"Mit jeder Minute wächst der Kreis. Die Außenstehenden sehen den Vorlesenden nicht und vernehmen seine Stimme nur undeutlich, aber sie lauschen hingegeben. Ist das nicht eine Geschichte, die wirklich geschehen ist, und kann es nicht morgen wieder geschehen, dass die Rettung von jemanden kommt, den man nie gesehen und auf den man nie zu hoffen gewagt hat?"
Purim im März 1944, Bericht von Clara Asscher-Pinkhof.
Selbst unter den extremen Bedingungen eines Konzentrationslagers gab es Häftlinge, die nach den Geboten ihrer Religion zu leben versuchten und diese auszuüben. Damit waren sehr häufig Verstöße gegen die Lagerordnung und Anweisungen der Lager-SS verbunden; so galt das Entwenden von Schrauben als Sabotage und konnte die Hinrichtung zur Folge haben. Bereits ein religiöses Bekenntnis war gefährlich. Welche Bedeutung hatte das Festhalten an religiösen Motiven für die Häftlinge? War es eine Form des Widerstandes? Wie waren die Reaktionen der nicht religiösen Mithäftlinge darauf?
Vortrag der in Hamburg lebenden Wiener Historikerin und Gedenkstättenpädagogin Sandra Wachtel.