In Erinnerung an alle 2.261 Menschen jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens, die in Thüringen Opfer der antisemitischen Verfolgung und Vernichtung wurden, findet am Montag, dem 19. September 2022 auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar eine partizipative Gedenkaktion statt. Unter dem Titel „Schreiben gegen das Vergessen“ werden in der Zeit von 10.00 bis 16.00 Uhr die Namen aller Opfer mit weißer Schulkreide auf den Boden geschrieben. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Anschließend werden von allen Namen mit einer analogen 16-mm-Kamera Einzelaufnahmen gemacht; es entsteht ein Film, der alle 2.261 Namen dokumentiert. Zudem wird die gesamte Schreibaktion online live gestreamt.
Um vorherige Anmeldung wird gebeten.
10 Uhr - Offizieller Beginn „Schreiben gegen das Vergessen“
Gedenkgebet von Landesrabbiner Alexander Nachama
Begrüßung und Einführung
Musikalische Umrahmung durch The String Company, Erfurt
anschließend - Schreiben der Namen
14 Uhr - Beteiligung von Frau Landtagspräsidentin Birgit Pommer am „Schreiben gegen das Vergessen“
Begrüßung
Musikalische Umrahmung durch The String Company, Erfurt
anschließend - Schreiben der Namen
Begleitende Angebote und Informationsstände
ca. 16 Uhr - Ende der Schreibaktion
Über 6.000 Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft lebten zur Zeit des Nationalsozialismus nachweislich in Thüringen. Sie alle erlitten an ihren Wohnorten eine sich steigernde Ausgrenzung, wurden Opfer von Demütigung, Raub und Gewalt. Nach vollkommener Entrechtung und nicht selten auch KZ-Haft folgte für viele von ihnen die Deportation in die Vernichtungslager im Osten. Nach der Wannseekonferenz Anfang 1942 fanden im Laufe des Jahres zwei erste große Deportationen statt: Am 9. Mai wurden 513 Männer, Frauen und Kinder aus 42 Orten in der Weimarer Viehauktionshalle gesammelt und von dort am nächsten Morgen in das Ghetto Bełżyce verschleppt. Nur die damals 19-jährige Laura Hillmann überlebte und konnte später berichten. Am 19. September erfolgte die Deportation von 364 Menschen aus 38 Thüringer Orten nach Theresienstadt. Nur 31 Menschen überlebten.
Seit dem 1. September 2022 ist das „Thüringer Gedenkbuch für die ermordeten Jüdinnen und Juden“ nach mehrjähriger wissenschaftlicher Recherche unter Verantwortung des Erinnerungsortes Topf & Söhne online präsent: https://www.juedisches-leben-thueringen.de/gedenkbuch/ . Es enthält jeweils die Namen, die Lebensdaten, den Wohnort sowie den Deportations- und Sterbeort und stellt ein Angebot für die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte vor Ort dar, das fortlaufend aktualisiert werden kann.