Dr. Hilde Schramm, Berlin, im Gespräch mit Dr. Insa Eschebach, Fürstenberg/H.
Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei –
(Gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)
„Dr. Dora Lux, geborene Bieber (1882–1959), war von 1953 bis zum Abitur 1955 meine Geschichtslehrerin in der Elisabeth-von-Thadden-Schule in Heidelberg. [...] Mein Vater ist Albert Speer [...]. Meine Herkunft zwang mir eine frühe und nicht abschließbare Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auf. Für meine Selbstfindung war jedoch der Einfluss von Menschen entscheidend, die eine Gegenwelt zur NS-Ideologie verkörperten; Menschen, die mir eine Ahnung davon vermittelten, wie befreiend Humanität und Aufklärung sein können. Eine solche Erfahrung verdanke ich meiner Lehrerin Frau Dr. Lux.”
In ihrem soeben erschienenen Buch Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux. 1882–1959. Nachforschungen (2012) stellt Hilde Schramm ihre bislang unbekannte ehemalige Lehrerin als mutige und unangepasste Frau vor. Dora Lux gehörte zu den ersten Frauen in Deutschland, die Abitur machten. Gegen erhebliche Widerstände innerhalb und außerhalb der Universitäten konnte sie ihr Recht auf Bildung und Ausübung eines akademischen Berufs durchsetzen. In der Weimarer Republik gehörte sie zu den wenigen verheirateten Studienrätinnen und lebte mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Berlin. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie „aus rassischen Gründen” aus dem Schuldienst entlassen. Bis 1935/36 publizierte sie regimekritische Artikel, später verstieß sie gegen die gesetzliche Vorschrift, sich als Jüdin registrieren zu lassen. Dora Lux überlebte in Deutschland. Nach 1945 war sie wieder als Lehrerin tätig.
Hilde Schramm, 1936 geboren, arbeitete nach dem Zweiten Staatsexamen mit den Fächern Deutsch und Latein in der Lehrerbildung an der Freien Universität Berlin als Soziologin und habilitierte Erziehungswissenschaftlerin. Für die Alternative Liste war sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und 1989/90 dessen Vizepräsidentin. Zahlreiche von ihr initiierte und unterstützte Projekte bezogen sich auf vergessene Opfer des Nationalsozialismus. Hilde Schramm ist Mitbegründerin der „Stiftung Zurückgeben”, die jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft fördert. Als Vorsitzende des Vereins „Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion” engagierte sie sich für ehemalige sowjetische Kriegsgefangene. 2004 erhielt sie den Moses-Mendelssohn-Preis des Landes Berlin für ihr Lebenswerk.
Insa Eschebach, 1954 geboren, ist Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus sowie Frauen- und Geschlechtergeschichte.