zu durchschlagen. Die Fundamentaltheologie aber erspart sich das willentlich, indem sie einen Anfang draußen vortäuscht.«15 Die »kulturelle Vorformung« zu vermitteln, in der Schule, in der Universität, in der Gedenkstättenarbeit, in der Kunst (siehe die letzte »documenta«), ist eine mühselige Kleinarbeit. Man muss manches wissen, braucht viel Verstand und muss die Spannung zwischen Gefühlen einerseits, rationaler Erkenntnis andererseits aushalten.
In die Mühsal, kulturelle Verformung auf der Produktions- wie auf der Rezeptionsebene mitdenken zu müssen, mischt sich immer wieder die Sehnsucht nach dem authentischen Erlebnis, dem authentischen Ort, der authentischen Sache. Der Film »The Matrix« thematisiert diese Sehnsucht, »authentic clothes« verspricht, sie zu erfüllen. Wie es scheint, können ihr auch manche Institutionen der Erinnerung nicht widerstehen: Heritage Centers, Museen, Gedenkstätten, Musikveranstaltungen. »Auf der Jagd nach dem Authentischen« lautet der Untertitel eines Berichts über kubanische Musik, vor allem über den späten Erfolg Ibrahim Ferrers.16 Er sagt: »Die Jungen können unseren Stil nicht kopieren. Sie fühlen es einfach nicht.« Da ist es, das Unhintergehbare. Die Jungen spielen keinen reinen Son, »wie er ursprünglich einmal war«, sie mischen ihn mit Samba, mit Merengue und mit Rap. Doch Ferrer hat endlich den Produzenten mit der richtigen Nase gefunden. Seine »Produktionskunst bescherte Ferrers erstem Soloalbum eine Gediegenheit, die authentischer klingt als das Original… Nervenbalsam sei das, sagt Ry Cooder, Nervenbalsam für den vom ›Abfall der lärmenden hyperorganisierten Welt‹ gestressten Europäer.«17 Modernisierungsverluste als Marktlücke für das Authentische – die Strategie des Produzenten bietet sich als Interpretation an, wenn das Authentische verbal beschworen wird.
Fassen wir zusammen: Die älteste Bedeutung des Wortes authentisch ist echt – eine echte Urkunde, auch im erweiterten Sinne ein Text, wie er von der Hand des Autors stammt. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts erweitert sich die Bedeutung in ursprünglich und rein, Worte, die mit vielen positiven Gefühlen aufgeladen sind. Sie sind in Heideggers Begriff der Eigentlichkeit zusammenzufassen. Während Benjamin das Wort im Sinne von echt gebraucht, übersieht er nicht den Bedeutungsüberschuss in Richtung Original. Spätestens durch die Nähe zur Aura ist authentisch nicht mehr der textkritische Begriff des 19. Jahrhunderts, nun schreiben sich ihm Werte ein, die kulturpessimistische Modernisierungskritiker mit der Sehnsucht nach Unmittelbarkeit und Verschmelzung verbinden.
Damit komme ich zum »Authentischen Ort«: Die deutsche Sprache kann das französische »memoire« oder das englische »memory« mit zwei Worten übersetzen, mit Gedächtnis und Erinnerung. Obwohl eine klare Grenze zwischen beiden Worten nicht gezeichnet werden kann, verwende ich Gedächtnis für den Speicher der Informationen (etwa: sie hat ein gutes Bild-Gedächtnis; mein Namens-Gedächtnis wird täglich schlechter). Die Erinnerung wäre der jeweils gegenwärtige Zugriff auf das Gedächtnis, die neuerliche Herstellung eines Geschehens, eines Gesichts, eines Gegenstands.18 In diesem Sinne haben nicht nur Menschen und Tiere ein Gedächtnis, vielmehr können Orte und Gegenstände, die Informationen speichern, metaphorisch als Gedächtnis beschrieben werden. Die zu dekodierenden Zeichen nennen wir Spuren, ihre Auffindung und Erhaltung Spurensicherung, ein Wort der Kriminalistik. Die Spur ist ein Zeichen, das weder Text noch Bild ist. Die Deutung übersetzt das Zeichen meist in ein Bild. Es lohnt darauf hinzuweisen, dass das menschliche Gedächtnis seine Informationen auch in Bildern speichert.19
Je nach Kenntnis, Erfahrung und Übung können die Spuren langsam oder schnell, teilweise oder vollständig oder überhaupt nicht entziffert werden. Dabei sind bei einem älteren Objekt oder Ort neuere von älteren, von ursprünglichen Spuren zu scheiden – eine dem Archäologen durchaus vertraute Tätigkeit: Er sucht, findet und deutet Überreste. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf ein besonders schönes Beispiel verweisen, wie ein Überrest zu einem Denkanstoß wurde. In England, in Studley Royal, wo die Reste der alten Zisterzienserabtei Fountains Abbey in einen Garten des 18. Jahrhunderts integriert wurden, gehört zu dem Ensemble auch eine Wassermühle. Hier fand man bei den Restaurierungsarbeiten eine Tür, in die der Name »William Leadley« geritzt war, eine Schrift aus dem 18. Jahrhundert. Niemand weiß etwas über William Leabdley. Die Verantwortlichen machten aus dieser Not eine Tugend: Statt die Tür im Magazin zu verstauen, stellen sie die Frage: »Who was William Leadley?« und geben so dem Besucher die Gelegenheit mitzudenken. Dabei lernt er alle Möglichkeiten kennen, erfährt in einer Multivision, welche Leute in der Mühle gearbeitet haben, und welche Menschen mit dem Namen Leadley in dem Umfeld dokumentarisch nachzuweisen sind. So wird an den Möglichkeiten der Deutung vieles gelernt.
Der Archäologe Lambert Schneider hat in einem Aufsatz gezeigt, dass die Aufwertung, die die Archäologie in den letzten Jahren im öffentlichen Bewusstsein erfuhr, durchaus nicht dem Selbstbild dieser Wissenschaft entspricht. Er macht darauf aufmerksam, dass die klassische Archäologie ihren Gegenstand nicht als »Spur im Sinne des unmittelbaren Reflexes vergangenen Lebens« begreift, »sondern sie erkennt in ihm bereits eine vergangene Interpretation von Lebenszusammenhängen, gewissermaßen schon sprachlichen Äußerungen, worunter natürlich auch Bild-, Architektursprache, usw. zu verstehen sind. Die erhaltenen Selbstentäußerungen der Antike aber geben in aller Regel Sichtweisen der Oberschicht wieder.«20 Es gilt also, die Spuren als unmittelbare Reflexe vergangenen Lebens von jenen Artefakten zu differenzieren, die das Vergangene schon interpretieren. Johann Gustav Droysen hat dies in seiner »Historik«21 getan, indem er Quellen von Denkmälern und Überresten unterscheidet. »In den Quellen sind die Vergangenheiten, wie menschliches Verständnis sie aufgefasst und sich geformt hat, zum Zwecke der Erinnerung überliefert. Jede Erinnerung, solange sie nicht äußerlich (…) fixiert ist, lebt mit und wandelt sich um mit dem Vorstellungskreise derer, die sie pflegen (so) die ›Tradition‹ in der römischen Kirche.«22 Solche Quellen sind im Bereich der gegenständlichen Erinnerungen römische Triumphbögen aber auch Grabsteine. Sie sind schwer von Denkmälern zu unterscheiden, die in Droysens Begrifflichkeit Überreste sind, »bei deren Hervorbringung zu anderen Zwecken (des Schmuckes, der praktischen Benutzung usw.) die Absicht der Erinnerung mitwirkte.« Dies wäre das von Lambert Schneider zitierte bevorzugte Material der klassischen Archäologie. Der Burgberg von Athen, die Akropolis, ist ein Denkmal, wenn wir den Kult als seinen Hauptzweck betrachten wollen. Die Bauten, deren Ruinen wir heute besichtigen können, der Parthenon, die Propyläen, der Nike-Tempel und das Erechtheion wurden in der radikalsten Phase der athenischen Demokratie gebaut. Architektur und Skulptur müssen als Träger von Botschaften an Gegenwart und Zukunft gesehen werden. »Sie sollten dem Betrachter ein Bild von Stärke und Selbstverständnis des neuen demokratischen Athens vermitteln, der Hegemonialmacht über die fast ganze Ägäiswelt, Religion im Dienste der Politik.«23 Die Frage nach der authentischen Akropolis hilft uns nicht weiter, denn die klassische Bebauung ist schon die fünfte auf dem Burgberg. Sie ersetzt in aller Pracht und allem Selbstbewusstsein ein Denkmal, das die traumatisierende Bedrängnis durch die persische Übermacht zum Thema erhob. Die Ruinen der zerstörten Heiligtümer wurden als Mahnmale erhalten, zwischen ihnen stellten die Athener Trophäen zur Schau, etwa den Thron des Xerxes, von dem aus er die Schlacht bei Salamis betrachtet hat, oder Waffen und Rüstungen herausragender persischer Generäle. »Nicht nur auf dem Burgplateau selbst sollte die ›Erbfeindschaft‹ zwischen Griechen und Orientalen in mahnender Erinnerung gehalten werden. Auch nach außen hin wurde ein Zeichen gesetzt: Ganz oben auf die Krone der nördlichen Umfassungsmauer der Akropolis, von weitem sichtbar und besonders von der Agora als dem politischen Zentrum Athens aus gut erkennbar, stellte man die Gebälkteile des alten Athena-Tempels…«24.
Wer die Akropolis in Athen sieht, wer sie betritt, befindet sich an einem ausgezeichneten Erinnerungsort; doch woran erinnert sich ein Besucher heute? An die Größe Athens und wie schnell sie verfiel? An das Trauma der Athener wegen der Zerstörung ihrer Stadt durch die Perser? An den ewigen Feind aus dem Osten? An die Wiege abendländischer Kultur? An die große Göttin, die Jungfrau Athena? Nur sehr wenige, die die Kenntnis erworben haben oder die sie vor Ort vermittelt bekommen, mögen sich an die Niederlage und die Macht von einst erinnern. Doch da ist auch der archaische Burgberg mit seinen Koren und Giebelskulpturen – Denkmal auf jeden Fall im Sinne Droysens. Doch wessen erinnern wir uns, wenn wir sie sehen? Manche der Koren und Kouroi mögen biographische Erinnerungen wachrufen, die fern der Welt der Griechen liegen. So erweist sich die Akropolis als ein Erinnerungsort par exellence, unsere Augen werden mit Schönheit und mit Auren verwöhnt – doch authentisch ist dieser Ort nicht, es sei denn, das Wort soll große Gefühle im Anblick des Alten bezeichnen, doch dafür gibt es spezifische Worte.
Denkmäler sind gleichermaßen die Bauten der »Neuen Deutschen Baukunst« NS-Deutschlands. Sie sind, wie Adolf Hitler mehrfach betont hat, Gebäude, die in einer noch fernen Zukunft an die Zeit seiner Herrschaft erinnern sollen. »Niemals wurden in der deutschen Geschichte größere und edlere Bauwerke geplant, begonnen und ausgeführt als in unserer Zeit. – […] Deshalb sollen diese Bauwerke nicht gedacht sein für das Jahr 1940, auch nicht für das Jahr 2000, sondern sie sollen hineinragen gleich den Domen unserer Vergangenheit in die Jahrtausende der Zukunft«,25 – stellt Adolf Hitler in seiner »Kulturrede« auf dem Reichsparteitag am 7. September 1937 fest. Noch heute ist in der Vorstellung, wie denn die Baukunst des Dritten Reichs aussähe, genau die Architektur präsent, die die Bauherrn erinnert wissen wollten.
Sowohl die Akropolis als auch das Reichsparteitagsgelände26 sind Bauten, die zum Zweck der Erinnerung errichtet wurden. Allerdings ist nicht eindeutig zu klären, ob der Kult bzw. die politische Zeremonie der primäre Zweck waren. Wäre das der Fall, dann sind sie nicht als Quellen, sondern als Denkmäler anzusprechen. Während die meisten Spuren der nachperikleischen Nutzung auf dem Athener Burgberg beseitigt wurden, führt das Reichsparteitagsgelände ein Dasein in einer Zwischenwelt. Die Tribüne des Zeppelinfeldes ist zu besichtigen, das Gelände allerdings wurde ein Parkplatz für Lastkraftwagen, wie es der Megalomanie der Erbauer zukommt. Ähnliches trifft für die Kongresshalle zu. Sie ist erhalten, jedoch als Lagerhalle und von Kfz-Werkstätten genutzt. Ein Un-Ort der Erinnerung. Das Gedächtnis der Dinge funktioniert noch, die Zeichen sind für den Kenntnisreichen dechiffrierbar – aber die heutige Nutzung signalisiert Ablehnung. Ein Denkmal, das keines sein soll. Das Innere der Tribüne des Zeppelinfeldes ist als »Goldener Saal« 1984 sorgfältig restauriert worden. Die NS-Schönheit erstrahlt im alten Glanze, die Ausstellung jedoch (auf Holzplatten) argumentiert dagegen. Ein Erinnerungsort, der an anderes erinnern soll, als er mit seiner materiellen Erscheinung will.
Während das Reichsparteitagsgelände als Quelle oder Denkmal bezeichnet werden muss, sind die Orte ehemaliger Konzentrationslager »Überreste«27 in der Droysenschen Begrifflichkeit. Liest man jedoch die Definition für »Überreste«, so will die Beschreibung nicht so recht passen: »In der Natur der Sache liegt es, dass deren Fülle unabsehbar ist, da ja alles und jedes, was die Spur von Menschengeist und Menschenhand an sich trägt, von der Forschung als Material herangezogen werden kann.«28 Die Vernichtungslager sollten wieder spurlos verschwinden, so wollten es ihre Erbauer; und einige wie Sobibor, Treblinka oder Be∏zec sind abgebaut, die Spuren beseitigt und das Gelände mit Bäumen bepflanzt worden. In Majdanek und in Auschwitz-Birkenau hat die SS versucht, die Beweise für den Massenmord zu vernichten. Als die sowjetischen Truppen im Juli 1944 in Lublin einrückten, haben sie erste Beweise gesichert. Noch 1944 ist das Gelände zum Museum erklärt worden: Beweis, Friedhof und Freilichtmuseum, drei Erinnerungskonzepte, die sich auszuschließen scheinen. Im Juli 1947 musealisierte der Sejm drei in Polen liegende Plätze deutscher Verbrechen: Auschwitz, Stutthof und Majdanek. Das Gedächtnis des Ortes fördert immer neue Informationen zutage, teilweise werden sie durch Konservierungsarbeiten beseitigt. Eine spurensichernde Bestandsaufnahme im kriminalistischen Wortsinn scheint unerlässlich, selbst wenn Revisionisten dadurch nicht zu überzeugen sind.29
Sucht man nach Spuren, so finden sich neben den anfänglichen solche späterer Zeiten. In Majdanek waren die von den Sowjets gefangenen Soldaten der polnischen Heimatarmee vom Juli bis November 1944 eingesperrt worden, bevor die Russen sie nach Sibirien deportierten. Auschwitz war 1945 Lager für deutsche Kriegsgefangene, in Buchenwald wie Dachau (um nur zwei Beispiele zu nennen) wurden NS-Verbrecher interniert, in Buchenwald zunehmend innenpolitische Gegner. Dachau bauten die deutschen Behörden zu einer Siedlung für aus Böhmen vertriebene Deutsche um, Neuengamme verwandelte der Hamburger Senat in ein Männer- und ein Jugendgefängnis. Das Männergefängnis war bis vor kurzem in Betrieb. Vielleicht wird nun, da auch dieses Gelände zur Gedenkstätte gehört, eine bessere Lösung als in Dachau gefunden. Die jüngeren Schichten interpretieren die älteren um, wie die älteren zur Deutung der jüngeren unerlässlich sind. Gedenken ist auf diese Weise immer gestört, nie eindeutig. Das Miteinander der zeitlich aufeinander folgenden Spuren und Schichten ist nur am Ort erfahrbar – und Erfahrung ist eine notwendige Form der Erkenntnis.
Wenn wir versuchen, mit Droysens Begriffen zu arbeiten, so müssen wir die Vernichtungslager als »Überreste« bezeichnen. Allerdings ist die planmäßige Beseitigung der Spuren eine negative Denkmalsetzung, denn sie geschieht, um ein zukünftiges Gedenken zu verhindern. Indem die Spuren nach der Flucht der Deutschen gesichert wurden, festigte sich die Absicht, erinnernd auf das Gedächtnis des Ortes zuzugreifen. Die heute zu besichtigenden baulichen und skulpturalen Anlagen vor Ort bannen den »genius loci«, der dem nicht wissenden Auge unsichtbar wäre. Sie können der Rahmen für private Interventionen sein, so hat in Be∏zec jemand einen kleinen Pater Kolbe Altar an einen Baum genagelt , obwohl dieser Heilige mit Be∏zec überhaupt nichts zu tun hat. Aber die Spuren sind das eine, ihre Deutung das andere.
1 Dieser Vortrag ist eine gekürzte und veränderte Form meines Aufsatzes: Authentische Erinnerungsorte oder: Von der Sehnsucht nach Einheit und Erlebnis, in: Hans-Rudolf Meier, Marion Wohlleben (Hg.): Bauten und Orte als Träger von Erinnerung. Die Erinnerungsdebatte und die Denkmalpflege, Zürich 2000, S.31–46
2 Günther Drosdowski, Paul Grebe u. a., Duden. Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim, Wien, Zürich 1963, S. 42; vgl. hierzu ausführlich: Joachim Ritter (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1, Basel, Stuttgart 1971, Sp. 691–693, der Artikel ›authentisch‹ von R. Fabian und K. Röttgers, der über ›Authentizität‹ von E. Krückeberg
3 Ebenda, in diesem Sinne übersetzt auch Muret-Sanders, Enzyklopädisches englisch-deutsches Wörterbuch, Berlin 1898, S. 86 engl. authentic, fügt allerdings die Bedeutung in der Kirchenmusik hinzu »in unmittelbarer Beziehung zum Grundton«; so auch The New Collins, Concise English Dictionary, London 1982, S. 70; so auch M. A. Thibaut, Vollständiges Wörterbuch der Französischen und Deutschen Sprache, Braunschweig 1882, S. 40, für franz. authentique
4 Vgl. hierzu ausführlich die Oldenburger Dissertation von Bärbel Schmidt: Geschichte und Symbolik der gestreiften KZ-Häftlingskleidung, 2000
5 Meyers Konversations-Lexikon, Band 2, Leipzig und Wien 1935, S. 250
6 Vgl. Lexikon der Kunst, Band III, Westberlin 1983 (Leipzig 19751), S. 645f
7 Alfred A. Schmid, »Das Authentizitätsproblem«, in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 42, 1985, S. 3–6
8 Vgl. Detlef Hoffmann: Konservieren – Restaurieren – Rekonstruieren. Das Baudenkmal »KZ Dachau« zwischen »historischer Quelle« und »Erlebnisort«, in: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.):
Räume – Medien – Pädagogik. Kolloquium zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau, Augsburg 1999, S. 15–18
9 Lexikon der Kunst (Anm. 6), S. 645
10 Lexikon für Theologie und Kirche, hrg. von Michael Buchberger, Band 1, Freiburg im Breisgau 1932, Sp. 854f
11 »Archaischer Torso Apollos«, erstes Gedicht »Der neuen Gedichte anderer Teil«, 1908 erschienen. Den Band widmet der Autor »A mon grand ami Auguste Rodin«, vgl. Rainer Maria Rilke, Gesammelte Gedichte, Frankfurt am Main 1962, S. 313. Dem zeitlosen Strahlen des Torso stellt Raimund Wünsche, Der Torso. Ruhm und Rätsel, München 1968, die Kontingenz historischer Befunde entgegen.
12 Vgl. Ritter, Lexikon (wie Anm. 2), Sp. 692
13 Elmar Brümmer, Sonntagsritt auf der Couch, ganz ohne Risiko, in: Süddeutsche Zeitung vom
29. Juli 1999, S. 33
14 Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie, Frankfurt am Main 1964, S. 65
15 Ebenda, S. 84
16 Jonathan Fischer, Die alten Männer wollen mehr, in: Süddeutsche Zeitung vom 24. Juni 1999, S. 17
17 Alle Zitate ebenda
18 Vgl. Detlef Hoffmann (Hg.), Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, Frankfurt am Main 1998, S. 6–13
19 Vgl. dazu Klaus Sachs-Hombach, Bilder im Geiste. Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktorialer Repräsentation, Amsterdam, Atlanta 1995
20 Lambert Schneider, »Spurensicherung« aus der Sicht des Archäologen, in: Detlef Hoffmann, Karl Ermert (Hg.), Spurensicherung. Geschichte und Vergangenheit in Kunst und Wissenschaft (= Loccumer Protokolle 55/1984), Rehburg-Loccum 1985, S. 44–99, Zitat S. 47
21 Johann Gustav Droysen, Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, hg. von Rudolf Hübner, Darmstadt 1971 (Ich zitiere aus dem dort abgedruckten »Grundriß der Historik« der dritten Auflage von 1885.)
22 Ebenda, S. 333f
23 Lambert Schneider, Christoph Höcker, Die Akropolis von Athen. Antikes Heiligtum und modernes Reiseziel, Köln 1990, S. 121. Ich folge der Darstellung von Höcker und Schneider auch im Folgenden.
24 Ebenda, S. 118
25 Max Domarus, Hitler: Reden 1932 bis 1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen, Band I, Wiesbaden 1973, S. 729
26 Vgl. Thomas Wunder, Das Reichsparteitagslände in Nürnberg. Entstehung. Kennzeichen. Wirkung. Eine Einführung zur Begehung des ehemaligen NS-Parteitagsgeländes, Nürnberg 1984
27 Droysen 1971 (wie Anm.21 ), S. 332f
28 Ebenda, S. 38, diesmal aus der »Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte«
29 Vgl. zu dem gesamten Komplex Detlef Hoffmann (Hg.), Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945–1995, Frankfurt am Main 1998, S. 6–13. Hoffmann 1998 mit weiterführender Literatur auch zum Folgenden.