Das Internet als Medium im Internationalen Jugend-Workcamp Bergen-Belsen 2005

12/2005Gedenkstättenrundbrief 128, S. 28-35
Sonja Reichmann und Volker Jörn Walpuski

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen fand im April 2005 bereits zum elften Mal ein Internationales Jugendworkcamp statt. Dieses Camp wird von niedersächsischen Jugendverbänden unter dem Dach des Landesjugendringes Niedersachsen e.V.[1] und der AG Bergen-Belsen e.V.[2] getragen und ausgerichtet.[3] Eine Dokumentation ist fester Bestandteil des Camps.

Bisherige Formen der Dokumentation

Jedes Jahr erstellen die Jugendlichen während des Camps eine Dokumentation in Form einer Zeitung. Dort werden beispielsweise Arbeitsergebnisse dargestellt, oder es wird über Erfahrungen und Erlebnisse berichtet. 2004 gab es eine Kleingruppe, die sich nur der Dokumentation gewidmet hat. Der Anteil der digitalen Fotos war bereits so groß, dass die Teilnehmenden zum Ende des Camps jeweils eine CD-ROM mit allen Fotos bekamen.

2005 kamen anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung viele Überlebende nach Bergen-Belsen, so dass der Schwerpunkt des Camps auf der Begegnung mit den Zeitzeugen lag. Eine Dokumentationsgruppe wurde deshalb nicht angeboten. Jede Kleingruppe schrieb jedoch ihre Ergebnisse für eine Camp-Zeitung auf. Das Datenvolumen der digitalen Fotos des diesjährigen Workcamps umfasste mittlerweile vier CDs.

Eine neue Dokumentationsform

Die ›neue‹ Idee: Das Internationale Jugendworkcamp berichtet zeitgleich im Internet von seinen Aktivitäten und Erlebnissen auf der interaktiv und partizipativ angelegten Plattform des Jugendservers Niedersachsen. Die Kooperation ist sinnvoll, um eine Breitenwirkung zu ermöglichen und die Zielgruppe jugendlicher Leser zu erreichen. Zudem werden die aktuellen Nachrichten der Startseite des Jugendservers durch Content Sharing[4] auf weiteren Jugendseiten innerhalb Niedersachsens dargestellt.[5]

Basis: Jugendserver Niedersachsen

Im Dezember 2003 hat der Landesjugendring Niedersachsen e.V. den Jugendserver Niedersachsen[6] als ein niedersächsisches Informations-, Kommunikations- und Kooperationsportal für Jugendarbeit und interessierte Jugendliche ins Leben gerufen. Das Internetangebot verknüpft webbasierte Informationen mit e-learning-Elementen und bietet einer nicht limitierten Anzahl von haupt- und ehrenamtlichen Personen aus der  Jugendarbeit und interessierten Jugendlichen die Möglichkeit, Themen aus ihrer Arbeits- und Lebenswelt zu kommunizieren. So können Veranstaltungen, Adressen, Themen und Informationen veröffentlicht werden. Auf der Basis von Typo3, einem OpenSource[7] Content-Management-System[8], können Inhalte direkt auf der Plattform eingegeben werden. Die notwendigen Kenntnisse werden in regelmäßig stattfindenden Schulungen vermittelt. Es gibt eine Hierarchie, basierend auf dem Kenntnisstand und der Verantwortlichkeit: Die Rechteverteilung im System sieht Chefredaktionen und Redaktionen vor. Der Jugendserver ist inhaltlich in vier Bereiche untergliedert: News, Themen, Veranstaltungen und Adressen. Derzeit arbeiten insgesamt 196 Redakteure überwiegend ehrenamtlich und dezentral auf der Plattform. Das inhaltliche Spektrum reicht von lebensweltbezogenen Themen von und für Jugendliche(n), jugendpolitischen Informationen bis zu Materialien und Gesetzen für Jugendarbeiter. Eine Adressen-, Veranstaltungs- und Vergünstigungsdatenbank wird regional auf sämtliche niedersächsischen Landkreise für die Nutzer aufbereitet. Als offenes Kooperationsmodell ist ein Wiki[9] für Jugendliche und Jugendarbeiter auf den Seiten implementiert. Geschützte Teamräume ergänzen das Angebot. Initiativen, Projekte und Organisationen aus der niedersächsischen Jugendverbandsarbeit können kostenfrei das Redaktionssystem des Jugendservers Niedersachsen für ihre eigene Online-Präsenz nutzen.

Bei einer landesgeschichtlichen Tagesveranstaltung am 9. November 2004 im niedersächsischen Landtag haben die Jugendverbände, die die Workcamps ausrichten, bereits mit dem Jugendserver kooperiert: Jugendliche berichteten live von der Veranstaltung.[10] Dabei wurden Texte von den Akteuren eigenständig recherchiert, für die Startseite als News aufbereitet und während der Veranstaltung im Redaktionssystem online gestellt. Bildergalerien und eine abschließende Videodokumentation sind ebenfalls eingepflegt worden. Nach dieser erfolgreichen Kooperation bot sich der Jugendserver wieder als Basis an. Mit durchschnittlich 600 Visits[11] pro Tag sorgt er für eine zielgruppengenaue Breitenwirkung.

Die Entwicklung des Konzepts
Webcam

Zunächst entstand die Idee, eine Webcam[12] zu installieren. Dies wurde schnell als unpraktikabel verworfen, weil die Frage des Installationsortes nicht befriedigend gelöst werden konnte: Im Seminarhaus gab es nur abends Aktivitäten. Das Außengelände der Gedenkstätte ist zu weitläufig, als dass eine statische Webcam einen Bildausschnitt übertragen könnte, in dem regelmäßig etwas Sehenswertes passiert. Und schließlich: In Seminarräumen aufgezeichnete Stummfilme sind uninteressant. Einzige Lösung schien eine mobile Webcam zu sein, die über ein GPRS-/UMTS-Mobiltelefon versetzbar bleibt. Auf diese Weise könnten sehenswerte Bilder, also von Orten, an denen Veränderung geschieht, ins Internet eingespeist werden. Unter organisatorischen und finanziellen Aspekten betrachtet ließ sich dieses Vorhaben jedoch nicht kurzfristig realisieren.

Eintritt in die Blogosphere

Eine weitere Idee war eine Internet-Berichterstattung in Textform und mit Fotos. Die herkömmliche Codierung von Internetseiten ist jedoch zeitaufwändig, und Redaktionssysteme, wie sie auch der Jugendserver nutzt, benötigen Einarbeitungszeit. Die Lösung war ein Blog[13]. Im Internet nimmt die Akzeptanz, Bekanntheit und vor allem die Anzahl der Blogs ständig zu.[14] Damit wächst auch ihre Relevanz.[15]

Ein Tagebuch ist klassischerweise eine intensive Form der Reflexion und der Dokumentation. Beliebt ist diese Form unter anderem bei Teenagern. Nicht nur Anne Frank fand in ihrem Tagebuch ein Reflexions-Ventil. Sie schrieb ihre Einträge oft an eine virtuelle Freundin namens Kitty.[16] Die persönlichen Themen und Motive ihres Tagebuches findet der US-amerikanische Kommunikationswissenschaftler David Huffakker nahezu identisch in den Blogs heutiger Jugendlicher: Schule, Beziehung, Musik und sexuelle Orientierung.[17]

Auch im Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden von (jugendlichen) Inhaftierten Tagebücher geschrieben – aufgrund der spezifischen Lagerfunktion ist die ungewöhnlich hohe Zahl von 28 bekannt.[18] Im Nachhinein wurde eine weit höhere Zahl an Leidens- und Erlebnisberichten verfasst und publiziert.

Ein Blog nimmt also ein Bedürfnis auf, das insbesondere der Teenager-Altersgruppe nahe liegt: Reflexion und Bewahren im Schreiben.[19] Gleichzeitig macht es diese Erfahrungen für andere einsichtig. Diese Öffnung hin zu einer Peergroup und das Erfahren von Rückmeldungen (›comments‹) ist ein wichtiges Element von Blogs. Im virtuellen Raum bieten Blogs relativ gefahrlos die Möglichkeit, Ideen, Wünsche, Gedanken darzustellen und ein Feed-back zu erfahren, das einer peer-group in der realen Welt nahe kommt.[20] Ein Blog kann also bidirektional sein.

Ein Blog bietet weitere Vorteile:

• Aktualität: Ein Blog ist nicht dem Anspruch einer Webcam an ständige Veränderung ausgesetzt. Es reicht, täglich aktualisierte oder neue Inhalte einzustellen.

• Bedienungsfreundlichkeit: Ein Blog ist sehr einfach zu bedienen. Es bedarf nur äußerst geringer Computerkenntnisse und vermittelt schnell Erfolgserlebnisse.

• Zweitverwertung: Texte, die für die Schlussdokumentation in den Arbeitsgruppen des Workcamps geschrieben werden, können im Blog veröffentlicht werden.

• Ausgedruckt könnte das Blog selbst Abschlussdokumentation werden.

• Auch Texte, die bereits veröffentlicht sind, können in das Blog eingestellt werden. Hier müssen jedoch die Urheberrechte unbedingt beachtet werden.

Bisher werden Blogs nur selten als pädagogisches Medium genutzt, obwohl sie große Chancen bieten: Jugendliche beider Geschlechter sind motiviert, selbst zu schreiben.[21] Deshalb im Folgenden einige Erfahrungen:

• Die meisten Teilnehemden auch aus dem Ausland nutzen inzwischen das Internet zum Mailen und Surfen.[22]

• Die Freunde und Familien der teilnehmenden Jugendlichen sind interessiert daran, was gerade geschieht. Die Neigung zum Kommentieren war jedoch gering.

• Gute Rückmeldungen wie »spannend«, »oft gelesen«, »jetzt kann ich mir viel mehr vorstellen« wurden eher verbal ausgedrückt.

• Ein Blog ist eine authentische Selbstdarstellung. Durch Links auf eigene Lieblingsseiten innerhalb des Internets entsteht eine eigene ›Sphäre‹.

Die technische Seite des Blogs: Einrichtung und Vernetzung

Für die Berichterstattung wurde ein kostenloses Blog[23] eingerichtet. Hier können mehrere Personen mit jeweils eigener Kennung an einem gemeinsamen Blog schreiben. Eine Chefredakteurin kann die Beiträge im Blog verändern oder löschen. Das Blog wurde auf dem Jugendserver verlinkt, um möglichst viele Jugendliche und Jugendarbeiter zu erreichen.[24]

Auf der Startseite des Jugendservers Niedersachsen stehen täglich aktuelle Berichte aus dem regionalen, landes- und bundesweiten Feld der Jugendarbeit. Für die Berichterstattung aus Bergen-Belsen wurde die Startseite des Jugendservers modifiziert: Teaser[25] zum Blog und zu einer Bildergalerie erhielten fest die obersten Plätze. Weitere Inhaltselemente verlinkten zu Presseartikeln zum 60. Jahrestag aus Bergen-Belsen.

Voting

Eine feste Einrichtung des Jugendservers ist die Möglichkeit, sich interaktiv und anonym an einem Voting[26] zu beteiligen. Auf der Eingangsseite wird eine Frage mit drei bis vier Antwortmöglichkeiten gestellt. Regelmäßig werden die Fragen geändert. Die Abstimmungsergebnisse sind weiterhin einsehbar.[27] Sie sind in keiner Weise repräsentativ.[28]

Begleitend zur Berichterstattung über das Workcamp wurde das Voting mit thematischen Fragen bestückt

Nach Abschluss des Camps wurden die Fragen geändert. Nun konnte reflektierend abgestimmt werden. Dieses Voting wurde geschaltet, um ansatzweise ein Feedback zur Nutzung auf dem Jugendserver zu erhalten, da die oben genannten Visits sich auf die gesamte Plattform beziehen.

Auch hier kann keine Repräsentativität angenommen werden. Jedoch zeigen die Ergebnisse deutlich, dass rund vier Fünftel der Voter diese Form der Berichterstattung begrüßen.

Weitere Formen der webbasierten Kommunikation: Gute-Nacht-Post

Eine weitere Form des interaktiven Austauschs ist die Gute-Nacht-Post. Während des Camps können die Teilnehmenden einander kleine Briefe schreiben. Kurz vor der Nachtruhe werden diese in die Briefkästen, die an den Zimmertüren angebracht sind, zugestellt. Die Regel: Man schreibt sich Positives, Gedanken, Gefühle, Nachdenkliches.

Ein Teilnehmer hat nach dem Camp 2004 ein Gästebuch im Internet eingerichtet, in dem diese Briefe fortgesetzt wurden: Das Camp hatte die Community[29] entstehen lassen. Diese wechselte aus dem realen in den virtuellen Raum und versuchte so, das Gemeinschaftsgefühl zu bewahren. Ländergrenzen blieben überwunden. Die Community war sich 2005 einig: Die Domain[30] der Gute-Nacht-Post sollte auch den Teilnehmenden des diesjährigen Camps zur Verfügung stehen. Nach einem Jahr hatte sich die Frequenz der Posts[31] deutlich gesenkt. Die neu hinzuströmenden Poster gaben nun der Community wieder neuen Gesprächsstoff und riefen Erinnerungen an das Vorjahr wach. Neben Posts, die die Zeit im Camp memorieren und verklären, reflektieren die Jugendlichen auch kritisch über Erfahrungen nach der Rückkehr in ihre alltägliche Lebenswelt und Begegnungen mit Familienmitgliedern, Klassenkameraden und Freunden.

Dieses Medium kann auch zur Evaluation gebraucht werden: Aus der Intensität und den Inhalten im Forum lassen sich Rückschlüsse auf Lernerfolge und erfolgte Interaktion in der Gruppe ziehen. Über die Verlässlichkeit und Aussagekraft können hier lediglich einige Zahlen angegeben werden, da eine qualifizierte Untersuchung bisher nicht erfolgte.

                                                                           2004                2005

Anzahl der Posts (jeweils neu)

Eine Woche nach dem Camp                       95                   77

Zwei Wochen nach dem Camp                    85                   46

Drei Wochen nach dem Camp                    122                   27

Anzahl der unterschiedlichen Poster

Drei Wochen nach dem Camp[32]               37                   21   (davon 5 aus 2004)

Männlich                                                              17                   10   (davon 3 aus 2004)

Weiblich                                                               20                   11   (davon 2 aus 2004)

Interessant wäre eine Untersuchung der Posts im Kontext der gegenwärtigen Erinnerungsdiskussion. Dadurch, dass im Forum mehrere Teilnehmenden-›Generationen‹ miteinander diskutieren, werden Erlebnisse und Emotionen transportiert und wach gehalten. Die Schriftform beschränkt einerseits den Zugang, andererseits lehrt sie Ausdrucksvermögen und Reflexionsfähigkeit. Aber nicht nur persönliche Erlebnisse der Teilnehmenden untereinander werden so transportiert, auch die Erinnerung an den Ort und das Geschehen in Bergen-Belsen vor 60 Jahren wird multilateral gepflegt. Das Forum wurde kürzlich vom jugendlichen Initiator unter dem Titel ›Memento‹ umgestaltet, so dass der Erinnerungscharakter stärker betont ist.

Beispiele aus der Gute-Nacht-Post online[33]

Noa aus Israel schrieb am 22.April 2005 um 21:08 Uhr
[…] @ Everyone – very annoying conversation in dinner today, consisting of my family + brother’s girlfriend saying they don’t understand how I can go to Europe, and more specifically to Germany, after the Holocaust. I tried to defend my view, but it didn’t help at all… I guess they’re stuck on the opinions they were raised with, which makes me very sad. I’m not saying we should forgive the people who did those things, we definitely shouldn’t forget, but I hate the way they seem to just ignore the fact that there’s a new generation in Germany {and Europe} now, that is more than willing to be different from their parents/grandparents. I love you all for being a part of this change. Love, Noa

Hans aus Norwegen schrieb am 22. April 2005 um 21:57 Uhr
@ Noa: That has to be very annoying for you, My grandfather told me before I left that I had to watch out for the Germans, cus they are dangerous, I had to laugh. German people are maybe one of the most welcoming and including people I’ve ever met. And I hope he will get that soon, same with your family. […] Hans Jørgen

Julia aus Syke schrieb am 23. April 2005 um 10:57 Uhr
@ Noa: I’m glad you tried to defend u… I think we have to live with the fact that people all over the world still judge us for what our people did 60 years ago. Actually that’s normal, I think. Probably I would do the same, if I would not come from Germany. Well, but the time has come to spread over the world that we are not the ones who did all that and that we really try to change this kind of picture people have of us. We live now and not 60 years ago, we work against racism and persecution, otherwise we would not have been in this workcamp. We are another generation and we want to get informed about what our grandparent’s generation did, at school we learn nearly nothing else than holocaust in History, it’s one of the main topics everywhere, we really deal a lot with it at school. And I’m glad about that fact, because I WANT to know what happened, I WANT to be informed, so that I can help to avoid something like that happening again.

Perspektiven

Für 2006 soll es wieder eine Dokumentationsgruppe geben, die gezielt für einen Blog schreibt und fotografiert. So soll die Methode weiter erprobt und verfeinert werden. Verstärkt soll die im Camp existente Sprachvielfalt eingesetzt werden.

Darüber hinaus sind konzeptionelle Überlegungen möglich, ob und wie sich Chatrooms[34] oder ICQ[35] methodisch einbinden lassen. Neben einer email-Adresse haben immer mehr Jugendliche eine ICQ-Nummer. Der private Chat über ICQ ist pädagogisch bisher wenig genutzt – didaktische Angebote greifen bisher überwiegend auf offene Chatrooms zurück.

Für die Dokumentation und Spurensuche ließe sich auch die Technik von WikiWikiWebs[36] einsetzen. Diese offenen Websites lassen sich von allen BesucherInnen selbsttätig verändern und aktualisieren. Neue Seiten und weiterführende Links können einfach auf der Website eingetragen werden. Die Beispiele Wikipedia[37] und neu Wikinews[38] zeigen, wie erfolgreich Inhalte gemeinschaftlich recherchiert und aufbereitet werden können. Obwohl das Internet in seiner Glaubwürdigkeit bei der Zielgruppe Jugendlicher hinter den traditionellen Informationsmedien steht,[39] werden zunehmend Seiten der Wikipedia in anderen Informationsseiten verknüpft.[40] Entscheidendes Qualitätskriterium ist hier der Aufbau einer ›selbstorganisierenden Gemeinschaft‹. Das heißt, dass im Wiki verschiedene technische Funktionen zur Verfügung stehen. Dies sind beispielsweise Beobachtungslisten, Löschlisten usw., die von allen BenutzerInnen als Steuerungselemente genutzt werden können. Darüber hinaus können sich Benutzern um einen Syspo-Status[41] bewerben. Für den Einsatz im Workcamp könnte ein Wiki aufgrund der Raum- und Zeitunabhängigkeit des Internets generationenübergreifend die Geschichte abbilden.

Die Kooperation mit dem Jugendserver Niedersachsen hat sich erneut bewährt und soll fortgesetzt werden. Überdacht werden muss die Frage, wie die technische Seite gelöst werden kann: PCs, Digitalkameras, Scanner, digitale Audiorecorder und vor allem Internetzugänge müssen in ausreichender Anzahl und Qualität verfügbar sein.
 

Sonja Reichmann ist Diplom-Sozialpädagogin, Informationsdesignerin und Systemische Familientherapeutin. Sie arbeitet als Projektleiterin für den Jugendserver Niedersachsen beim Landesjugendring Niedersachsen e.V..

Volker Jörn Walpuski ist Diplom-Religionspädagoge und Diakon und arbeitet als Kirchenkreisjugenddiakon für den Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Laatzen-Springe.
 

[1] www.ljr.de

[2] www.ag-bergen-belsen.de

[3] Vgl. Gedenkstättenrundbrief 124, 4/2005, Seite 33–38. Die Jugendverbände sind der Christliche Verein Junger Menschen Landesverband Hannover e.V., DGB-Jugend Niedersachsen, Evangelische Jugend in der Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig, Evangelische Jugend in der Ev.-luth. Landeskirche Hannover und ver.di-Jugend Niedersachsen/Bremen.

[4] engl. wörtlich: Inhalte teilen. Ein identischer Inhalt (z.B. ein Text, ein Bild) wird auf unterschiedlichen Internetseiten dargestellt.

[5] Zum Beispiel: www.aejn.de, www.ejh.de, www.nds.pfadfinden.de/, www.jugendserver-leer.de, www.schreberjugend.de

[6] www.jugendserver-niedersachsen.de

[7] OpenSource ist lizenzfreie, kostenlose Software mit einer offenen Architektur, das heißt, dass der Programmquellcode offen ist und weiterentwickelt werden kann.

[8] Content Management System = Redaktionssysteme, die Inhalt und Layout einer Website trennen und so das Bearbeiten der Inhalte von mehreren RedakteurInnen ohne HTML-Kenntnisse ermöglichen.

[9] Wiki Wiki: hawaiisch: schnell. Offene Websites, die jeder Besucher bearbeiten kann. Das Projekt Wikipedia (mehrsprachige Enzyklopädie im Wiki-Prinzip) verzeichnete im September 2004 eine Million Artikel in hundert Sprachen. Vgl. dazu: Möller, Erik, Die heimliche Medienrevolution, Hannover, 2005, 169.

[10] Dokumentiert unter www.jugendserver-niedersachsen.de/index.php?id=1594

[11] Ein Visit ist der gezählte Besuch einer Website mit mindestens 20 Minuten Verweildauer.

[12] Eine Kamera, die fest installiert ist und rund um die Uhr Bilder ins Internet überträgt.

[13] Ein Blog ist ein Weblog, also ein Logbuch, eine Chronik oder ein Tagebuch im Internet. Wer ein Blog schreibt, heißt Blogger. Vergleiche auch: Winer, Dave, What makes a weblog a weblog?, 23. 5. 2003, (Quelle: blogs.law.harvard.edu/whatMakesAWeblogAWeblog)

[14] Die US-amerikanische Statistiksoftwarefirma Perseus ermittelte im ersten Quartal 2005 weltweit rund 31,6 Millionen Blogs und schätzt zum Jahresende hin die Gesamtzahl der Blogs auf 53,4 Millionen (Quelle: www.perseus.com/blogsurvey/geyser.html). Im Oktober 2003, als die erste Blog-Studie von Perseus publiziert wurde, lautete die Schätzung für 2004 noch auf lediglich 10 Millionen Blogs (Quelle: www.perseus.com/blogsurvey/iceberg.html). Hufakker hinterfragt diese Zahlen kritisch (vgl. Huffakker, David, Gender Similarities and Differences in Online Identity and Language Use among Teenage Bloggers, Masterarbeit an der Georgetown University, Washington DC/USA, April 2004, S. 32f [Quelle: cct.georgetown.edu/thesis/DavidHuffaker.pdf]).

[15] Vgl. die prognostizierten Entwicklungen des Hamburger Trendbüros zum 10. Deutschen Trendtag 2005: Schwarm-Intelligenz. Die Macht der smarten Mehrheit, 2.6.2005, Quelle: www.trendbuero.de/trendtag/index.php?f_CategoryId=7&n=1.

[16] Die spanische Zeitung El Mundo aus Madrid wagte am 10. 4. 2005 in ihrer Beilage ›Ariadn@ – El suplemento para comprender el mundo digital‹ (Nr. 229) die These, dass Anne Frank heute anstelle ihres Tagebuches sicherlich ein Blog geschrieben hätte (Quelle: www.elmundo.es/ariadna/2005/229/1112972043.html).

[17] Vgl. Huffakker, David, Gender Similarities and Differences in Online Identity and Language Use among Teenage Bloggers, Masterarbeit an der Georgetown University, Washington DC/USA, April 2004, Seite 75ff (Quelle: cct.georgetown.edu/thesis/DavidHuffaker.pdf).

[18] Die meisten AutorInnen (21 m, 7 w) waren unter 30 Jahren, der jüngste 11. Die Tagebücher entstanden in zehn unterschiedlichen Sprachen. Beispiele: Vogel, Loden, Tagebuch aus einem Lager, Göttingen 2002. Vogel schrieb sein Tagebuch als 24jähriger. Auch Arieh Koretz schrieb als 16jähriger in Bergen-Belsen ein bisher unveröffentlichtes Tagebuch. Vgl. dazu auch Rahe, Thomas, Tagebücher aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, unveröffentlichtes Manuskript, Gedenkstätte Bergen-Belsen, Juni 2004.

[19] Laut der Perseus-Studie aus Oktober 2003 sind rund die Hälfte der Blogger zwischen 13 und 19 Jahre alt, weitere 40% sind zwischen 20 und 29 Jahre (Quelle: www.perseus.com/blogsurvey/iceberg.html).

[20] Vgl. Huffakker, wie not. 17, S. 32

[21] Dies gilt nach Huffakker auch für den US-amerikanischen Raum, vgl. Huffakker, wie not. 17, S. 83f.

[22] Vgl. dazu die JIM-Studie 2004. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Jugend, Information, (Multi-)Media 2004, Stuttgart 2004, Quelle: www.mpfs.de/studien/jim/jim04.html

[23] In diesem Fall bei www.blogger.com (eine Tochterfirma von google.com).

[24] LeserInnen des Blogs konnten zudem per RSS-Reader komfortabel alle neu eingestellten Beiträge direkt einsehen, ohne die Blogsite besuchen zu müssen. RSS (Rich Site Summary) ist ein XML-Standard, um Meldungen oder Textinformationen für andere Rechner zur Verfügung zu stellen. RSS-Dateien können von Programmen (RSS-Reader) gelesen und weiterverarbeitet werden. RSS-Reader können mehrere News- oder Weblog-Seiten abonnieren, Aktualisierungen werden sofort angezeigt.

[25] engl.: Lockartikel, Appetitanreger, etwas, das die Aufmerksamkeit erregt. Kurze inhaltliche Beschreibung eines Artikels auf einem weiterführenden Link.

[26] engl.: Abstimmung

[27] www.jugendserver-niedersachsen.de/index.php?id=73

[28] Anfänglich nahmen deutlich mehr UserInnen am Voting teil; n ist rückläufig, in diesem Fall n=37 im Zeitraum vom 7.-20.4.2005.

[29] Engl. Gemeinschaft. Für gewöhnlich wird dieser Ausdruck im Zusammenhang mit (kommerziellen) Angeboten im Internet genutzt, wo eine Gemeinschaft geschaffen wird, die in einen Austausch tritt und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.

[30] Adresse im Internet. Da nur ein geschlossener Kreis ehemaliger TeilnehmerInnen diese Domain nutzt, soll sie hier nicht veröffentlicht sondern der geschützte Diskussionsraum erhalten werden.

[31] Engl. etwa Pinnwandzettel; Bezeichnung für öffentlich einsehbare Mitteilungen in Internetforen oder Gästebüchern.

[32] Die Teilnehmendenzahl des Workcamps betrug jeweils 62 Personen.

[33] Nicht bearbeitete Zitate aus der Gute-Nacht-Post-Online.

[34] engl. Gesprächsräume. Ein Chatroom ist eine Internetseite, wo alle Besucher durch Eingeben von Texten miteinander kommunizieren können. So entsteht eine Art ‚Unterhaltung’.

[35] ICQ, Aussprache wie »I seek you”, engl. für »Ich suche Dich”. Ein Programm, das anhand einer festen ICQ-Nummer den schnellen Kontakt zwischen Personen nach dem Prinzip des Chat ermöglicht. Vgl. auch de.wikipedia.org/wiki/Icq.

[36] WikiWikiWebs basierend auf dem Wiki-Prinzip; vgl. auch Fußnote 9.

[37] www.wikipedia.org

[38] www.wikinews.org

[39] Vgl. dazu die JIM-Studie 2004, die nachweist, dass die Tageszeitung für Jugendliche mit höherem Bildungsgrad das glaubwürdigste Medium ist. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Jugend, Information, (Multi-)Media 2004, Stuttgart 2004, Quelle: www.mpfs.de/studien/jim/jim04.html, S. 62f.

[40] Vgl. z.B. das Deutsch-Englische Wörterbuch dict.tu-chemnitz.de. Die Suche kann auf wikipedia ausgeweitet werden.

[41] Administrationsrechte für Löschen und Schützen von Seiten, Blockieren von Benutzern usw. nach dem Wikipedia-Reglement.