Wer musste während des Zweiten Weltkriegs im heutigen Uhrenindustriemuseum Zwangsarbeit leisten? Was hatte es mit der „Ausländerbaracke“ im Alten Schwenninger Krankenhaus auf sich? Und sind heute noch Spuren des großen „Ostarbeiterlagers“ im Dickenhardt zu entdecken?
Die Initiative zur Auseinandersetzung mit der NS-Zwangsarbeit in Schwenningen lädt alle Interessierten am Samstag, den 12.10.2024, zu einer Stadtrundfahrt zu mehreren für die NS-Zwangsarbeit in Schwenningen relevanten Orten ein. Treffpunkt um 14 Uhr ist das Uhrenindustriemuseum, Bürkstraße 39, 78054 Villingen-Schwenningen. Dieses bildet sowohl den Start-, wie auch gegen 17:45 Uhr den Endpunkt der Bus-Exkursion. Im Zuge der Ortsbesichtigung werden neben der ehemaligen Württembergischen Uhrenfabrik das Gelände der Alten Ziegelei an der Villinger Straße, der Standort des früheren Ostarbeiterlagers im Dickenhardt, das ehemalige Schwenninger Krankenhaus am heutigen Bürgerheim, sowie die Gräber von Zwangsarbeiter:innen auf dem Waldfriedhof besucht.
An allen Stationen geben Initiativ-Beteiligte kurze Einblicke in den aktuellen Stand des Wissens: Dr. Annemarie Conradt-Mach, Florian Kemmelmeier, Dr. Heinrich Maulhardt, Lisa Schank, Lisa Schmied, Ute Schulze und Markus Teubert.
Eine Pause mit Kaffee und Kuchen ist Teil des Programms.
Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung per E-Mail bis spätestens 11.10.2024 bei lisa.schank@villingen-schwenningen.de wird gebeten.
Hintergrund:
Die 2023 ins Leben gerufene Initiative zur NS-Zwangsarbeit in Schwenningen entstand durch den Kontakt mit Wolodymyr Shcherbina, einem ehemaligen Zwangsarbeiter aus der Ukraine, der im Alter von 17 Jahren nach Schwenningen verschleppt wurde. Ziel der Initiative ist, die Lokalgeschichte der NS-Zwangsarbeit bekannt und sichtbar zu machen. Dabei wird der Fokus auf die Schicksale der Menschen gelegt, die aus ganz Europa nach Schwenningen gebracht wurden.
In der Initiative sind sowohl ehrenamtlich engagierte Einzelpersonen, wie auch der Schwenninger Heimatverein, Schulen, sowie das Stadtarchiv und das Uhrenindustriemuseum aktiv.
2024 fanden bereits mehrere öffentliche Veranstaltungen statt. Durch intensive Archivrecherchen konnten bislang über 3.350 Menschen aus ganz Europa identifiziert werden, die im Zweiten Weltkrieg in Schwenningen Zwangsarbeit leisten mussten.
Kontakt:
Lisa Schank, Initiativ-Koordinatorin
lisa.schank@villingen-schweninngen.de
Tel: 0157 35365920
https://www.uhrenindustriemuseum.de/veranstaltungen-projekte/initiative-ns-zwangsarbeit
Route der Stadtrundfahrt am 12. Oktober, eingezeichnet auf einem historischen Luftbild von 1945.
Foto 1:
Links: Grab von Anton Below auf dem Schwenninger Waldfriedhof, Foto: Florian Kemmelmeier, März 2024.Rechts: Kopie aus dem Arbeitsbuch von Anton Below, Arolsen Archives, 2.2.2.1, 71420967.
Foto 2:
Lageplan des „Ostarbeiterlagers am Dickenhart“, Schwenningen, vor Dezember 1945, Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, 3.16 Nr. 1741.