Die Auflösung der sowjetischen Internierungslager und ihre HäftlingeVorträge von:
Dr. Jörg Morré (Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst) und
Dr. Anna Kaminsky (Bundesstiftung Aufarbeitung)
Moderation: Christian Müller-Lorenz (Gedenkstätte Lindenstraße)
Am 17. Januar 1950 vermeldete die Zeitung Neues Deutschland offiziell die Auflösung der sowjetischen Internierungslager in der DDR. Dieser „Akt des Großmuts und des Vertrauens der Sowjetregierung (…) in die demokratische Ordnung des jungen Staates“, wie es weiter hieß, bedeutete für die Hälfte der knapp 30.000 Inhaftierten jedoch keineswegs die Entlassung in die Freiheit. 649 als „besonders gefährliche Verbrecher“ eingestufte Häftlinge deportierte der sowjetische Geheimdienst in die Sowjetunion.
Mehr als 10.000 von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilte Häftlinge wurden als „gefährliche Verbrecher“ an DDR-Gefängnisse übergeben. Gegen weitere 3.400 Internierte eröffnete die DDR im sächsischen Waldheim unter zumeist konstruierten Anschuldigungen nachträglich Prozesse wegen angeblicher faschistischer Verbrechen. Damit übergab die sowjetische Besatzungsmacht mit der Auflösung der Speziallager das System der politischen Willkür-Justiz an die DDR.
Zunächst widmet sich Dr. Jörg Morré der Frage, wie die Speziallager aufgelöst wurden, welche Entscheidungsinstanzen daran beteiligt waren und wie die Übergabe der Häftlinge an die DDR-Justizbehörden funktionierte.
Dr. Anna Kaminsky konzentriert sich in ihrem Beitrag auf die Lagerinsassen. Wer waren die Häftlinge? Aus welchen sozialen Schichten stammten sie und was waren die Gründe für ihre Inhaftierung?
Dr. Jörg Morré, seit 2009 Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, Studium der Geschichtswissenschaften, Russistik und Erziehungswissenschaften in Berlin und Hamburg, von 1996 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Bautzen.
Dr. Anna Kaminsky, seit 2001 Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Studium der Sprachwissenschaften in Leipzig, von 1993 bis 1998 Mitarbeit an verschiedenen Forschungs- und Ausstellungsprojekten, seit 1998 Bundesstiftung Aufarbeitung