Der deutsche Umgang mit den sowjetischen Kriegsgefangenen zählt zu den größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs. Diejenigen, die überlebten, wurden in ihrem Heimatland jedoch nicht als Sieger, sondern als Verräter empfangen. Die Zurückkehrenden sahen sich mit geheimdienstlicher Überprüfung und Stigmatisierung konfrontiert, einige auch mit Zwangsmaßnahmen. In der Erinnerungsgemeinschaft an den "Großen Vaterländischen Krieg" war für sie lange kein Platz. Das Bild der Kriegsgefangenen als "feige Elemente" und Kriegsteilnehmer zweiter Klasse blieb in der Sowjetunion jahrzehntelang wirkungsmächtig, aber keineswegs unangefochten. Unterschiedliche sowjetische und postsowjetische Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wissenschaft, Kultur, Militär und Gesellschaft forderten und fordern Anerkennung für die sowjetischen Kriegsgefangenen und eine Pluralisierung der Erinnerung an den "Großen Vaterländischen Krieg." Esther Meier bietet einen Überblick zu Kriegsgefangenschaft, Rückkehr und Erinnerung aus sowjetischer und aktueller russischer Perspektive.
Zur Person: Dr. Esther Meier ist wissenschaftliche Leiterin des Projekts "Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene" am Deutschen Historischen Institut in Moskau.
Begrüßung und Moderation: Jörg Morré (Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst)
Die Veranstaltung wird aufgezeichnet. Nach etwa drei Tagen stellen wir den Mitschnitt auf unserem YouTube-Kanal zur Verfügung.