Novemberpogrom von 1938: Gedenkveranstaltung

9. November 2014
15:30 - 00:00 Uhr
Ort: Gedenkstätte Buchenwald
Veranstalter: Gedenkstätte Buchenwald

10. November 1938 in Deutschland: In den frühen Morgenstunden brennen die Synagogen. Juden werden aus ihren Wohnungen geschleppt, zusammengetrieben, geschlagen oder ermordet. Nach dem Pogrom lässt die Gestapo etwa 30.000 jüdische Deutsche verhaften und in Konzentrationslager bringen. Sie sollen – so der Auftrag der SS – Todesangst erleben. Alles ist darauf ausgerichtet, ihnen die Würde zu nehmen und sie auszuplündern.

Allein in das KZ Buchenwald werden 9.845 Männer aus ganz Deutschland verschleppt. Die SS hält sie in einer abgegrenzten Zone westlich des Appellplatzes in fünf scheunenartigen Baracken gefangen. Das Sonderlager neben dem Appellplatz ist mit Stacheldraht umzäunt. Tagelang kommt hier niemand zum Ausruhen. Die Lebensbedingungen sind menschenunwürdig, sanitäre Einrichtungen gibt es kaum.

Leopold Herz aus Gütersloh schreibt später über diese Situation:

„Hätten die Menschen mal wieder schlafen können, dann hätten sie wohl die Schrecknisse der vergangenen Tage vergessen können, dann wären sie wohl über den Hunger, oder was ja viel schlimmer war, den Durst weggekommen. So aber wurden die Nerven der Menschen auf eine Zerreißprobe gestellt, denen viele unter uns nicht gewachsen waren, und es kam, was kommen mußte, nein, was von den Bestien in Uniform planmäßig durch Entzug von Schlaf, durch Hunger und Durst und durch ständige Bedrohung herbeigeführt wurde, die Menschen wurden wahnsinnig und bekamen Tobsuchtsanfälle. Mit einem fing es an, das hysterische Schreien dieses Mannes ruft ein paar Kapo-Leute in die Baracke, die nach ein paar Versuchen, den Mann zu beruhigen, ihn nach draußen in die Nacht schleifen […].“

Die SS entließ die meisten Verhafteten, wenn sie sich bereit erklärten, ihr Eigentum unter Wert zu veräußern und Deutschland zu verlassen. Bis zur Auflösung des Sonderlagers Anfang 1939 sterben dennoch 250 Inhaftierte durch die Misshandlungen der SS.

Den Ort des jüdischen Sonderlagers 1938 markiert heute ein Gedenkstein. Dort wird am Sonntag, dem 9. November 2014, um 15.30 Uhr, an die damaligen Ereignisse erinnert. Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, verlesen an der Stiftung tätige Internationale Freiwillige Berichte von Zeitzeugen.