„Es ist quasi seine Stimme“ - Literarisch-musikalischer Abend mit der Geige des Shoah-Opfers Igor Itzchak Orloff

Gedenkveranstaltung
Konzert
28. September 2023
19:30 - 21:30 Uhr
Ort: Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau Alte Römerstr. 87 85221 Dachau
Veranstalter: Evangelisches Bildungswerk München e.V., Katholischer Seelsorge

Dr. Roman Salyutov hat ein besonderes Erbe angetreten: Der aus einer russisch-jüdischen Familie stammende Pianist und Kulturmanager hat 2022 die Geige eines jüdischen Musikers erworben, der aus Russland floh und im Holocaust ermordet wurde. Nach 80 Jahren erklingt das Instrument jetzt wieder in der Öffentlichkeit. Alexander Lifland vom Beethoven-Orchester Bonn, Musiker aus einer russisch-jüdischen Familie, bringt die Geige zum Klingen. Gemeinsam spielen die beiden Künstler in Dachau Werke unter anderem von Ernest Bloch und Louis Lewandowski.
Igor Itzchak Orloff, geboren 1884 in einer jüdischen Familie, versucht der Einberufung durch die russische Armee zu entgehen, was ihn im Ersten Weltkrieg erst nach Skandinavien und dann nach Deutschland treibt. Anfang der 1920er Jahre taucht er in Berlin auf, spielt in einem Ensemble. Hier lernt er die gebürtige Ukrainerin Lola Grün kennen. Die beiden treffen sich auf der Flucht vor den Nazis in Frankreich, wo sie erneut gemeinsam musizieren. Lola Grün wird nach dem deutschen Angriff auf Frankreich als deutsche Staatsbürgerin ausgewiesen. Ihr staatenloser Freund bleibt zurück. Bevor die beiden getrennt werden, vertraut er ihr seine Geige an. Sie möge diese bis zu einem Wiedersehen in Obhut nehmen. Danach verliert sich seine Spur.
Lola Grün überlebt den Krieg. Sie hütet die Geige im Gedenken an ihren Freund, gibt das Instrument schließlich an ihren Enkel weiter. Aber niemand spielt darauf.
„Das Instrument wird wieder gespielt, es ist quasi seine Stimme“, sagt Roman Salyutov. Die Geige spielen – für ihn ist es ein Mahnmal gegen das Vergessen.

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