Verlieren wir das Gedächtnis? Vergessene Orte der NS-Zwangsarbeit in Mitteleuropa

Tagung/Seminar/Workshop
25. Februar 2015 -
26. Februar 2015
Ort:
Veranstalter:

NS-Zwangsarbeit wird in der Tschechischen Republik und in Polen bislang kaum mit der Regional- und Lokalgeschichte in Verbindung gebracht. Dies betrifft insbesondere die Regionen, die bis 1945 Teile des Deutschen Reichs waren bzw. 1945 eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung hatten. Zudem gibt es in beiden Ländern kaum Formen der Erinnerung an NS-Verbrechen, die nichttschechische bzw. nichtpolnische NS-Zwangsarbeit integrieren. Die Mehrheit der NS-Zwangsarbeiter etwa auf dem Gebiet der Tschechischen Republik und der historischen Region Schlesiens waren jedoch keine tschechoslowakischen bzw. polnischen Staatsbürger. In Deutschland ist der Begriff Zwangsarbeit umgekehrt automatisch mit einer Person „fremder“ Nationalität verbunden.

Die historische Bausubstanz ist nicht nur Träger des industriellen Erbes, sondern auch steinerner Zeuge der NS-Zwangsarbeit. Die kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei, Polen und Ostdeutschland hatten mit ihren geringen Investitionen in neue Produktionsanlagen die bauliche Substanz vieler Industrieanlagen und damit auch Orte der NS-Zwangsarbeit konserviert. Die politische Wende von 1989 führte jedoch zu schnellen Änderungen. Das industrielle Erbe und damit viele Orte der NS-Zwangsarbeit verschwinden vor allem in Tschechien und Polen seit 25 Jahren in einem rasenden Tempo.

Der Workshop „Verlieren wir das Gedächtnis? Vergessene Orte der NS-Zwangsarbeit in Mitteleuropa“ will Interessentengruppen vernetzen, die zu Orten der NS-Zwangsarbeit in Tschechien, Polen und Deutschland in Bezug stehen. Es soll dabei eine Diskussion über die Anforderungen der aktuellen Nutzung - mit den Erfordernissen des Denkmalschutzes, ökonomischen Erwägungen und Bedürfnissen heutiger Besitzer mit Dokumentations- und Gedenkinitiativen angeregt werden. Im Rahmen des Workshops sollen Beispiele für museale bzw. teilweise museale Nachnutzungen von Orten der NS-Zwangsarbeit vorgestellt werden. Darüber hinaus sind Orte von Interesse, an denen in erster Linie eine wirtschaftliche Nachnutzungen der erhaltenen historischen Bausubstanz das Ziel ist und die historische Dokumentation, Vermittlung und Gedenken erst an zweiter Stelle kommt.

Wir begrüßen Vorträge zu folgenden Themengebieten:

-          historische Bausubstanz und kollektives Gedächtnis

-          Dokumentation von Orten der NS-Zwangsarbeit

-          museale Erinnerungsorte

-          Denkmalschutz und Erinnerungsorte

-          heutige Nachnutzung von Orten der NS-Zwangsarbeit durch Kommunen und Firmen

Bei Interesse senden Sie bitte an die unten angegebene Kontaktadresse bis zum 15. Januar 2015 ein einseitiges Exposé (max. 400 Wörter). Tagungssprachen sind Tschechisch, Deutsch und Polnisch.

Die Veranstaltung wird finanziert durch den Bereich "Europäisches Geschichtsbewusstsein" des Programms "Europa für Bürgerinnen und Bürger" der Europäischen Kommission.

Veranstalter der Konferenz:

Severočeské muzeum v Liberci / Institut Terezínské iniciativy Praha

Kontakt:

Dr. phil. Alfons Adam


Institut Terezínské iniciativy


Jáchymova 3


110 00 Praha


Tschechische Republik


alfons.adam@remove-this.terezinstudies.cz