"SANIERUNG - REKONSTRUKTION - NEUGESTALTUNG" - Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten

Tagung/Seminar/Workshop
1. Juni 2012 -
3. Juni 2012
11:00 - 17:30 Uhr
Ort: Max-Mannheimer-Studienzentrum / Internationales Juggendgästehaus Dachau, Roßwachtstraße 15, 85221 Dachau, www.mmsz-dachau.de
Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Dachau und Stadt Dachau

Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau mussten seit 1938 östlich des Schutzhaftlagers ein großes Wirtschaftsgebäude errichten sowie landwirtschaftliche Nutzflächen anlegen. Der „Kräutergarten“ war ein zentraler Bestandteil des SS-eigenen Unternehmens „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung” (DVA) und entstand im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Autarkiepolitik. Das als „Plantage“ bezeichnete Arbeitskommando war berüchtigt: Hunderte von Häftlingen kamen hier zwischen 1940 und 1942 ums Leben.

Das Gelände ist heute größtenteils überbaut, Gewächshäuser liegen brach, denkmalgeschützte Gebäude verfallen. Ausgehend vom konkreten Beispiel thematisiert die Tagung den generellen Umgang mit historischer Bausubstanz an Gedenkorten. Der Anspruch des authentischen Ortes ist durch Verfall und zunehmende Restaurierung der historischen Gebäude zu hinterfragen. Gleichzeitig sind Rekonstruktionen und Inszenierungen aus den 1950er oder 1960er Jahren inzwischen selbst historisch geworden.

Die Tagung beschäftigt sich mit den Gebäuden, die wie der „Kräutergarten“ früher, zwar zum Lagergelände gehörten, heute aber meist außerhalb der Gedenkstätten liegen und vom Verfall bedroht sind. Während die offiziellen Gedenkakte an zentralen Mahnmalen und Gedenkorten stattfinden, sind weite Teile der ursprünglichen Lagerareale zu „verlorenen Milieus“ geworden. Ihre Geschichte geriet in Vergessenheit, sie wurde verdrängt und durch Neubauten überformt. Warum sind diese „peripheren“ Orte nicht in die Gedenkstätten einbezogen? Wann ist ein Gebäude erhaltenswert? Wie und in welchem Umfang sollen verfallen(d)e Bauten restauriert werden? Was soll mit den nach 1945 entstandenen Rekonstruktionen geschehen? Und wie können historische Gebäude und Rekonstruktionen dem Auftrag der Gedenkstätten entsprechend genutzt werden?


Programm:

Freitag, 01.Juni 2012

11.00 – 13.00 h

Begrüßung

 •   Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin KZ-Gedenkstätte Dachau

 •   Karl Freller, MdL, Direktor Stiftung Bayerische Gedenkstätten

 •   Peter Bürgel, Oberbürgermeister Stadt Dachau


Einführungen

Zum Umgang mit den Relikten des Konzentrationslagers Dachau

Dr. Gabriele Hammermann, KZ-Gedenkstätte Dachau


Denkmalpflegerische Anforderungen an den Umgang mit historischer Bausubstanz in Gedenkstätten

Generalkonservator Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege


Diskussion


Mittagspause


14.30 –16.15 h


Vortrag

Das bröckelnde Gedächtnis der Orte – Umbau, Erhalt oder Verfall von NS-Bauten in Flossenbürg und Nürnberg


Dr. Alexander Schmidt, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg


Die Entscheidung für Sanierung, Rekonstruktion oder Neugestaltung am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen

Prof. Dr. Günter Morsch, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten


Kommentar

Prof. Dr. Detlef Hoffmann

Universität Oldenburg


Diskussion

Pause

16.30 – 18.15 h

Vortrag

Experience the Authenticity

Dr. Piotr Cywinski, Gedenkstätte und Museum Auschwitz


Erinnern und Gedenken am historischen Ort – Gestaltungscharakteristika der Gedenkstätte Berliner Mauer

Dr. Axel Klausmeier, Stiftung Berliner Mauer


Kommentar

Prof. Dr. Harold Marcuse

University of California, Santa Barbara

Diskussion


Abendessen


19.30 – 21.00 h


Gespräch

Prof. Dr. Detlef Hoffmann

Universität Oldenburg

Prof. Dr. Harold Marcuse

University of California, Santa Barbara

Prof. Dr. Habbo Knoch

Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten

Dr. Gabriele Hammermann

KZ-Gedenkstätte Dachau


Moderation: Dr. Axel Doßmann

Friedrich-Schiller-Universität Jena


Samstag, 02. Juni 2012

09.30 –10.00 h


Vortrag

Aktueller Bauzustand und Denkmalpflege im „Kräutergarten“

Axel Will, Architekt, München


Pause


10.30 – 12.30 h


Vortrag

„Verlorene Milieus“. Historische Areale im Umfeld der Gedenkstätte Ravensbrück.

Dr. Insa Eschebach, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück


„Monumentale Unsichtbarkeit“. Zum Umgang mit den materiellen Spuren von Arbeit, Technik und Gewalt am Bunker Valentin

Dr. Marcus Meyer, Denkort Bunker Valentin


Kommentar

Dr. Alexander Schmidt

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg


Diskussion


Mittagspause


14.00–15.15h


Vortrag

Eine Gedenkstätte und ihre Inszenierung: wie man mit einem künstlerischen Ansatz Neugier, aber auch Verstehen fördern kann: die Saarbrücker „Neue Bremm“

Dr. Burkhard Jellonnek, Landeszentrale für politische Bildung Saarland


Rekonstruktion oder Sanierung des Bestandes? Der Umgang mit den historischen Gebäuden (vor und nach 1945) des ehemaligen Stalag X B Sandbostel

Andreas Ehresmann, Stiftung Lager Sandbostel


Kommentar

Prof. Dr. Habbo Knoch

Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten


Pause


15.30 – 17.00 h


Abschlussdiskussion

Leitung: Dr. Gabriele Hammermann

KZ-Gedenkstätte Dachau


Sonntag, 03. Juni 2012


10.00–13.00h

Führung zu den „peripheren Orten“ des KZ Dachau: Waldfriedhof und Leitenberg; Schießplatz Hebertshausen und Kräutergarten


Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 15.Mai 2012 im Tagungsbüro an


Tagungsbüro: Dr. Aline Sierp, Tel:08131/66997-0; Fax:08131/ 2235; tagung@kz-gedenkstaette-dachau.de


Kosten: Die Teilnahme an der Tagung kostet für beide Tage 30 € (ermäßigt 20 €).


Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Dachau / Stadt Dachau


Wissenschaftliche Leitung: Dr. Gabriele Hammermann, Dr. Dirk Riedel, Dr. Kay Kufeke