Eine Konzeption der Gedenkstätte Hadamar als Modell?

Gedenkstättenbesuche für Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren? - Zwei Besprechungen eines Buchs
12/2002Gedenkstättenrundbrief 110, S. 34-38
Heike Deckert-Peaceman und Hildegard Jakobs

In Lehrplänen für den Schulunterricht von Kindern und Jugendlichen wird die Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus immer wieder angeführt und im Unterricht häufig umgesetzt. Bereits am Ende der Grundschulzeit wird das Thema aufgegriffen; zumeist unter Verwendung altersgemäßer Kinder- und Jugendbücher. Ab wann und wie der Besuch mit Kindern und Jugendlichen in einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus angemessen ist, wird in den letzten Jahren zunehmend von Pädagogen in Schulen und Gedenkstätten thematisiert. Im GedenkstättenRundbrief sind vier Beiträge hierzu von Klaus Dietermann »Holocaust – ein Thema für die Grundschule?« (Nr. 105) und von Vera Hanfland »Geschichtskoffer – Jüdische Kindheit im 20. Jahrhundert« (Nr. 108) erschienen.

Regine Gabriel, hat ihre Erfahrungen aus der Gedenkstätte Hadamar veröffentlicht: Kinder als Besucher in der Gedenkstätte Hadamar. Ein Informations- und Materialheft. Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen. Veröffentlichungen der Gedenkstätte Hadamar, Heft 1, 2002, 88 Seiten, € 7,50.

In den beiden folgenden Buchbesprechungen von Heike Deckert-Peaceman und Hildegard Jacobs wird diese Publikation sehr unterschiedlich besprochen. Da hier über die konkrete Publikation hinaus die pädagogische Arbeit mit Kindern in Gedenkstätten reflektiert wird, können die beiden Sichtweisen hoffentlich zu einem weiterführenden Diskurs beitragen. Thomas Lutz

Besprechung von Heike Deckert-Peaceman

In Deutschland wird der Besuch von Gedenkstätten in der Regel erst ab 14 Jahren empfohlen. In den meisten Fällen sind weder Ausstellungsobjekte noch Informationstafeln für eine jüngere Altersgruppe ausgelegt . Wie sich bestimmtes Bildmaterial, beispielsweise Fotos von der Befreiung der Lager, und die Atmosphäre des vermeintlich »authentischen« Ortes auf die Rezeption von Kindern auswirkt, darüber lässt sich nur spekulieren. Erfahrungen in größerem Ausmaß liegen dagegen aus anderen Ländern vor. Hier die wichtigsten Beispiele:

Aus den USA kennt man die kontrovers diskutierte Ausstellung Remember the Children: Daniel’s Story des United States Holocaust Memorial Museums, empfohlen für Kinder ab acht Jahren. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass diese Ausstellung ab 1988 mit großem Erfolg für fünf Jahre im Capitol Children’s Museum zu sehen war, bevor sie 1993 in veränderter Form dauerhaft im United States Holocaust Memorial Museum installiert wurde. Während das Kindermuseum die kindlichen Besucher durch ein Führungskonzept gezielt ansprach, sind die Erfahrungen mit der Dauerausstellung kritisch zu betrachten. Da der Rest des Museums nicht für Kinder geeignet ist, besuchen vor allem Jugendliche und Erwachsene Remember the Children: Daniel’s Story, in dem sie mehr oder minder rasch einem vorgezeichneten Weg folgen. Eine dritte Version, als Wanderausstellung konzipiert und teilweise wissenschaftlich begleitet, wurde schon in vielen amerikanischen Städten gezeigt.

Nach Angaben des Anne Frank-Hauses in Amsterdam sind etwa die Hälfte der niederländischen Besucher und Besucherinnen Zehnjährige. Ein Besuch von Schulklassen in diesem Alter ist die Regel. Viele Materialien, die die Institution konzipiert hat, richten sich an Kinder zwischen 10 und 14 Jahren und eignen sich zur Vor- und Nachbereitung des Gedenkstättenbesuches. Ob hingegen die Bilder der Befreiung des Lagers Bergen-Belsen, auf Bildschirmen im Eingangsraum der Ausstellung zu sehen, ein angemessener Einstieg für Zehnjährige sind, ist zu bezweifeln.

In Israel wird jedes Kind schon in jungen Jahren alljährlich am Yom HaShoah mit dem Erinnern und Gedenken an den Genozid der europäischen Juden konfrontiert. Kindergarten, Schulen und Gedenkstätten haben Konzepte für eine Auseinandersetzung mit jüngeren Kindern entwickelt. Besonders hervorzuheben ist das 1995 im zweitgrößten Holocaust-Museum, Bejt Lochamei HaGetaot, gegründete Kindermuseum Yad LaYeled, das sich an Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren richtet. Nach Alisa Badmor, Mitarbeiterin des Museums, zeigen die Erfahrungen deutliche Unterschiede in der Rezeption der Altersgruppen. Für Zehnjährige hält sie die Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust im Klassenraum für geeigneter. (Vgl. Alisa Badmor, »Vergangenheit und Identität im Kindermuseum zur Geschichte des Holocaust«, in: Jürgen Moysich, Matthias Heyl (Hrsg.), Der Holocaust. Ein Thema für Kindergarten und Grundschule? Hamburg 1998, S. 211-218)

Yad LaYeled diente Regine Gabriel, der pädagogischen Mitarbeiterin der Gedenkstätte Hadamar, u.a. als Anregung für das Konzept Kinder als Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätte Hadamar, das im Jahre 2002 erschien. Die vorliegende Publikation lässt sich aus zwei Perspektiven diskutieren. Zum einen stellt sich die Frage, ob ein Besuch von Kindern in der Gedenkstätte Hadamar empfehlenswert ist und wie er sich gestalten lässt. Zum anderen soll das Konzept auch von den Landeszentralen für politische Bildung vertrieben werden und somit womöglich als Modell für andere Gedenkstätten dienen. Dabei handelt es sich nicht um die ersten Überlegungen einer Gedenkstätte, Kinder im Alter von 10–13 Jahren als Zielgruppe anzusprechen. Neben größeren Institutionen wie dem Haus der Wannseekonferenz, dem Jüdischen Museum Berlin (Dependance Blindenwerkstatt) und dem Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bieten vor allem kleinere Gedenkstätten und Museen, beispielsweise die Alte Synagoge Wuppertal oder das Aktive Museum Südwestfalen, seit kurzem erste ausgewählte Informationen für Kinder über die Zeit des Nationalsozialismus und Holocaust. Damit schließen sie an eine Diskussion in der Grundschulpädagogik an, auf die auch Gabriel verweist.

Die Diskussion innerhalb der Grundschulpädagogik tendiert jedoch dazu, Gedenkstättenbesuche nur in den Fällen zu empfehlen, in denen Ausstellung und Führungskonzept altersgerechte Angebote beinhalten. Bevorzugt werden die Auseinandersetzung mit der Kinderliteratur im Klassenzimmer und die Spurensuche vor Ort. Schon 1996 hat sich Jacqueline Giere, ehemalige Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts, zum Besuch von Gedenkstätten wie folgt geäußert: »An anderen Orten wie in der Gedenkstätte Mönchberg in Hadamar […] werden die erhaltenen Gegenstände – u.a. Gaskammer, Seziertische und kahle Kellerräume – bei Kindern im Grundschulalter Angst auslösen.« Gabriel, die sich auf das Zitat bezieht, geht in ihrer Widerlegung dieser Aussage am Kern der Sache vorbei. Sie vermischt die Diskussion über die Frage, ob und wie der Holocaust ein Thema für Kinder unter 14 Jahren sein kann, mit den berechtigten und verbreiteten Bedenken, mit dieser Altersgruppe ein Zentrum des Mordgeschehens, hier Hadamar, zu besuchen. Mit dem Anspruch, Kinder mit diesem Grauen direkt zu konfrontieren, ist Gabriels Konzeption in der Bundesrepublik wohl bisher so einmalig wie fragwürdig.

Auch die Antwort auf die Frage, ob und wie sich ein solcher Gedenkstättenbesuch in Hadamar gestalten lässt, weckt mehr Zweifel, als dass er überzeugt. Zunächst zum oben beschriebenen Keller, dessen Besuch für viele Jugendliche und Erwachsene kaum zu verkraften ist. Gabriel schreibt zwar eingangs, ein Besuch der Kellerräume sei nicht zwingend notwendig, möchte aber der jeweiligen Gruppe selbst die Entscheidung überlassen (S. 12). Wer die Neugier von Grundschülern kennt, wird sich kaum darüber wundern, dass die Grundschulklasse, deren mehrtägiger Aufenthalt in der Gedenkstätte (Klassenfahrt) sehr ausführlich dargestellt wird (S. 15ff.), diesen geheimnisvollen Keller doch sehen wollte. Was sie dann zu Gesicht bekamen, hat die Kinder »sichtlich erschüttert«, wie Gabriel schreibt. Als dann ein Kind die Situation nicht mehr aushielt, wurden die Räume verlassen.

Für Gabriel sind solche Momente vor allem Anlass zu kreativem Gestalten. Die methodischen Zugänge erinnern an ein Erfahrungsfeld der Sinne: Dramapädagogik mit Verkleiden, Frottagen, Collagen, Tonarbeiten, schwarzes Theater und Klangcollagen, vor allem bezogen auf die Lebensgeschichten ermordeter Kinder, die als Materialien im kopierfähigen Format den größten Teil des Heftes ausmachen. Zur Klangcollage äußert sich Gabriel wie folgt: »Die Kinder können die verschiedenen Klangereignisse, denen sich die Opfer ausgesetzt sahen, rekonstruieren, ausdenken und auf Kassette aufnehmen. Das Knallen von Türen, verschiedene Fußtritte über unterschiedliche Böden, Stimmengewirr, Stille u.v.m. können den ›Gang der Opfer‹ erklingen lassen.« (S. 12) Ziel ist also eine Inszenierung, mit deren Hilfe sich Kinder in das grauenvolle Erleben der Opfer hineinversetzen.

Ähnliche Aufforderungen zur Identifikation mit den Opfern, zum sinnlichen Eintauchen nicht nur in eine andere Zeit, sondern auch in die Erfahrungswelt von Mordopfern, durchziehen die gesamte Konzeption. Für das Rollenspiel werden den Kindern Situationsbeschreibungen vorgegeben, zum Beispiel: »Ein Vater besucht seine behinderte Tochter 1943 in der Anstalt Hadamar. Er erfährt von ihr und anderen Kindern, dass man sie ermorden will. Wie reagiert der Vater?« (S.11) Ein Versuch, diese Szene nachzuspielen, kann weder der historischen Situation noch der emotionalen Lage der im Spiel agierenden Kinder keinesfalls gerecht werden.

In der so genannten zweiten Phase der »Euthanasie« wurden in Hadamar ca. 100 Kinder ermordet. Eine Auswahl an Lebens- und vor allem Sterbensgeschichten, nach vier Kategorien sortiert, wird in den Materialien vorgestellt: Geistig behinderte und psychisch kranke sowie blinde Kinder, Kinder von Zwangsarbeiterinnen, jüdische »Mischlingskinder«. Häufig stehen Angaben über Geburt, Krankheit und Ermordung auf einer Seite, während auf der anderen das Foto zu sehen ist, manchmal noch ergänzt durch entsprechende Dokumente, wie Briefwechsel und Gerichtsurteile. Oft sind die Dokumente sprachlich und inhaltlich für die Zielgruppe zu anspruchsvoll.

Kontrastiert mit den Fotos der Kinder, wirken die informierenden Texte seltsam nüchtern. Es entsteht der Eindruck von Aktennotizen, hinter der jedoch Menschen stehen. Aber in den Texten erfährt man kaum etwas über den Menschen mit seinen Wünschen, Ängsten und Träumen – Anhaltspunkte, die für die Entwicklung von Empathie notwendig sind. Sind diese erschütternde Kinderschicksale, die nahezu alle mit der Tötung durch das Anstaltspersonal enden, wirklich ein geeignetes Material für die Auseinandersetzung heutiger Grundschüler mit der NS-Zeit? Welche Auswirkung hat es, wenn die Information, die Kinder seien in einem Krankenhaus ermordet worden, mit eigenen Krankenhauserfahrungen verglichen werden soll? (S. 11)

Bei dieser Publikation sind die Bedenken vieler Erwachsenen wohl berechtigt. Es geht nicht darum, Kinder in einem Schonraum zu belassen. Es geht vielmehr darum, eine sinnliche Erfahrungsreise an einen ehemaligen Mordort zu hinterfragen. Das Argument Gabriels, wir könnten uns unsere Herkunft nicht aussuchen, trifft selbstverständlich zu. Es kann jedoch die Konfrontation jüngerer Kinder mit den nationalsozialistischen Verbrechen an einem Ort wie Hadamar nicht begründen – erst recht nicht mit den vorgeschlagenen methodischen Zugängen.

Besprechung von Hildegard Jacobs

Im Februar 2001 besucht eine 4. Klasse der Grundschule Mammolshain zwei Tage lang die Gedenkstätte Hadamar: »Eine Gruppe wählte Instrumente aus und hatte den Auftrag, das, was ihnen an diesem Ort Angst bzw. Freude macht, in Klänge zu verwandeln. Die beiden anderen Gruppen widmeten sich dem Rollenspiel. (…) Die Gruppe der »Musikanten« verblüffte mich völlig. Zunächst spielten sie eine selbst ausgedachte fröhliche Melodie, dann gingen sie unvermittelt in eine Art Marsch über. Dieser Marsch wurde immer stärker beschleunigt und hörte plötzlich auf. Die Wirkung war unglaublich. Mir nahm es fast den Atem, so intensiv war es den Kindern gelungen, das Angstgefühl, das die Opfer gehabt haben mussten, in Klänge umzusetzen.«

So schildert die langjährige pädagogische Mitarbeiterin der Gedenkstätte Hadamar Regine Gabriel ihre Eindrücke einer der Arbeitsphasen, die sie mit den Kindern durchgeführt hat. Die Gedenkstätte Hadamar besteht aus einem Friedhof, den noch erhaltenen authentischen Kellerräumen und einer Dauerausstellung über die »NS-Euthanasie«. Für die pädagogische Arbeit stehen Seminarräume, Filmvorführräume, eine Präsenzbibliothek und ein Gedenkraum zur Verfügung. Ab November 1940 wurden in den Kellern der Anstalt Hadamar Kinder, Frauen und Männer im Rahmen der so genannten »NS-Euthanasie« ermordet. Die psychisch kranken oder geistig behinderten Opfer waren aus anderen Heil- und Pflegeanstalten des deutschen Reiches nach Hadamar verlegt worden. Die Leichen wurden ab 1942 auf einem neu eingerichteten Anstaltsfriedhof begraben. Ab 1943 wurden auch »halbjüdische« Fürsorgezöglinge und kranke Zwangsarbeiter in Hadamar ermordet.

Können Kinder überhaupt schon NS-Gedenkstätten besuchen und dort Geschichte lernen? Es gibt viele Erwachsene, die meinen, man würde Kinder mit NS-Geschichte überfordern. Aber Kinder werden heute im Alltag, in den Medien schon früh mit Datensplittern der NS-Zeit konfrontiert. Auf Spielplätzen, in Fahrstühlen finden sie Hakenkreuzschmierereien, werden Zeugen von Demonstrationen etc. Ihre gesamte Umwelt ist randvoll mit »Geschichte«. Gerade in dieser Mediengesellschaft ist es wichtig, die Kinder zu stärken. Kinder besitzen schon früh die Fähigkeit, die Dimensionen von Recht und Unrecht, Menschlichkeit und Unmenschlichkeit zu erfassen. Sie interessieren sich sehr für die Erlebnisse einzelner Menschen (in der NS-Zeit). Sie erkennen die Handlungsspielräume z.B. zwischen Mut zum Widerstand oder Angepasst sein. Am historischen Beispiel einzelner Menschen lassen sich so demokratische und humanistische Werte und Rechte vermitteln. Durch die frühe, behutsame und geplante Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus lässt sich verhindern, dass sich Vorurteile festsetzen und die Kinder gesellschaftlich verbreitete historische Klischees, Legenden oder NS-Mythen unreflektiert aufnehmen.

Wer sich also von den geschilderten Vorbehalten löst und mit Kindern in Gedenkstätten arbeiten will, wird in der neuen Publikation von Regine Gabriel einen hervorragenden Einstieg und weiterführende Hilfen finden. Die Publikation wendet sich auch an diejenigen, die noch nichts über oder wenig von den Möglichkeiten der pädagogischen Arbeit mit Kindern in Gedenkstätten wissen.

Regine Gabriel gliedert ihre Publikation über Kinder als Besucherinnen und Besucher in der Gedenkstätte Hadamar in zwei wesentliche Teile: Vorangestellt werden pädagogische Überlegungen und Informationen zur Einführung. Regine Gabriel macht deutlich, dass der Besuch von Kindern in einer Gedenkstätte besonderer Vermittlungsmethoden bedarf. Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass die Vermittlung historischer Details und Zusammenhänge zunächst eher in den Hintergrund treten und das spielerische Sich-nähern einen größeren Stellenwert erhält. Um dies anschaulich zu machen, werden anhand konkreter Projekte besonders geeignete Methoden vorgestellt. Der Einsatz von Vermittlungsmethoden (Rollenspiel, Bild-Collagen, Zeichnungen, freies und musikalisches Gestalten etc.) werden anhand eines Projektberichts mit einer Grundschule, dem Beispiel einer Spurensuche mit Kamera, Wachsstift und Papier und einem Ferienprojekt für Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren dargestellt.

Der zweite Teil der Publikation, die Materialien, bieten jeweils einen komprimierten historischen Informationstext und verschiedene Lebensgeschichten zur konkreten pädagogischen Vermittlungsarbeit. So vermittelt der Materialienteil z.B. sehr anschaulich die Situation geistig behinderter und psychisch kranker Kinder in der NS-Zeit. Sämtliche Briefe, Fotos, Dokumente und Kurzbiografien können als Kopier- oder Folienvorlagen genutzt werden und sind praktischerweise jeweils auf einer Seite abgedruckt. Ähnlich wird das Thema Sinnesbehinderungen am Beispiel blinder Kinder aufgearbeitet. Regine Gabriel bietet in ihrer Publikation auch Materialien zum Schicksal von Zwangsarbeiterinnen und ihren Kindern und dem Schicksal jüdischer »Mischlingskinder« in Tötungsanstalten wie Hadamar.

Fazit: Regine Gabriel entkräftet in ihrer Publikation erfolgreich gleich zwei gängige Vorurteile: Zunächst zeigt sie sehr anschaulich auf, dass Kinder generell nicht zu jung für einen Besuch in einer NS-Gedenkstätte sind. Dies untermauert sie, indem Projekte vorgestellt werden, die erfolgreich in der Gedenkstätte Hadamar durchgeführt wurden. Gerade der authentische Ort Hadamar und das mit ihm verbundene Thema der so genannten »Euthanasie« während der NS-Zeit gehört zu jenen Themen, die in der Regel von Erwachsenen als »besonders schwierig« für die Vermittlung bezeichnet werden. Regine Gabriel zeigt auf, das auch dieses schwierige Thema sinnvoll mit Kindern aufgearbeitet werden kann. Die Publikation gibt Erfahrungswerte und Tipps zur weiterführenden Arbeit vor Ort. Ein Literaturverzeichnis ermöglicht weiteres Studium zu den Themenbereichen »Euthanasie« und über Kinderschicksale im Nationalsozialismus.