„Schreiben gegen das Vergessen“

Gedenkveranstaltung
19. September 2022
10:00 - 16:00 Uhr
Ort: Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Veranstalter: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

In Erinnerung an alle 2.261 Menschen jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens, die in Thüringen Opfer der antisemitischen Verfolgung und Vernichtung wurden, findet am Montag, dem 19. September 2022 auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar eine partizipative Gedenkaktion statt. Unter dem Titel „Schreiben gegen das Vergessen“ werden in der Zeit von 10.00 bis 16.00 Uhr die Namen aller Opfer mit weißer Schulkreide auf den Boden geschrieben. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Anschließend werden von allen Namen mit einer analogen 16-mm-Kamera Einzelaufnahmen gemacht; es entsteht ein Film, der alle 2.261 Namen dokumentiert. Zudem wird die gesamte Schreibaktion online live gestreamt.

Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Programm

10 Uhr - Offizieller Beginn „Schreiben gegen das Vergessen“
Gedenkgebet von Landesrabbiner Alexander Nachama

Begrüßung und Einführung

  • Ralf Kirsten, Bürgermeister der Stadt Weimar
  • Margrete Rabow, Künstlerin, Frankfurt am Main
  • Dr. Philipp Neumann-Thein, Stellv. Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
  • PD Dr. Annegret Schüle, Oberkuratorin am Erinnerungsort Topf & Söhne
  • sowie weitere Kooperationspartner:innen

Musikalische Umrahmung durch The String Company, Erfurt

anschließend - Schreiben der Namen

14 Uhr - Beteiligung von Frau Landtagspräsidentin Birgit Pommer am „Schreiben gegen das Vergessen“
Begrüßung

  • Dr. Neumann-Thein und PD Dr. Schüle
  • Grußwort der Landtagspräsidentin

Musikalische Umrahmung durch The String Company, Erfurt

anschließend - Schreiben der Namen

Begleitende Angebote und Informationsstände

  • Klassik Stiftung Weimar
  • Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar
  • Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn
  • Landeszentrale für politische Bildung Thüringen

ca. 16 Uhr - Ende der Schreibaktion

Über 6.000 Menschen jüdischen Glaubens und jüdischer Herkunft lebten zur Zeit des Nationalsozialismus nachweislich in Thüringen. Sie alle erlitten an ihren Wohnorten eine sich steigernde Ausgrenzung, wurden Opfer von Demütigung, Raub und Gewalt. Nach vollkommener Entrechtung und nicht selten auch KZ-Haft folgte für viele von ihnen die Deportation in die Vernichtungslager im Osten. Nach der Wannseekonferenz Anfang 1942 fanden im Laufe des Jahres zwei erste große Deportationen statt: Am 9. Mai wurden 513 Männer, Frauen und Kinder aus 42 Orten in der Weimarer Viehauktionshalle gesammelt und von dort am nächsten Morgen in das Ghetto Bełżyce verschleppt. Nur die damals 19-jährige Laura Hillmann überlebte und konnte später berichten. Am 19. September erfolgte die Deportation von 364 Menschen aus 38 Thüringer Orten nach Theresienstadt. Nur 31 Menschen überlebten.

Seit dem 1. September 2022 ist das „Thüringer Gedenkbuch für die ermordeten Jüdinnen und Juden“ nach mehrjähriger wissenschaftlicher Recherche unter Verantwortung des Erinnerungsortes Topf & Söhne online präsent: https://www.juedisches-leben-thueringen.de/gedenkbuch/ . Es enthält jeweils die Namen, die Lebensdaten, den Wohnort sowie den Deportations- und Sterbeort und stellt ein Angebot für die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte vor Ort dar, das fortlaufend aktualisiert werden kann.