Am 23. März 1950 sendete der Nordwestdeutsche Rundfunk ein fast einstündiges Streitgespräch zwischen Gottfried Benn und Peter de Mendelssohn. Gottfried Benn war einer der prominentesten Intellektuellen unter denen, die während des "Dritten Reichs" in Deutschland geblieben sind und
sich zumindest zeitweise für das NS-Regime ausgesprochen hatten. Peter de Mendelssohn musste hingegen bereits 1933 emigrieren. Nach dem Krieg kehrte er zurück und arbeitete zunächst als Presseoffizier bei der britischen Kontrollkommission und wurde dann erfolgreicher Journalist und Thomas Mann-Biograph.
Für Gottfried Benn wird das Gespräch zum letzten Schritt auf seinem Weg zurück in die literarische Öffentlichkeit der Bundesrepublik und zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren. Die Analyse dieses Rundfunkgesprächs im
Kontext des politischen, medialen und literarischen Umfelds lässt erkennen, auf welchen Voraussetzungen Benns Erfolgsgeschichte beruhte: Einerseits war sie Ergebnis kühler strategischer Planung, andererseits wurde sie aber
auch begünstigt durch sozial- und mentalitätsgeschichtliche Entwicklungen, in denen sich die junge Bundesrepublik ihre Identität schuf.
Prof. Dr. Peter J. Brenner ist Direktor des TUM.Archivs der Technischen Universität München.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.