Pierre Drieu la Rochelle. DIE KOMÖDIE VON CHARLEROI.

13. Juli 2016
20:00 - 00:00 Uhr
Ort: Berlin, Literaturhaus, Fasanenstr. 23
Veranstalter: Manesse Verlag

Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles Erzählungen spiegeln die innere Zerrissenheit des Schriftstellers, Polemikers, Kommunisten und Anarchisten, Faschisten und Antisemiten, Surrealisten und Pazifisten und Mystikers wider. Ein streitbarer Autor, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer.


Pierre Drieu la Rochelle. DIE KOMÖDIE VON CHARLEROI.Erzählungen. Erschienen im April 2016 | 288 S. | € 24,95 [D] | ISBN 978-3-7175-2396-3

Aus dem Französischen von Andrea Spingler und Eva Moldenhauer. Nachwort von Thomas Laux


Mittwoch, 13. Juli, 20 Uhr    Berlin, Literaturhaus, Fasanenstr. 23

Lesung: Frank Arnold

Im Anschluss sprechen Tilman Krause (Literaturredakteur der Zeitung »Die Welt«), Jürgen Ritte (Literaturwissenschaftler und Übersetzer aus dem Französischen) und der Lektor des Buches Oliver Ilan Schulz (Manesse Verlag) über den Schriftsteller und Exzentriker Pierre Drieu la Rochelle.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier |Informationen zur Veranstaltung und Ticketreservierung unter

http://www.literaturhaus-berlin.de/veranstaltung/616-pierre-drieu-la-rochelle-die-komoedie-von-charleroi.html


Madame Pragen, eine ehrgeizzerfressene Pariser Witwe, hat 1914 ihren schmächtigen Sohn in den Krieg geschickt, um einen Helden aus ihm zu machen. Er fiel in den ersten Tagen während eines bedeutungslosen Scharmützels im belgischen Charleroi. Im Jahr 1919 nutzt nun seine Mutter einen Besuch des Schlachtfelds, um sich vor den provinziellen Honoratioren der Stadt als Grande Dame zu inszenieren. In «Der Hund der Heiligen Schrift» brüstet sich ein junger Veteran mit Verdun. Doch in der Kinoreihe vor ihm sitzt ein ehemaliger Kamerad ...

Auf Anhieb fasziniert der flirrende Ton des Erzählers. Seine zynische Lässigkeit, sein stetiges Abtasten der Realitäten, die umso drastischer wirkende Überzeichnung einzelner Figuren: Diese Prosastücke bieten einen schillernden Rückblick auf das Schlüsselerlebnis einer irrlichternden Generation.


«Stilistisch brillant … Diesem großen Zerrissenen sollte man kritisch begegnen. Nur lesen sollte man ihn.» Der Tagesspiegel, Tobias Schwartz


Pierre Drieu la Rochelle (1893–1945) scheiterte im Politikstudium und nahm dann am Ersten Weltkrieg teil. Danach führte er ein mondänes Leben als Romancier, Essayist und Journalist. Zunächst stand er den Surrealisten und ihren linken Idealen nahe. Während des Vichy-Regimes kollaborierte er mit den Nazis. 2012 wurde er in Frankreichs prestigereichste Klassikerkollektion Bibliothèque de la Pléiade aufgenommen.