Who's Boss: Hair shirt army.

Ausstellung
13. Februar 2014 -
21. April 2014
Ort: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Veranstalter: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Tanya Ury, geboren 1951 in London, lebt und arbeitet seit zwanzig Jahren als Künstlerin in Köln. Mit ihrer Installation „Who’s Boss: Hair Shirt Army“ konfrontiert sie das Publikum am Beispiel der renommierten Modemarke „Hugo Boss“ mit der Frage, wie man sich heute zu dem Erbe der NS-Zeit verhält. Indem sie Persönliches und Historisches miteinander verwebt, schafft sie eine Kollektion ganz eigener Art, die überrascht und berührt. Die 1924 gegründete Modefirma stand kurz vor der Insolvenz, als es dem 1931 in die NSDAP eingetretenen Firmengründer Hugo Ferdinand Boss gelang, Aufträge für die Herstellung von Uniformen für SS und Hitlerjugend zu erhalten. Während des Zweiten Weltkrieges wurden, nicht zuletzt mit dem Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie Kriegsgefangenen, Uniformen für die Wehrmacht gefertigt; das Unternehmen florierte.

Dieser wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte steht die Leidensgeschichte des Holocaust gegenüber. Viele Familienangehörige von Tanya Ury wurden aufgrund ihres jüdischen Glaubens deportiert und ermordet, während andere in die Emigration gezwungen wurden. Seit 1992 sammelt die Künstlerin ihre natürlich ausgefallenen Haare in kleinen, mit einem handgeschriebenen Datumsetikett versehenen Plastiktütchen (90mm x 115mm). 2004 fertigte sie daraus das Objekt Hair Shirt an, das als Vorbild für die Hair Shirt Army dient.

Zu sehen sind, exklusiv für diese Ausstellung gefertigt, 19 aus solchen Plastiktütchen gefertigte Mäntel. Im Schnitt ähneln sie sowohl den damaligen Mänteln, die Hugo Boss für die Luftwaffe fertigte, als auch einem Hugo Boss-Ledermantel der Winterkollektion 1998/99. Die Verwendung von Haaren spielt durchaus auch auf die Haare an, welche die SS den für die Gaskammern bestimmten jüdischen Opfern abscheren ließ, um damit Matratzen zu füllen. Die „Hair Shirts“ stehen wortspielerisch als „härene Gewänder“ in der englischen wie auch in der deutschen Sprache als Ausdruck für Wiedergutmachung und Buße.