Mittelalterbilder im Nationalsozialismus

30. September 2010 -
2. Oktober 2010
Ort: Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg
Veranstalter: Professor Dr. Bruno Reudenbach und Dr. Maike Steinkamp Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg

Die Erinnerung an das Reich der mittelalterlichen Könige und Kaiser nahm in der nationalsozialistischen Geschichts- und Kulturpolitik eine herausragende Stellung ein. Das Reich Karls des Großen und die Jahrhunderte der "deutschen Kaiserzeit", die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer, galten als erste Phase "deutscher Größe" und als Vorwegnahme und historische Rechtfertigung des von den Nationalsozialisten angestrebten "großgermanischen Reiches". Von dieser völkisch-nationalistischen Deutung des Mittelalters, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, blieb auch die Sicht auf die mittelalterliche Kunst nicht unbeeinflusst. Im Mittelalter wurde der Anfang "deutscher Kunst" gesucht, in der mittelalterlichen Kunst sah man einen frühen Ausdruck des deutschen Nationalcharakters, und entsprechend konnte sie sowohl als Vorbild für eine neu zu schaffende, nationale und "volksverbundene" Kunst in Anspruch genommen als auch gegen die "Entartungen" der Moderne ins Feld geführt werden. Im Zentrum der Tagung steht die Praxis der Mittelalter-Kunstgeschichte im Nationalsozialismus, ihre Vorgeschichte und unmittelbare Folge. Es geht um eine Analyse der Gegenstände, Begriffe, Methoden und Deutungsmuster, mit denen die damalige mediävistische Kunstgeschichte operierte. Ein zweiter Themenschwerpunkt liegt auf der Popularisierung des Mittelalterbildes in Schrifttum, Film und Veranstaltungen.

Donnerstag, 30. September

15:00 Uhr

Begrüßung und Einführung

Bruno Reudenbach und Maike Steinkamp

15:30 Uhr

Die Kunst der „deutschesten Epoche“ bei Wilhelm Pinder

Bruno Reudenbach, Hamburg

16:15 Uhr

Die „Deutsche Malerei der Gotik“ (1934 - 1961): Kunstgeographie - Schicksalserfüllung - territorialer Anspruch

Iris Grötecke, Bochum/Dresden

17:00 Uhr Kaffeepause

17:30 Uhr

Der gotische Mensch will sehen. Schaufrömmigkeit als Topos in der NS-Zeit

Gia Toussaint, Hamburg

Im Anschluss Empfang

Freitag, 1. Oktober

9:30 Uhr

„Eine Epoche ähnlich jener des zu Ende gehenden Mittelalters“. Die kulturkritische Auseinandersetzung mit dem Mittelalter in der Weimarer Republik (1918-1933)

Debbie Lewer, Glasgow/Bonn

10:15 Uhr

„Urgestalt deutschen Formerlebnisses“ – Mittelalter und Moderne in der Kunstkritik nach 1933

Maike Steinkamp, Hamburg

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr

Veit Stoss in der Kunstgeschichte des Nationalsozialismus und nach 1945

Barbara Schellewald, Basel

12:15 Uhr

„Die Frucht wächst im Gewitter“. Ein Beitrag zur Riemenschneider-Rezeption

Jeannet Hommers, Hamburg

13:00 Uhr Mittagspause

15:00 Uhr

Überblendungen: Das Mittelalterbild im Kulturfilm des Nationalsozialismus

Nicola Weber, Hamburg

15:45 Uhr

Mittelalterbilder im Kulturfilm – Filmprogramm I

Über uns der Dom, 1934 (Regie: Rudolf Bamberger)

Das steinerne Buch, 1938 (Regie: Walter Hege)

16:45 Uhr Kaffeepause

17:15 Uhr

Mittelalterbilder im Kulturfilm – Filmprogramm II

Riemenschneider – Der Meister von Würzburg, 1937 (Regie: Walter Hege)

Peter Parler – Dombauermeister zu Prag, 1941 (Regie: Werner Buhre)

Steinmetz am Werk , 1941 (Regie: Walter Hege)

Samstag, 2. Oktober

9:30 Uhr

The Middle Ages on Display in the Exhibition "Deutsche Größe" (1940-1942)

William Diebold, Portland

10:15 Uhr

Bildhafte Zeichen der Macht als sakrale Symbole in der atheistischen Diktatur: Zur Funktionalisierung der Reichskleinodien durch die Nationalsozialisten

Annelies Amberger, München

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr

Nürnberg – die „deutscheste aller deutschen Städte“? Das Bild des spätmittelalterlichen Nürnberg in Wissenschaft und Propaganda zur Zeit des Nationalsozialismus

Alexander Schmidt, Nürnberg

12:15 Uhr

Ordensburg und Völkermord. Zur Kunstgeschichtspolitik der SS

Christian Welzbacher, Berlin

Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten wird um eine Tagungsanmeldung gebeten.

Die Tagung wird gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung und den Verein der Freunde und Förderer des Kunstgeschichtlichen Seminars e.V.

Kontakt:

Dr. Maike Steinkamp 

Universität Hamburg, Kunstgeschichtliches Seminar 

Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg 

040-42838-3261/65 (Geschäftszimmer) 

maike.steinkamp (at) uni-hamburg.de