Ausstellung
zu Ehren der Künstlerin Maria Luiko
11. - 25. November 2021, täglich 10 - 18 Uhr
im TRAFO, Nymphenburger Str. 171a/RGB
anlässlich der Umbenennung der Hilblestraße
in München-Neuhausen nach der großen Künstlerin,
die vor achtzig Jahren von den Nazis
ermordet wurde und die bis heute nicht die
Würdigung erfahren hat, die sie verdient.
Eröffnung:
Donnerstag, 11. November 2021 um 19.00 Uhr
Anna Hanusch, Stadträtin und Vorsitzende
des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg
Marian Offman,
Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde
Diana Oesterle, Museen Penzberg
Wolfram P. Kastner,
Institut für Kunst und Forschung, Idee und Konzept
Marie Luise Kohn wurde am 25. Januar 1904 in München
geboren. Ab 1914 wohnte sie mit ihren Eltern und ihrer
Schwester Elisabeth in der Loristraße 7.
Nach Abschluss des Luisengymnasiums absolvierte sie eine
Ausbildung als Kindergärtnerin und besuchte die „Schule für
zeichnende Künste und Malerei“ von Moritz Heymann zur
Vorbereitung auf die Akademie der Bildenden Künste.
Im Wintersemester 1923/ 24 schrieb sie sich in der Akademie
ein. Acht Semester studierte sie Malerei bei Prof. Karl Caspar
sowie Grafik, Radierung und Zeichnen bei Adolf Schinnerer.
In der Kunstgewerbeschule studierte sie einige Semester in der
Theaterklasse von Emil Preetorius.
1924 stellte sie erstmals unter dem Namen „Maria Luiko“ im
Glaspalast im Alten Botanischen Garten aus. Bis 1931 war sie
dort alljährlich mit Zeichnungen, Aquarellen und Ölgemälden,
Lithographien, Holzschnitten und Linoldrucken vertreten.
Die Künstlervereinigung „Die Juryfreien“ bot jungen Künstlern
die Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen. 1927 trat Maria Luiko als
eine von wenigen Frauen den Juryfreien bei. Zunehmend widmete
sie sich sozialkritischen Themen.
1930 war Maria Luiko die einzige Frau unter den Juroren,
die Künstler für die Ausstellungen der Juryfreien im Glaspalast
auswählten. Sie war auch die einzige Graphikerin der
Juryfreien, die in diesem Haus ausstellte. Sie war auf dem
Weg zur anerkannten Künstlerin. Der Galerist Thannhauser
verkaufte eine Grafikmappe Luikos in die USA.
Mit dem Reichskulturkammergesetz der Nazis vom September
1933 wurde Maria Luiko die Aufnahme in den Reichsverband
Bildender Künstler verwehrt. Das damit verbundene
Ausstellungsverbot kam einem Berufsverbot gleich.
Erst nach der Gründung des „Jüdischen Kulturbunds in Bayern“
1934 konnte sie wieder an Ausstellungen teilnehmen,
allerdings nur für ein ausschließlich jüdisches Punlikum.
Sie durfte nicht mehr ihren Künstlernamen führen.
Ihre letzte Ausstellung fand 1937 in Berlin statt.
Der Kulturbund bot Maria Luiko die Möglichkeit, mit Künstlerfreunden
das „Münchner Marionettentheater Jüdischer
Künstler“ zu gründen.Die Marionetten entwarf und fertigte sie
selbst. Das Bühnenbild schuf sie mit dem Maler Rudolf Ernst,
Die Texte verfasste Fritz Rosenthal, der sich nach seiner
Emigration nach Israel 1935 Schalom Ben-Chorin nannte.Im August 1939 zwangen die Nazis die Familie, ihr gewohntes
Zuhause aufzugeben und quartierten sie in zwei Zimmer in ein
sogenanntes Judenhaus in der Frundsbergstraße 8 ein.
Im Sommer 1941 mussten sie auch dieses Haus verlassen und
danach kurzzeitig die Unterkünfte wechseln.
Anfang November 1941 erhielt die Familie einen Deportationsbescheid
zugestellt und wurde ins Barackenlager Milbertshofen
gezwungen, das Sammellager vor den Deportationen.
Am 20. November 1941 verschleppte die Gestapo Olga,
Elisabeth und Marie Luise Kohn nach Kaunas in Litauen.
Zusammen mit weiteren 996 Münchner Jüdinnen und Juden
wurden sie am 25. November 1941 auf Befehl der SS
in Massenerschießungen ermordet.