Ökonomisches Vertrauen und antisemitische Gewalt: Jüdische Viehhändler in Mittel-franken, 1919 - 1939

Vortrag/Vorlesung
2. November 2014
15:30 - 00:00 Uhr
Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Veranstalter: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Vortrag mit Dr. Stefanie Fischer


Der Viehhandel gehörte zu den ältesten Tätigkeitsfeldern von Juden in Mitteleuropa.

In kaum einem anderen Wirtschaftsbereich erreichten Juden je einen so hohen Anteil wie im Viehhandel. Als Viehein- und -verkäufer, aber auch als Kreditgeber und Güterhändler, agierten sie an einer sehr sensiblen Stelle in der Agrar-gesellschaft. Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten wurden jüdische Viehhändler zum negativen Stereotyp in der antisemitischen Propaganda und dann häufig als Bauern-schlächter“ dargestellt. Die Nationalsozialisten stießen allerdings beim Versuch, Juden aus dem Viehhandel zu verdrängen, an die Grenzen ihrer rassistischen Wirtschaftspolitik. Trotz einer vehementen antisemitischen Propaganda hielten viele Bauern an ihren vertrauten Handels-partnern, den jüdischen Viehhändlern, fest.

Exemplarisch wird  die  bayerische Region  Mittelfranken untersucht. Noch bis 1933 lebte dort eine der größten jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich.


Dr. Stefanie Fischer, lehrt und forscht im Bereich der deutsch-jüdischen Geschichte an der Universität Potsdam und unterrichtet an der Leo Baeck Summer University in Berlin. Ihre Dissertation zum Vortragsthema wurde von der Wiener Library mit dem Fraenkel-Preis und von der Universität Wien 2014 mit dem Wiener Preis für die Erforschung der Geschichte des National-sozialismus/Irma-Rosenberg-Preis ausgezeichnet.