Das Theaterstück handelt von der vergessenen Opfergruppe der sogenannten "Asozialen" während der NS-Zeit. Als "asozial" galten den Nationalsozialisten diejenigen, die durch ihre Lebensführung vermeintlich dem "Volkskörper" schadeten. Gemeint waren damit meist: Menschen aus der "Unterschicht". Arme, Obdachlose, Suchtkranke, Prostituierte, Arbeitslose- wer nicht ins System passte, wurde aussortiert.
Weil diese Bevölkerungsgruppen auch im Nachkriegsdeutschland an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und werden, ist die Schuld an ihnen bis heute praktisch nicht aufgearbeitet. Erst in diesem Jahr wurden auch die "Asozialen" vom Bundestag offiziell als Opfer der NS-Diktatur anerkannt. Persönliche Zeugnisse gibt es von ihnen kaum und das Erinnern an sie kann herausfordernd sein: dem saufenden Großonkel gedenken, der mitunter gewalttätig wurde? Der obdachlosen Großmutter, die sich prostituierte? Nur zögerlich beginnt unsere Gesellschaft, sich mit den unbequemen Opfern auseinanderzusetzen.
Auch der Theatermacher und Pädagoge Harald Hahn wusste lange wenig über die Geschichte seiner Familie: Der Großvater war als "Asozialer" im KZ. In Form eines Erzähltheaters will er sich nun diesem Familiengeheimnis annähern - und dabei aufzeigen, was Schuld, Scham und Schweigen über Generationen in Familien anrichten, wie Klasse und Herkunft unsere Gesellschaft heute noch strukturieren und was das mit dem Wert eines Lebens macht. Im Anschluss an das Stück findet ein Publikumsgespräch statt.
In einem sehr persönlichen Erzähltheater spricht der Autor in einfühlsamen Monologen mit seinem verstorbenen Großvater Anton Knödler, der als Häftling in Buchenwald inhaftiert war. Er spricht über das Familiengeheimnis, die Scham und die Zeit in Buchenwald. Ausgehend von den Monologen schlüpft Harald Hahn in die Rolle eines SS Mannes und verwandelt sich zurück in das Kind, das er einst war. Ein schwäbischer Hausmeister kommentiert das Geschehen und schafft so die Verbindung zwischen Geschichte, Schauspieler und vermeintlich unbeteiligten Zuschauer*innen. Denn die aufgeworfenen Fragen verweigern sich dem rein passiven Konsum - sie wollen und sollen alle Anwesenden mit einbeziehen.
Premiere: Freitag 04. September 2020 im Theater Expedition Metropolis
Berlin 20 Uhr.
Ohlauer-Str. 41 10999 Berlin
Weitere Aufführungen am gleichen Ort am 5. und 6. September 2020
Eintritt 10 Euro /Erm. 8. Euro.
Die E-Mail-Adresse für die Reservierungen ist
tickets@expedition-metropolis.de
mailto:tickets@expedition-metropolis.de>
Und Freitag 18. September Auftritt im Nachbarschaftshaus Urbanstraße
Berlin Kreuzberg und Theaterpädagogischer Workshop zum Theaterstück am
Samstag 19. September 2020
Mehr Infos auf www.asozialer-grossvater.dehttp://www.asozialer-grossvater.de