"Die Juden sollen zittern!"

Zur Geschichte des jüdischen "Arbeitslagers Lieberose" 1943-1945 in Jamlitz, einem Nebenlager des KZ Sachsenhausen sowie zur gleichnamigen Wanderausstellung
04/1998Gedenkstättenrundbrief 82, S. 14-20
Andreas Weigelt

Das »Arbeitslager Lieberose« ist im Akteneinheitsplan des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) unter Häflingseinsatz bei »SS-Dienststellen« verzeichnet. Speziell als Arbeitseinsatz für das SS-Führungshauptamt zur Errichtung eines

SS-Truppenübungsplatzes (von insgesamt vier vor der Schlacht am Kursker Bogen geplanten) diente dieses Lager unmittelbar dem Ausbau der Waffen-SS.

So unterstand dem im August 1943 als Standortkommandant für den SS-Truppenübungsplatz »Kurmark« eingesetzten SS-Standartenführer Alexander Fick in Jamlitz sowohl das SS-Wachbataillon 4 (vornehmlich sogenannte Banater Volksdeutsche) als auch arbeitsseitig das Häftlingslager mit seinem Lagerführer SS-Hauptscharführer Wilhelm Kersten. Das WVHA stellte die Lager-SS und mit der »Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei ›Kurmark‹ Lieberose« das technische Personal für die Bauvorhaben. Der größte Teil der Häftlinge kam nicht aus dem KZ Sachsenhausen, sondern aus Groß-Rosen und ab Juni 1944 aus Auschwitz nach Jamlitz.

Von allen SS-Truppenübungsplätzen ist die Planungsphase für »Kurmark« m.W. am besten dokumentiert. Mit auffallendem persönlichen Einsatz bei der Überwindung des Widerstandes der auszusiedelnden »Platzbevölkerung« im Gebiet zwischen Jamlitz und Guben und zwischen Kieselwitz und Peitz ist es vor allem der Reichsführer SS Heinrich Himmler selbst, der zur Eile drängt. Von ihm eingesetzt und mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet, ist der eigentliche Organisator bis Ende 1943 der Leiter der Amtsgruppe C (Bauwesen) im WVHA, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, Dr. Hans Kammler. Dieser verhandelt nicht nur mit allen betroffenen Reichsbehörden und macht Himmler auf eingetretene Hemmnisse aufmerksam, er bereist auch mit Gauleiter Stürtz das Planungsgebiet, organisiert Werbeversammlungen in den Dörfern und nimmt bei allzu großem Widerstand sogar einige Dörfer von der Aussiedlung aus. Kammler ist zu diesem Zeitpunkt bereits Himmlers »Sonderbeauftragter V2«. Anfang Oktober 1943 sieht sich Himmler gezwungen, in Leeskow einen »Absiedlungs-Sonderbeauftragten«, SS-Brigadeführer Kurt Hintze, einzusetzen, dem zwei SD-Beamte zur Verfügung stehen. Es kommt zur Verhaftung von »Rädelsführern«. Als Himmler auch damit keinen Erfolg hat, läßt er Anfang November 1943 die Räumung großen Stils stoppen und befiehlt kurzerhand erste Truppenbelegungen ab Dezember.

Größter Eigentümer auf dem geplanten Übungsplatz war Graf Albrecht von der Schulenburg in Lieberose. Nach gescheitertem Ausweichvorschlag seinerseits zwang ihn die Waffen-SS Ende November 1943 unter dem Versprechen späteren Wertausgleichs zur Übereignung von etwa 8000 ha an den Preußischen Staat. Während der Verhandlungen hatte die Waffen-SS von ihm bereits am 10. November 1943 die Genehmigung sofortigen Barackenbaus an geeigneten Stellen auf seinem Besitz erbeten und auch erhalten.

Am 9. November 1943 transportierte die SS die ersten 22 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen nach Jamlitz. Das so entstandene »SS-Außenlager« war provisorisch in der Gaststätte »Zum kühlen Grunde« untergebracht und im Laufe der folgenden Wochen stieg die Häftlingszahl auf etwa 200 an. Gemeinsam mit den in einem anderen Lager in Jamlitz untergebrachten etwa 200 sogenannten »SS-Frontarbeitern« errichteten sie das eigentliche Häftlingslager in der Nähe des Bahnhofs, den Bauhof und erste Unterkünfte für die SS. Der Arbeitseinsatz der halbfreien »SS-Holländer« unterstand ebenfalls der Zentralbauleitung »Kurmark«.

In der ersten Bauphase bis zum 1. April 1944 entstanden sechs Häftlingsbaracken. Am 12. April 1944 traf in Jamlitz ein größerer Transport polnischer und sowjetischer ehemaliger Kriegsgefangener aus dem KZ Groß-Rosen ein.

Erst zwei Monate später – das Lager war indessen weiter ausgebaut worden – wurde aus dem bis dahin noch kleinen »Arbeitslager Lieberose« ein jüdisches Massenlager. Von den ursprünglich 100000 ungarischen jüdischen Arbeitskräften, die Hitler nach der Besetzung Ungarns für Bauvorhaben des Jägerstabes im deutschen Reichsgebiet vorgesehen hatte, leitete die Waffen-SS viele Tausende in ihre eigenen Projekte um. Hatte Himmler selbst am 24. Mai 1944 Wehrmachts-Generälen in Sonthofen versprochen, von diesen jüdischen Häftlingen im eigentlich »judenreinen Deutschland« käme »nicht einer irgendwie in das Gesichtsfeld des deutschen Volkes«, so erreichte am 5. Juni 1944 der erste Transport von etwa 2500 ungarischen Juden aus dem KZ Auschwitz-Birkenau den Bahnhof in Jamlitz. Dies blieb den Jamlitzern nicht verborgen, ebenso nicht, daß es sich um jüdische Häftlinge handelte.

Ab Juni 1944 erreichten nun monatlich Transporte mit jüdischen Häftlingen aus Auschwitz direkt oder über Sachsenhausen das »Arbeitslager Lieberose« in Jamlitz. Hinzu kamen immer wieder kleinere nichtjüdische Häftlingsgruppen aus Sachsenhausen. Eine Gesamtzahl von etwa 11000 Häftlingen (aus 14 europäischen Staaten) für die 15 Monate von November 1943 bis Ende Januar 1945 beruht auf vorsichtigen Schätzungen.

Insgesamt 4000 erschöpfte Häftlinge sind ab Sommer 1944 zur Vernichtung zurück nach Birkenau gebracht worden. Mit den etwa 1200 bei der Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 Ermordeten dürften in Jamlitz mehr als 3500 Menschen ihr Leben gelassen haben. Die höchste Belegung erreichte das Lager mit etwa 4350 Häftlingen in 18 Baracken im Spätherbst 1944. Im Durchschnitt befanden sich in Jamlitz zum gleichen Zeitpunkt nie mehr als 200 nichtjüdische Häftlinge, zumeist polnische und nur etwa 30 deutsche. Einige deutsche politische Häftlinge waren mit Beginn der SD-Sonderkommission in Sachsenhausen ab Mai 1944 von dort nach Jamlitz »abgetaucht« und hatten hier Funktionen als Blockälteste inne. Die politischen Häftlinge Otto Kriesche, ein sudetendeutscher Redakteur, und Herbert Simon aus Bremen waren Lagerältester bzw. Arbeitseinsatzschreiber.

Größtes Arbeitskommando auf dem SS-Truppenübungsplatz »Kurmark« war das Kommando »Unterkünfte Ullersdorf«, wo etwa 1000 hauptsächlich jüdische Häftlinge einen Kasernenkomplex aus Baracken und festen Gebäuden zu errichten hatten. Auf dem SS-Bauhof zwischen Bahnhof und Häftlingslager waren ca. 500 vor allem polnische, norwegische und deutsche Häftlinge in Magazinen, Büros, Werkstätten, Lagern und Handwerkertrupps eingesetzt. Berüchtigt war das Kommando »Gleisbau Reckmann« einer privaten Cottbuser Firma, die zugleich im Frühjahr 1944 das Gleis Nr. 3 an der Rampe im Vernichtungslager Birkenau verlegt hatte und um Jamlitz Straßen- und Gleisbau für die Waffen-SS betrieb. Es bestanden die Kommandos »Holzfäller«, »Sägewerk«, »Bahnhof«, »Straßen- und Bunkerbau«. Häftlinge arbeiteten bei den Fischereiteichen bei Jamlitz, auf dem SS-Gut Leeskow, in der Kiesgrube Staakow und in Tauer bei Peitz im »SS-Zeugamt«. Vermutlich waren Jamlitzer Häftlinge in Peitz auch bei der Flugzeugteilproduktion der Firma Raspe (Jägerprogramm) und beim Straßenbau eingesetzt.

Von der einstigen Topographie des Arbeitseinsatzes der KZ-Häftlinge in und um Jamlitz ist heute noch vieles sichtbar. So die (jetzt asphaltierte) Straße zwischen Jamlitz und Leeskow, Baugruben einer Ende der 40er Jahre abgetragenen Kasernenanlage nordöstlich des Bahnhofs, massive Betonschanzen und -schießscharten auf freiem Feld östlich von Leeskow, Baugruben von etwa 20 nach dem Krieg zur Baustoffgewinnung abgerissenen Kasernenbauten südlich von Ullersdorf und bei Mochlitz, die Panzerentladerampe am Bahnhof und Erdaufschüttungen einer Bahntrasse vom Bahnhof aus in den Übungsplatz hinein. Von Häftlingen hergestellte und verlegte Betonschwellen einer provisorischen Schiebebahn für Loren haben sich hier und da erhalten; nicht zu vergessen der sogenannte »Lagerstein« aus dem Jahre 1944, Keller- und Fundamentreste einer Baracke im ehemaligen Lagergelände sowie der im Wald abgelegte letzte Torpfeiler des Häftlingslagers.

Es gibt einige Hinweise darauf, daß der Krankenstand und die Sterblichkeit in keinem Außenlager des KZ Sachsenhausen so hoch waren, wie im »Arbeitslager Lieberose«, dem m.W. zweitgrößten jüdischen der 130 KZ-Arbeitslager im Reichsgebiet. Im Sommer 1944, also nur kurze Zeit nach Ankunft des ersten Massentransports aus Auschwitz, wurden in Jamlitz Schonungsblocks eingerichtet. Die Zahl der arbeitsunfähigen Häftlinge nahm ständig zu und die in den völlig einrichtungslosen Schonungsblocks vegetierenden Häftlinge wurden in bestimmten Abständen in die Krematorien nach Birkenau gebracht. Nur etwa 20% aller Häftlinge haben die Auflösung des Lagers im Februar 1945 überlebt.

Mitte Januar 1945, als die SS die Evakuierung der in Frontnähe geratenen Lager plante, wurden die Schonungsblocks im nordwestlichen Teil des Lagers mit einem Drahtzaun vom übrigen Lager abgetrennt. Darin befanden sich nun etwa 1200 marschunfähige Häftlinge.

Am 1. Februar 1945 transportierte die SS in offenen Güterwaggons ca. 700 kranke und jugendliche Häftlinge von Jamlitz in Richtung Berlin ab. Sie sind sehr wahrscheinlich über das Nebenlager Falkensee zur Vernichtung nach Sachsenhausen gebracht worden. Am 2. Februar setzten sich die restlichen etwa 1500 noch gehfähigen Häftlinge in Richtung Sachsenhausen in Marsch, begleitet von den meisten Männern der Lager-SS sowie einem Teil des SS-Wachbataillons 4. Der Evakuierungsmarsch wurde durch Goyatz, Kuschkow, Teupitz, Zossen, Ludwigsfelde, Potsdam und Falkensee geleitet, wo entweder auf freiem Feld, in Scheunen, Ställen oder in verlassenen Lagern und Kasernengebäuden übernachtet wurde. Der junge SS-Rottenführer Erich Schemel hatte den Befehl erhalten, fliehende und zusammenbrechende Häftlinge zu töten. (In einem Verfahren 1965 wurden ihm mehr als 30 Tötungen nachgewiesen und er zunächst zu fünf Jahren Haft verurteilt, jedoch kam er durch ein Revisionsverfahren trotz dem um sechs Monate gesenkten Strafmaß vorzeitig frei.) Die Kolonne erreichte am 9. Februar Sachsenhausen, wo in den nächsten Tagen etwa 400 jüdische Häftlinge auf dem Industriehof getötet wurden. Die meisten nichtjüdischen Häftlinge wurden ins Klinkerwerk überstellt, wenige meldeten sich zur SS-Brigade Dirlewanger. Im Laufe des Februar evakuierte die SS die meisten der ca. 1000 bis dahin noch lebenden jüdischen Häftlinge von »Lieberose« ins KZ Mauthausen.

Für die 1200 in den Schonungsblocks in Jamlitz Zurückgebliebenen war am 1. Februar aus Sachsenhausen sowohl an den Leiter des Bauhofs, SS-Obersturmführer Heinrich Köhlinger, als auch an den Lagerführer, SS-Hauptscharführer Wilhelm Kersten, der Befehl zur »Sonderbehandlung« ergangen. 1946 bestätigte der frühere

SS-Lagerarzt des KZ Sachsenhausen, Dr. Heinrich Baumkötter, daß ein solcher Befehl nur für »Lieberose« gegeben wurde. An dem Massenmord, der sich zwischen dem 2. und 4. Februar 1945 in Jamlitz ereignete, haben dann sowohl die zurückgebliebenen Männer der Lager-SS als auch Angehörige des SS-Bauhofs und des Wachbataillons teilgenommen. Auch die Beteiligung des Lagerführers Kersten, des Bauhofleiters Köhlinger, ja sogar des Standortkommandanten des SS-Truppenübungsplatzes »Kurmark«, SS-Standartenführer Alexander Fick, wurde von Tatzeugen beobachtet. Lagerführer Kersten wurde während dieser Erschießungen, die auf dem Lagergelände, z.T. in den Schonungsblocks als auch zwischen den Baracken, stattfanden, von verzweifelten Häftlingen lebensgefährlich verletzt. Eines der wenigen, mehrfach bezeugten Beispiele für Widerstand in diesem jüdischen Lager. (Gegen Kersten wurde von englischen, polnischen und deutschen Behörden zwischen 1946 und 1971 insgesamt sechsmal ermittelt, ein Gerichtsurteil auf Bewährung und ein Spruchgerichtsurteil von einem Jahr und neun Monaten Internierung verhängt. Er starb 1971 während der Ermittlungen wegen des Massenmordes vom Februar 1945.)

Die Ermordeten wurden in mindestens zwei Massengräbern vergraben. Schon kurz nach seiner Überstellung aus dem britischen Internierungslager an das Sowjetische Militärtribunal (SMT) nach Berlin, sagte der frühere Rapportschreiber des Schutzhaftlagerführers in Sachsenhausen, Horst Hempel, am 30. August 1946 aus, die Zurückgebliebenen seien »im Lager ›Lieberose‹ daselbst erschossen und ihre Leichen auf dem Territorium des Lagers ›Lieberose‹ vergraben« worden. Dieses Massengrab wurde bis heute nicht gefunden.

Als bemerkenswert sei hier hingewiesen auf die Häufung von Vernehmungen des SMT zum »Arbeitslager Lieberose« in Vorbereitung des sogenannten »Berliner Prozesses«. Der frühere Lagerkommandant Anton Kaindl, Lagerarzt Dr. Heinrich Baumkötter sowie Hempel sind nach meiner Kenntnis mindestens achtmal speziell zu »Lieberose« und vor allem zu dem Massenmord verhört worden. Das SMT kannte nicht nur Namen von Tatverdächtigen, es wurden auch mehrere ehemalige »Lieberoser« und Sachsenhausen-Häftlinge befragt bzw. von diesen Berichte angefertigt. Es lag in Berlin zudem die Aussage eines kriegsgefangenen Angehörigen des SS-Wachbataillons 4 vor, der Tatzeuge geworden war. Auch die Ermittlungen der »Deutschen Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland« in Vorbereitung des Prozesses erbrachten Belastungszeugen und Namen der für »Lieberose« Verantwortlichen.

M.E. ist durch das SMT eine Weiterermittlung im Falle des Massenmords und eine eventuelle Exhumierung der Leichen nicht betrieben worden, weil sich auf dem Lagergelände in Jamlitz seit September 1945 das sowjetische Speziallager Nr. 6 befand und an jüdischen Opfergruppen von sowjetischer Seite kein Interesse bestand. Vergleichbar hätte der Fall des Lagerführers des Nebenlagers »Klinkerwerk«, Heinrich Fresemann, sein können, der im »Berliner Prozeß« verurteilt worden war.

Anfang Mai 1971 ist etwa zwei Kilometer von Jamlitz entfernt in einer Kiesgrube ein Massengrab mit 577 der ermordeten Häftlinge entdeckt worden, nachdem schon 1957 Kinder Reste von zwölf Leichen beim Spielen freigelegt hatten. Obwohl es sich bei den 577 Leichen um Gebeine jüdischer Häftlinge handelte, sind sie eingeäschert und im September 1971 in Lieberose, fünf Kilometer von Jamlitz entfernt, auf dem »Galgenberg« neben dem Friedhof in einem Urnengrab beigesetzt worden. 1973 wurde die Stätte als Mahnmal gestaltet und mit dem roten Winkel der politischen Häftlinge gekennzeichnet. In der »Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen« bestand Ende der 70er Jahre das Vorhaben, den Gedenkort Lieberose zu einer Außenstelle ähnlich dem Behlower Wald zu entwickeln. 1982 wurde ein Museum in unmittelbarer Nähe des Mahnmals errichtet und in die Verantwortung der »örtlichen Organe« gegeben. Drehbuch und Gestaltung der ersten Ausstellung, die das Lager insgesamt nicht als ein jüdisches Arbeitslager charakterisierte, stammten aus Sachsenhausen.

Die Geschichte des Gedenkens an das »Arbeitslager Lieberose« läßt sich zurückverfolgen in die Zeit nach der Auflösung des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz. 1949 wurde bei Aufräumarbeiten auf dem Lagergelände der von einem ungarischen jüdischen Häftling behauene und als »Lagerstein« bezeichnete Findling mit der Aufschrift »Arbeitslager Lieberose 1944« entdeckt und 1956 auf Veranlassung des Bürgermeisters Werner Mocho etwa am ehemaligen Lagereingang als »Mahnmal« wieder aufgerichtet. Er diente fortan als einzige Stätte für Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen, 1965 sogar auf Ministerebene. (Der Stein wurde im September 1971 – wenige Tage vor Grundsteinlegung des Lieberoser Mahnmals – auf Anordnung des Rates des Bezirkes Frankfurt/Oder entfernt und auf die Burg Beeskow geschafft. Er kehrte erst 1990 auf Betreiben von Jamlitzer Einwohnern zurück.) Werner Mocho war es auch, der erste Befragungen und Recherchen durchführte sowie Niederschriften zum Lager und zum Truppenübungsplatz anlegte, die heute Bestandteile seiner Jamlitzer Ortschronik und einer Betriebschronik sind. Ende der 50er Jahre wies Mocho in Tageszeitungen mehrmals auf das Lager hin und nahm auch Kontakt zu Häftlingsorganisationen auf. 1968/69 fertigte der Beeskower Richard Schulz für die »Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung im ehemaligen Lande Brandenburg« bei der Bezirksleitung der SED Frankfurt/Oder ein über 100 Seiten starkes Manuskript an unter dem Titel: »Das ›Arbeitslager Lieberose‹. Die Errichtung des ›Truppenübungsplatzes KURMARK der Waffen-SS‹ und das ›Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Jamlitz, Kreis Lübben NL‹«. Ursprünglich zur Publikation vorgesehen, verschwand es im Schubfach.

Anfang der 70er Jahre entstanden durch die Arbeit einer Schülerarbeitsgemeinschaft an der Lieberoser Schule unter der Leitung des verdienstreichen Lehrers Roland Richter eine größere Materialsammlung und erste Kontakte zu Überlebenden des Lagers. Aus dem Jahre 1972 datiert eine Schülerarbeit von Edeltraud Wunderschütz: »Das KZ-›Arbeitslager Lieberose‹«. Das bis Ende der 70er Jahre an der Schule gesammelte Material bildete die Grundlage für die Ausstellung von 1982, die bis zum Ende der DDR von der Schule in Lieberose betreut wurde. Ein Verein zur Pflege und Erhaltung von Mahnmal und Museum unter Vorsitz des ehemaligen Schuldirektors Peter Kotzan sorgt heute für Öffnungszeiten, Sonderausstellungen und die Durchführung von Gedenkveranstaltungen.

Die Wanderausstellung »Die Juden sollen zittern!« entstand auf Anregung der Gedenkstätte Sachsenhausen seit 1994 durch neu aufgenommene Recherchen und viele hinzugekommene Kontakte zu Überlebenden, unterstützt durch das Land Brandenburg, das Arbeitsamt, den Landkreis Dahme-Spreewald, den Verein »Gegen Vergessen – Für Demokratie« Bonn, die Stadt Lieberose und mit Hilfe vieler Privatpersonen.

Die Präsentation der Wanderausstellung als historische Dauerausstellung in Zusammenhang mit einem breiter angelegten Dokumentations- und Bildungszentrum in Jamlitz selbst wird vorbereitet.

Eine umfangreiche Broschüre

kann gegen eine Spende von DM 3,—

(in Briefmarken) bestellt werden bei:

Amt Lieberose

Andreas Weigelt

15868 Lieberose