Die Veranstaltung soll an den Mut jener internationalen Gruppe von Häftlingsfrauen erinnern, die vor 70 Jahren für ca. 400 inhaftierte Kinder unter Entbehrungen und Gefahren 1944 eine Weihnachtsfeier im KZ Ravensbrück organisiert hatten, für die sie der SS die Erlaubnis abgetrotzt hatte.
Die Frauen bastelten kleine Geschenke, schrieben ein Stück für ein Puppentheater, fertigten Puppen, probten und schmückten die dafür vorgesehene Baracke. Der 24. Dezember war ein Sonntag. Am Nachmittag kamen viele erwartungsfrohe Kinder in den Block 22, der zu diesem Zeitpunkt nicht belegt war. Auf der einen Blockseite erblickten sie mit weißem Papier gedeckte Tische, geschmückt mit Tannenzweigen und einigen Kerzen. Selbst ein geputzter Tannenbaum verschönerte den Raum. Die Kinder erhielten Marmeladenschnitten, etwas zu trinken und kleine Geschenke. Auf der anderen Seite der Baracke war ein Kasperletheater aufgebaut. In dem Stück „Es war einmal ein Drache“, besiegte – unter dem Jubel der Kinder – der Kasper mit seinen Freunden den Drachen und befreite die verzauberte Prinzessin.
Diese in einem Konzentrationslager wohl einmalige Weihnachtsfeier war die größte gemeinsame Solidaritätsaktion der in Ravensbrück weggesperrten Frauen. Daran nahmen ca. 400 Kinder zwischen zwei und 14 Jahren teil. Nur wenige Kinder konnten später darüber berichten, da viele von ihnen in den folgenden Monaten Opfer von Vernichtungsaktionen der SS wurden. An der Vorbereitung beteiligte Frauen aus mehreren Ländern haben in ihren schriftlich festgehaltenen Erinnerungen über dieses bewegende Fest berichtet.
Nach Gesprächen mit Frauen aus Ravensbrück hat der Kinderbuchautor Bodo Schulenburg 1986 das Kinderbuch „Es war einmal ein Drache“ mit Zeichnungen von Leo Haas veröffentlicht. Diese besondere Geschichte über Kindheit im Konzentrationslager, um Verzweiflung, Lebensmut und Zukunft diente als literarische Vorlage für „Tandera“, ein Theater mit Figuren aus Mecklenburg/Vorpommern. Wir haben die Theatergruppe „Tandera“ eingeladen, ihr Stück „Es war einmal ein Drache“ aufzuführen. Danach berichtet die 90 jährige Zeitzeugin Elisabeth Jäger, und Kinder von Ravensbrückerinnen lesen aus den sich auf die Weihnachtsgeschichte beziehenden Erinnerungsberichten ihrer Mütter. Musikalische Begleitung durch Constanze Jaiser und Pampuch.
Die Veranstaltung wurde von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen Berlin und Lichtenberg sowie mit verschiedenen Institutionen des Stadtbezirks Berlin-Lichtenberg vorbereitet und steht unter der Schirmherrschaft des Bezirksbürgermeisters von Berlin-Lichtenberg, Andreas Geisel.