Podiumsdiskussion zur historisch-kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“

Diskussion/Gespräch
19. April 2016
19:30 - 00:00 Uhr
Ort: im Grünen Hof, Erdinger Str. 42, 85356 Freising
Veranstalter: B90/DIE GRÜNEN

Seit kurzem liegt die zweitausend Seiten starke historisch-kritische

Edition des Instituts für Zeitgeschichte von Hitlers „Mein Kampf“ vor.

Die mediale Resonanz war groß.

Der Veröffentlichung waren kontroverse Diskussionen über die Frage

vorausgegangen, ob Hitlers Schrift auch nach Auslaufen des

Urheberrechtschutzes Ende 2015 verboten bleiben sollte. Die

Staatsregierung wollte sich im Gegensatz zum Landtag lange nicht

festlegen. Bereits 2011 hatte der Landtag von der Staatsregierung ein

Konzept zum Umgang mit NS-Schriften gefordert. Und 2013 fasste er

auf Initiative der Grünen fraktionsübergreifend den Beschluss, dass die

Staatsregierung die wissenschaftliche Ausgabe des IfZ von „Mein

Kampf“ unterstützen und vorantreiben soll. Wenige Monate später

vollzog die Staatsregierung völlig überraschend die Kehrtwende.

Nachdem sie bis dahin das Projekt mit 500.000 € gefördert hatte,

kündigte Ministerpräsident Seehofer die weitere Unterstützung auf und stoppte auch die Arbeiten an begleitenden Materialien für die politische Bildung. Sie verfügte, dass unkommentierte Nachdrucke von „Mein Kampf“ auch in Zukunft verboten bleiben sollen.

Auch jetzt nach Erscheinen der Edition hält die Debatte um das Pro

und Contra an. Welche neuen Erkenntnisse vermittelt das Werk des

IfZ? Arbeitet es nicht rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften

in die Hände? Verstärkt es rassistische und antisemitische

Einstellungen? Wäre es daher nicht besser, Hitlers Schrift im

„Giftschrank der Geschichte“ zu belassen? Oder erhöht das

Wegsperren gerade die Attraktivität des Buchs, weil es damit mit einer

„mystischen Aura“ und dem Reiz des Gefährlichen versehen wird? Ist

unsere Demokratie nicht so gefestigt, dass sie an Nachdrucken keinen

Schaden nimmt und wir mit ihnen selbstbewusst und offensiv umgehen

können? Und ist die vom IfZ geleistete Dekonstruktion und

Kontextualisierung von Hitlers Absichten und seiner Ideologie nicht

auch deshalb so wichtig, weil sie die Gefährlichkeit rechten

Gedankenguts heute beweist?

Über diese und weitere Fragen werden mit Ihnen unsere

Podiumsgäste diskutieren.

Anhang

Flyer (pdf)

Einladung (pdf)