„Woher nehme ich die Zuversicht, dass ich davor gesichert bin?“ (Max Frisch) – Täter und ihre Motivation im Nationalsozia

Tagung/Seminar/Workshop
2. Oktober 2010
10:00 - 17:00 Uhr
Ort: Gedenkstätte für Opfer der NS-"Euthanasie"
Veranstalter: Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“

Das im folgenden angekündigte Seminar wurde konzipiert und organisiert von Alexander Brade als Abschlussprojekt für das FSJ Kultur in der Gedenkstätte Bernburg, Zyklus 2009/2010


"Niemand ist ein Nazi. Niemand ist je einer gewesen. Es hat vielleicht ein paar Nazis im nächsten Dorf gegeben… Oh, die Juden? Tja, es gab eigentlich in dieser Gegend nicht viele Juden… Wir haben nichts Unrechtes getan; wir sind keine Nazis." (Europa in Ruinen. Augenzeugenberichte aus den Jahren 1944-1948, Hrsg. Hans Magnus Enzensberger, Frankfurt/M. 1990, S.9).

Über Täter wollten Deutsche nach 1945 nichts wissen. Doch wie konnten dann all diese unvorstellbar schrecklichen Dinge passiert sein? Mehr als 6 Millionen getötete jüdische Menschen, beinahe Hunderttausend behinderte Opfer, unzählige Opfer aus den Kreisen politisch Andersdenkender, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und viele mehr.

Bis heute dominieren zwei Extreme das gesellschaftliche Bild der Täter im Nationalsozialismus. Einerseits die Vorstellung von gewissenlosen Psychopathen, einem kleinen Kreis von Verbrechern, die als Kriminelle, Mörder und Schläger der Unterschichten nichts mit der deutschen Gesellschaft gemein zu haben scheinen. Andererseits existiert die Vorstellung, die Verantwortlichen wären lediglich motivlose vom eigentlichen Mordgeschehen distanzierte Schreibtischtäter oder Befehlsempfänger gewesen, ohne besonderes Interesse an ihren Opfern. Beide Bilder greifen zu kurz.

Erst in den 1990er Jahren wandte sich die Forschung den konkreten Verbrechen und den Direkttätern zu. Der Täter wird nunmehr als vielgesichtig und der Holocaust – zitiert nach Harald Welzer – als „arbeitsteiliges Projekt“ beschrieben.

Es stellt sich die Frage, wie es möglich war, dass gebildete, zumeist junge Männer und Frauen jegliche Menschlichkeit und anerzogenen Schranken fallen ließen und „über Leichen gingen“? Die Veranstaltung versucht dieser Frage nachzugehen.


Programm


10.00 Uhr                                

Eröffnung des Seminars durch:

Alexander Brade (Mitarbeiter der Gedenkstätte im Rahmen des FSJ Kultur und Seminarleiter)

10.15 – 11.00 Uhr                   

Vortrag: Fallstudien von Tätern – das Beispiel NS-„Euthanasie“ (Dr. Ute Hoffmann)

Kaffeepause


11.15 – 12.00 Uhr                   

Vortrag: „Täterforschung im Wandel der Zeit mit einem Schwerpunkt auf die  jüngere Forschung“ (Dr. Jan-Erik Schulte, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, Dresden)

Mittagspause mit Möglichkeit des individuellen Gesprächs


13.00 – 13.45 Uhr                  

Zeitzeugenpodium mit Klaus Kleinau, ehemaliger Schüler der Napola Ballenstedt (Leitung: Dr. Ute Hoffmann)

Kaffeepause


14.00 – 16.00 Uhr                  

Individuelles Arbeiten in den Arbeitsgruppen:

Gruppe 1: Täter/innen in der Familientradierung: So etwas hat es in meiner Familie nicht gegeben… (Dr. Iris Wachsmuth, Berlin)

Gruppe 2: Vermittlung der Täterproblematik im Unterricht und in der Gedenkstättenarbeit (Dr. Constanze Jaiser, Berlin)

Gruppe 3: Edith A., Heinrich B. und Erich F. –ganz „normale“ Menschen? (Jana Hache, Bernburg)

Kaffeepause


16.15 Uhr                                

Podium mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppen: Wer waren diese Menschen, waren sie anders als wir heute oder war der Täter kein besonderer Deutscher?

(Dr. Viola Schubert-Lehnhardt, Halle (Saale))


17.00 Uhr                                

Ende des Seminars


Die Veranstaltung wird gefördert durch:

§    LKJ Sachsen-Anhalt e.V., Orfide

§    Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt

§    Solidarfond der Landtagsfraktion „Die Linke“

§    Verein der Bundestagsfraktion „Die Linke“

§    Dr. Rosemarie Hein, MdB, „Die Linke“


Die Veranstaltung ist als Lehrerfortbildung weiterer Träger anerkannt unter der Nummer WT 2010-300-78 LISA.

Um Anmeldung wird bis 24. September 2010 gebeten. Bei einer Teilnahme geben Sie bitte auch die entsprechende Arbeitsgruppe an.

per E-Mail an: info-bernburg@remove-this.stgs.sachsen-anhalt.de

per Fax an: 03471/6409691

Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden.

Die Veranstalter behalten sich vor, die Veranstaltung bei weniger als 15 Teilnehmern abzusagen.