VORTRAG VON THOMAS MUGGENTHALERin Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
„Ich habe ihn geliebt“, sagt Helene Wimmer aus Niederbayern über Kazimierz Rafalski, einen polnischen Zwangsarbeiter. Doch solche Beziehungen waren in der NS-Zeit streng verboten. Deshalb wurden beide auf Anordnung der Gestapo in Konzentrationslager verschleppt, sie nach Ravensbrück, er nach Flossenbürg.
Einige Polen bezahlten ihre Liebe mit dem Leben. Sie wurden in der Nähe der Dörfer hingerichtet, in denen sie gearbeitet hatten. Im Staatsarchiv Amberg stieß der Journalist Thomas Muggenthaler auf Akten, die die Hinrichtung von über zwanzig polnischen Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz dokumentieren. Er ging diesen Zeugnissen nach und konnte mit manchen betroffenen Frauen sprechen. Oft liegt aber sowohl an den Orten als auch in den Familien noch heute eine dicke Decke des Schweigens über diesen Ereignissen.
Der Vortrag geht der Frage nach, wie der Kontakt zwischen Zwangsarbeiter_innen und der deutschen Mehrheitsbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs aussah. Welche Vorschriften und Kontaktverbote gab es, und wie wurden diese umgesetzt? Welche Strafen wurden verhängt? Wie war es möglich, dass Hinrichtungen für alle sichtbar im öffentlichen Raum durchgeführt werden konnten? Und (wie) ist dieses Thema im kollektiven Gedächtnis präsent?
Thomas Muggenthaler (Regensburg) ist Journalist und Autor zahlreicher zeitgeschichtlicher Dokumentationen zur NS-Zeit für Hörfunk und Fernsehen des Bayerischen Rundfunks. Ein Schwerpunkt ist die Geschichte des KZ Flossenbürg. Im lichtung verlag erschienen 2003 „Wir hatten keine Jugend – Zwangsarbeiter erinnern sich an ihre Zeit in Bayern“ und 2010 „Verbrechen Liebe: von polnischen Männern und deutschen Frauen: Hinrichtungen und Verfolgung in Niederbayern und der Oberpfalz während der NS-Zeit.“ Im Januar 2015 sendete der Bayerische Rundfunk den Film „Verbrechen Liebe“, der mit dem Bayerischen Fernsehpreis „Blauer Panther“ ausgezeichnet wurde.
Der Film ist in der Mediathek der ARD verfügbar.
Rosa-Luxemburg-Stiftung: Harkortstr. 10 (Leipzig-Zentrum)
Tram 2, 8, 9, 14 (Neues Rathaus)