Seit kurzem liegt die zweitausend Seiten starke historisch-kritische
Edition des Instituts für Zeitgeschichte von Hitlers „Mein Kampf“ vor.
Die mediale Resonanz war groß.
Der Veröffentlichung waren kontroverse Diskussionen über die Frage
vorausgegangen, ob Hitlers Schrift auch nach Auslaufen des
Urheberrechtschutzes Ende 2015 verboten bleiben sollte. Die
Staatsregierung wollte sich im Gegensatz zum Landtag lange nicht
festlegen. Bereits 2011 hatte der Landtag von der Staatsregierung ein
Konzept zum Umgang mit NS-Schriften gefordert. Und 2013 fasste er
auf Initiative der Grünen fraktionsübergreifend den Beschluss, dass die
Staatsregierung die wissenschaftliche Ausgabe des IfZ von „Mein
Kampf“ unterstützen und vorantreiben soll. Wenige Monate später
vollzog die Staatsregierung völlig überraschend die Kehrtwende.
Nachdem sie bis dahin das Projekt mit 500.000 € gefördert hatte,
kündigte Ministerpräsident Seehofer die weitere Unterstützung auf und stoppte auch die Arbeiten an begleitenden Materialien für die politische Bildung. Sie verfügte, dass unkommentierte Nachdrucke von „Mein Kampf“ auch in Zukunft verboten bleiben sollen.
Auch jetzt nach Erscheinen der Edition hält die Debatte um das Pro
und Contra an. Welche neuen Erkenntnisse vermittelt das Werk des
IfZ? Arbeitet es nicht rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften
in die Hände? Verstärkt es rassistische und antisemitische
Einstellungen? Wäre es daher nicht besser, Hitlers Schrift im
„Giftschrank der Geschichte“ zu belassen? Oder erhöht das
Wegsperren gerade die Attraktivität des Buchs, weil es damit mit einer
„mystischen Aura“ und dem Reiz des Gefährlichen versehen wird? Ist
unsere Demokratie nicht so gefestigt, dass sie an Nachdrucken keinen
Schaden nimmt und wir mit ihnen selbstbewusst und offensiv umgehen
können? Und ist die vom IfZ geleistete Dekonstruktion und
Kontextualisierung von Hitlers Absichten und seiner Ideologie nicht
auch deshalb so wichtig, weil sie die Gefährlichkeit rechten
Gedankenguts heute beweist?
Über diese und weitere Fragen werden mit Ihnen unsere
Podiumsgäste diskutieren.
Anhang