Margarete Ries- Vom „asozialen“ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz

Lesung
19. September 2014
18:00 - 00:00 Uhr
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

„Im Lager hat man auch mich zum Verbrecher gemacht“. Margarete Ries: Vom „asozialen“ Häftling in Ravensbrück zum Kapo in Auschwitz


Bremer Hauptbahnhof, 13. Januar 1948: Feiga Berkmann, jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, entdeckt ein bekanntes Gesicht. Sie erkennt den Kapo „Gretel“ aus dem KZ und informiert die Bahnhofspolizei. Die Beamten kontrollieren die Frau und verhaften sie – ihr Name ist Margarete Ries. Berkmann wirft der 30-Jährigen vor, häufig Häftlinge misshandelt zu haben. Vier Frauen soll sie sogar getötet haben – darunter Berkmanns ältere Schwester Rosa.

Die amerikanische Militärregierung für Bremen nimmt die Ermittlungen gegen Ries auf. In den Verhören leugnet Ries zunächst jemals im Konzentrationslager gewesen zu sein. Später gibt sie ihre Tätigkeit als Kapo zu. Die Kapos waren sogenannte Funktionshäftlinge: Selbst inhaftiert, wurden sie von der SS ernannt und bildeten die unterste Stufe des Bewachungssystems der Lager. Sie überwachten unter anderem Arbeitskommandos. Dies tat auch Ries.

Seit 1939 ist sie inhaftiert, zunächst im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Im Oktober 1942 kommt sie nach Auschwitz. Sie war als ‘Asoziale’ interniert. Unter diesen Begriff fielen alle, die nicht den Vorstellungen  der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft entsprachen. Ries wurde neben Diebstahl auch „Arbeitsscheu“ und ein  „liederlicher Lebenswandel“ zur Last gelegt. Die ‘Asozialen’ mussten in den Lagern häufig extrem anstrengende Arbeit verrichten.

Mitwirkende: Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra Janina Schultz und Erika Spalke