»...VERHAFTET UND ERSCHOSSEN« Eine Familie zwischen Stalins Terror und Hitlers Krieg

16. November 2016
18:00 - 00:00 Uhr
Ort: Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung | Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Stiftung | Berliner VVN-BdA | dietz berlin der marx-verlag

Lesung und Gespräch mit der Autorin Anja Schindler


Moderation: Inge Münz-Koenen


Seit drei Jahren erinnert eine Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus an deutsche Kommunisten, die Opfer stalinistischen Terrors wurden. Zur Einweihung der Tafel am 17. Dezember 2013 sagte die 93-jährige Ursula Schwartz: «Ich wünschte, mein Vater wäre heute hier. Er, der die schrecklichen Jahre im Lager und der Verbannung für immer tief in seinem Herzen vergrub und seiner Trauer um Frau und Sohn niemals öffentlich Ausdruck verleihen durfte.» Ursula Schwartz lebte von 1931 bis 1956 in der Sowjetunion und verlor Mutter und Bruder bei einer Massenerschießung. Das Buch ihrer Tochter Anja Schindler erzählt die Geschichte dieser Familie. Es besteht zum großen Teil aus Originaldokumenten – erhalten gebliebenen Briefen an die Verwandten in Deutschland, unveröffentlichten Erinnerungen von Ursula Schwartz und ihrem Vater an das Jahr 1937 in Leningrad und an die Rückkehr nach Berlin 1956.

Die Besonderheit des Buches: Es ist keine Lagerliteratur. Die Leidensjahre 1938 bis 1956 sind ausgespart, die Opferperspektive wird vermieden. Den Leser erwartet vielmehr eine ungewöhnlich detail- und farbenreiche Schilderung – mit zahlreichen bisher noch nicht veröffentlichten Fotos – vom Alltag einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie und – ein fast vergessenes Kapitel – vom Aufbau einer deutsch-russischen Kommune: Modell für die Machbarkeit einer emanzipativen, linksalternativen, nichtautoritären Gemeinschaft, bis der Obrigkeitsstaat ihre Auflösung befiehlt.