Raum. Neue Ansätze für die Erforschung von Militär, Krieg und Gewalt in der Neuzeit

Tagung/Seminar/Workshop
30. September 2012
Ort: Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstalter: Jahrestagung des Deutschen Komitees für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Verbindung mit dem MGFA

Deadline: 30.09.2012


Die Militärgeschichte befasst sich mit Gegenständen und Problemen, die eine Beschäftigung mit dem Raum nahe legen. Bereits im Frieden sind die neuzeitlichen Heere räumlich eingeteilt. Im Krieg entstehen Räume, etwa das Frontgebiet oder das Hinterland, in denen die Ausübung von Gewalt begrenzt oder entgrenzt sein kann. Auch „Gegend und Boden“ haben, so formulierte es Clausewitz, „eine sehr nahe und nie fehlende Beziehung zur kriegerischen Tätigkeit“. Geländeinformationen schlagen sich in Bildern und Karten nieder. Militärisches Sprechen und Denken ist von räumlichen Verweisen durchsetzt. Das zeigen nicht nur die Begriffe Kriegstheater und Schlachtfeld, auch Schlagworte der Befehlssprache – Vorstoß, Frontabschnitte, Verteidigungslinien – zeugen davon.

Gleichwohl finden sich in der deutschen militärgeschichtlichen Forschung zur Neuzeit nur wenige Beispiele für Arbeiten, die einen räumlichen Ansatz verfolgen oder historische Räume untersuchen. Dabei, so die Prämisse, kann die historische Grundkategorie Raum für die Militärgeschichte einen empirisch, theoretisch und methodisch weiterführenden Beitrag leisten. Die Tagung verfolgt das Ziel, diese Annahme zu überprüfen und eine Diskussion über den Raum in der Militärgeschichte anzustoßen.

Die Beiträge sollen in der Zeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart abdecken. Sie können sich neben den so genannten konventionellen Kriegen zwischen Nationen auch mit Kolonialkriegen, Fragen des kleinen oder Partisanenkrieges sowie des Cyberkrieges befassen. Auch Friedenszeiten sind als Perioden, in denen Armeen über die Formen künftiger Kriege nachdenken, einzubeziehen. Vorträge zu den drei Teilstreitkräften sind willkommen. Die Tagung will klassische Themen der Militärgeschichte, beispielsweise die Operationsgeschichte, mit Ansätzen und Fragen einer Kulturgeschichte des Militärs zusammenführen. Um eine thematische Konzentration möglich zu machen, soll der Themenkreis „Geopolitik“ ausgeklammert bleiben.

Die Tagung operiert mit Konzeptionen, die den Raum in seiner Materialität sowie seinen sozialen Dimensionen und Repräsentationen berücksichtigen. Sie sollen in den Vorträgen aufgenommen werden, wobei die vorgeschlagenen Fragen mögliche Problemstellungen konturieren können.

1) Physisch-geographische Räume – „Die Naturvorgegebenheit jeder menschlichen Geschichte.“ (Reinhart Koselleck)

Welche Folgen hat die Materialität des Raumes – „Natur“, Klima, Wetter, Geographie – für die Kriegsführung? Bringen Technisierung und Innovationen eine größere Unabhängigkeit vom Raum? Wie verändern Infrastrukturen – Wegnetze, Kommunikationslinien, Kasernen, Häfen, Flugplätze – den Raum? Welche Rolle spielt der physische Raumgewinn in den so genannten „Alten“ oder „Neuen Kriegen“?

2) Soziale Räume – „Jede Gesellschaft produziert ihren eigenen Raum.“ (Henri Lefebvre)

Wie wirken sich Waffengattung, Dienstgrad oder Funktion auf Einsatzort oder Netzwerke der Soldaten in der Garnison oder an der Front aus? Wie sind Überlebenschancen im sozialen Raum gestreut? Welche Techniken der Verräumlichung gibt es im militärischen Kontext? Entstehen durch Propaganda und das Bestreben, die „Hearts and Minds“ der Bevölkerung zu gewinnen, eigene soziale Räume?

3) Mentale Räume – „Tatsächlich beherrschen die Modi des Räumlichen als Grundformen alle Wahrnehmungserlebnisse.“ (Erwin Straus)

Welchen Einfluss haben Bilder, Texte und Karten auf die Räume „im Kopf“? Bestimmen Räume die Planung und Durchführung militärischer Operationen, Kriegserfahrungen und Kriegserinnerungen? Werden Kampfgebiete als zusammenhängende Gewalträume wahrgenommen? Inwieweit schafft der Cyberkrieg neue Raumvorstellungen?

Bei Interesse senden Sie bitte eine Kurzzusammenfassung Ihres Vortrages (maximal eine Seite) sowie eine Kurzbiographie mit Schriftenverzeichnis an eine der Kontaktadressen.

Kontakt:

Dr. Peter Lieb: peter_lieb@<wbr></wbr>hotmail.com

Christoph Nübel: christoph.nuebel@<wbr></wbr>geschichte.hu-berlin.de

Datum, Ort: 14.-15. Juni 2013, Humboldt-Universität zu Berlin

Deadline: 30.9.2012

 

Kontakt:

Christoph Nübel

Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den Linden 6, 10099 Berlin

030/209370579

christoph.nuebel@<wbr></wbr>geschichte.hu-berlin.de