Arbeiten zur Volkstums- und Germanisierungspolitik des Nationalsozialismus in den besetzten Ländern Ostmittel- und Südosteuropas wurden seit dem Erscheinen der Studie von Robert L. Koehl 1957 zum Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums nur sporadisch veröffentlicht und deckten nur Teilaspekte des Problemfeldes ab. Hingegen erschien in den vergangenen Jahren sukzessive eine ganze Reihe von Studien bzw. sind noch in Arbeit, die sich mit diesem wichtigen Teilbereich der nationalsozialistischen Besatzungspolitik, der den engsten Bezug zur Ideologie des Nationalsozialismus aufweist, beschäftigen.
Als thematischer Ansatzpunkt für den Workshop, der die jüngeren Arbeiten und Projekte zusammenführt, bietet sich eine Fragestellung an, die in den aktuellen Forschungen immer wieder eine Rolle spielt: die nach dem Verhältnis von Ideologie und Pragmatismus bei der konkreten Ausgestaltung der Volkstumspolitik des Nationalsozialismus. Im Speziellen geht es um die Vorgaben, Entscheidungen und Machtkonstellationen höherer Instanzen und den Handlungsspielraum der vor Ort tätigen und mit Volkstumsangelegenheiten befassten Amtsträger sowie um die Interessen und die Handlungsoptionen der von der Volkstumspolitik Betroffenen. Neben der Makroebene soll also auch, soweit möglich, die Mikroebene mit einbezogen werden.
Programm
Donnerstag, 19.9.2013
13.30 Uhr
Prof. Dr. Günther Heydemann:
Grußwort
Jan Erik Schulte/Johannes Frackowiak:
Einführung
14.00 Uhr
Jan Erik Schulte (Dresden):
Die rassistische Rhetorik Heinrich Himmlers: Kontinuitäten und Brüche
14.50 Uhr
Isabel Heinemann (Münster):
Neue Überlegungen zum Zusammenhang von „rassenpolitischer Homogenisierung“, Umsiedlungspolitik und Judenmord.
15.40
Kaffeepause
16.00 Uhr
Alexa Stiller (Bern):
Die Ränder der „Volksgemeinschaft“. Selektionspraktiken des Apparates des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums in den annektierten Gebieten 1939-1945
16.50 Uhr
Gerhard Wolf (Brighton):
Preußens lange Schatten: Die Deutsche Volksliste im annektierten Polen
17.40 Uhr
Johannes Frackowiak (Dresden/Altenburg):
Von der Ideologie zum Pragmatismus? Deutsch-jüdische „Mischlinge“ im Verfahren der Deutschen Volksliste
18.30 Uhr
Tagungsschluss 1. Tag
Freitag, 20.9.2013
9.00 Uhr
Ryszard Kaczmarek (Katowice):
„Volk“ oder „Rasse“. Dilemmata der NS-Volkstumspolitik in der Provinz Oberschlesien (auf Grund der Archivalien der Zentralstelle der DVL Kattowitz)
9.50 Uhr
Andreas Strippel (Hamburg):
Rasse – Volk – Arbeit. Selektionskriterien und -praxis der Einwanderzentralstelle (EWZ)
10.40 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Maria Fiebrandt (Dresden):
„Völkische Selbstbehauptung“. Rassenhygienische Konzepte und ihre Umsetzung in den deutschen Siedlungsgebieten Ost- und Südosteuropas im Vorfeld der Umsiedlungen
11.50 Uhr
Alexander Korb (Leicester/Jena):
Ethnopolitisches Engineering in Südosteuropa 1941-1945. Vergleichende Perspektiven mit Blick auf einen benachbarten Raum
12.40 Uhr
Abschlussdiskussion
13.30 Uhr
Tagungsende
| Kontakt: | Dr. Johannes Frackowiak / Dr. Jan Erik Schulte Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden, Helmholtzstraße 6, 01069 Dresden frackowi@<wbr></wbr>msx.tu-dresden.de; jan.schulte@<wbr></wbr>mailbox.tu-dresden.de |