Ungarn und der Holocaust – politische Zwänge und Handlungsspielräume

Vortrag/Vorlesung
15. November 2015
15:30 - 00:00 Uhr
Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Veranstalter: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Einladung zur Reihe

Vorträge am Sonntag 2015/2016


Diese Veranstaltungsreihe wendet sich an ein Publikum, das interessiert ist an Einzelaspekten der ideologischen, politischen und sozialen

Geschichte des Nationalsozialismus. Mit den Terminen jeweils am Sonntagnachmittag möchten wir jene Öffentlichkeit erreichen,

die den Wunsch hat, sich am historischen Ort über neuere Forschungsergebnisse, Projekte und aktuelle Debatten zu informieren und

mit den eingeladenen Referentinnen bzw. Referenten zu diskutieren.


Datum:  15.11.2015

Ort:        Haus der Wannsee-Konferenz

Beginn: 15.30 Uhr


Vortrag

Adam Kerpel-Fronius

Ungarn und der Holocaust – politische Zwänge und Handlungsspielräume


Als im März 1944 die deutsche Wehrmacht Ungarn besetzt, scheint das Ende des Krieges bereits absehbar. Obwohl sich das Land seit 1941 an der Seite Deutschlands am Krieg beteiligte

und bereits früh antijüdische Gesetze verabschiedet hatte, wähnten sich die etwa 800.000 Juden in Ungarn bis zu diesem Zeitpunkt in relativer Sicherheit.

Nach dem deutschen Einmarsch veränderte sich die Lage schlagartig. Innerhalb weniger Monate wurden mit tatkräftiger Hilfe des ungarischen Staatsapparats

Hunderttausende Juden aus Ungarn deportiert, die meisten von ihnen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Einzig die Hauptstadt Budapest blieb von Massendeportationen verschont.

In seinem Vortrag skizziert Adam Kerpel-Fronius den verhängnisvollen Weg Ungarns in den Zweiten Weltkrieg und seine Mittäterschaft bei der Auslieferung

und Ermordung der im Land lebenden Juden.

·         Wie kam es zur Entstehung des Horthy-Regimes und wie lässt es sich charakterisieren?

·         Welche Überlegungen veranlassten Ungarn, sich im Krieg auf die Seite der Achsenmächte zu schlagen?

·         Welche Maßnahmen ergriff der ungarische Staat bereits vor 1944 gegen seine jüdischen Mitbürger?

·         Wie war die soziale und politische Situation der ungarischen Juden im Vergleich zu der in den Nachbarländern?

·         Wie und wodurch radikalisierte sich die Lage ab März 1944?

Die historische Analyse ist auch ein Versuch, die Dimension der jeweiligen Verantwortung für den Mord an den ungarischen Juden bei den deutschen Besatzern

und beim ungarischen Staat zu rekonstruieren und zu gewichten. Gleichzeitig geht es um die Frage nach der Förderung und dem öffentlichen Interesse an der

historischen Aufarbeitung dieser Zeit in der gegenwärtigen ungarischen Gesellschaft.


Referent:

Adam Kerpel-Fronius, geboren 1975 in Budapest, studierte Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg, Breslau und der Freien Universität Berlin.

Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.