Der gegenwärtige Diskurs in der historisch-politischen Bildung zur Vermittlung der Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und des Holocaust kreist international um die Frage, wie sich angesichts des immer größer werdenden zeitlichen Abstands und des damit verbundenen Generationenwechsels die Annäherung an das historische Geschehen heute und zukünftig gestalten lässt. In diese Debatte werden zunehmend kunst- und- kulturpädagogische Konzepte eingeführt, die neue erfahrungsbezogene Formen der pädagogischen Vermittlung anbieten.
Der Ansatz des polnisch-deutschen Modellprojekts kunst – raum – erinnerung basiert auf der Verknüpfung von partizipativem, künstlerischem Arbeiten und historischem Lernen. Für die Teilnehmer/innen eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, den Lernprozess und die Auseinandersetzung mit der Geschichte am historischen Ort Gedenkstätte entlang eigener Fragen zu gestalten und individuelle Zugänge zu entwickeln. Die Jugendlichen werden auf kognitiver, sozialer und emotionaler Ebene angesprochen und stehen als Subjekte der Erinnerung im Mittelpunkt.
Im Rahmen von kunst – raum – erinnerung wurden seit 2007 insgesamt 18 Kunstworkshops an den Jugendbegegnungsstätten Sachsenhausen und Oświęcim durchgeführt. Multiprofessionelle Teams, bestehend aus Künstlern/innen, Kulturpädagogen/innen und Mitarbeitern/innen der Gedenkstätte bzw. der Jugendbegegnungsstätte haben Projekte zur Geschichte des jeweiligen Ortes über künstlerische Zugänge wie Bildhauerei, Literatur, Comics, Video und Fotografie gemeinsam entwickelt, geleitet und ausgewertet.
Der Fachtag, der den Abschluss des binationalen Modellprojekts bildet, stellt zum einen unterschiedliche Fachperspektiven auf diesen interdisziplinären Ansatz vor. Zum anderen bietet er ein polnisch-deutsches Forum, um ausgehend von den vielfältigen Praxiserfahrungen des Modellprojekts die Chancen, die in der Verbindung von kulturpädagogischen und künstlerischen Strategien mit der historisch-politischen Bildung liegen, auszuloten und zu diskutieren.
Programm 09:00 Uhr Ankunft und Anmeldung09:30 Uhr Begrüßung
Bernd Mones; Vorsitzender des Bildungsverbunds für die IJBS Sachsenhausen e.V.
Grußworte
Martin Gorholt; Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg
Leszek Szuster; Direktor der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim
10:00 Uhr Einführung
Das Modellprojekt kunst – raum – erinnerung. Anlass und Strukturen
Bernd Mones und Frauke Havekost, Vorsitzende der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung in Brandenburg e.V.
10:30 Uhr Vortrag
Die Kunst der Erinnerung – Die Erinnerung der Kunst
Dr. Horst Hoheisel, Künstler, Kassel
11:00 Uhr Kaffeepause 11.15 Uhr Experten-Statements
Chancen und Risiken künstlerischer Zugänge in der historisch-politischen Bildungsarbeit zu den nationalsozialistischen Massenverbrechen und deren Erinnerung
Lebendige Erinnerung durch partizipative Strategien
Prof. Dr. Hanne Seitz, FH Potsdam
Bildungsort Gedenkstätte
Dr. Matthias Heyl, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Deutsch-polnische Perspektiven in der historisch-politischen Bildung
Darius Müller, Schloß Trebnitz, Bildungs- und Begegnungszentrum e.V.
Kommentar
Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
12:30 Uhr Diskussion
Moderation: Heidi Schulze, Zeitwerk/Landesjugendring Brandenburg
13.00 Uhr Mittagspause 14:00 Uhr Vortrag
Kulturpädagogik und zeitgenössische künstlerische Strategien als Erweiterung historisch-politischer Bildung in der Gedenkstättenarbeit
Frauke Havekost, Vorsitzende der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung in Brandenburg e.V.
14.20 Uhr Vortrag
Erfahrungen aus dem Projekt kunst – raum – erinnerung
Hannah-Maria Liedtke, Katinka Steen und Mirko Wetzel
Projekt kunst – raum – erinnerung
15:00 Uhr Projektpräsentationen AG 1Räume schaffen, Räume reflektieren. Auseinandersetzungen mit dem Ort Gedenkstätte in den Projekten LandArt – Gedenkorte gestalten und Gedenkwerkstatt – ein partizipatives Kunstprojekt
Inputs: Hannah-Maria Liedtke und Anna Zosik, Freie Künstlerin, Berlin
Kommentar: Prof. Dr. Hanne Seitz, FH Potsdam
Moderation: Frauke Havekost
AG 2Die Kunst der Erinnerung. Momente individuellen Gedenkens in den Workshops Comic09 und Dialog mit einer Biografie
Inputs: Christian Badel und Juliane Heise, Freie/r Künstler/in, Berlin
Kommentar: Dr. Matthias Heyl
Moderation: Mirko Wetzel
AG 3Begegnung im künstlerischen Schaffen. Nachdenken über die Besonderheit einer deutsch-polnischen Schreibwerkstatt
Inputs: Carmen Winter, Freie Autorin, Frankfurt/ Oder und Teresa Miłoń-Czepiec, Pädagogin, Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim
Kommentar: Darius Müller, Schloß Trebnitz, Bildungs- und Begegnungszentrum Moderation: Thomas Hetzer, Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Potsdam
16:30 Uhr Kaffeepause 17:00 Uhr Berichte aus den AGs und Diskussion
Moderation: Bernd Mones und Heidi Schulze
18:00 Uhr Reflexion, Kritik und Perspektiven
Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, PH Karlsruhe und Dr. Zofia Wóycicka, Museum für die Geschichte der polnischen Juden, Warschau
18:30 Uhr Ende des FachtagsVeranstalter
Bildungsverbund für die Internationale Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen e.V. und Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Kooperation mit der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Brandenburg e.V. und der Internationalen Begegnungsstätte Oświęcim.
Tagungssprachen
Deutsch und Polnisch
Anmeldung per E-Mail
Bitte senden Sie Ihre Anmeldung zum Fachtag an folgende E-Mailadresse:
Anmeldeschluss: 10. Juni 2010Teilnahmebeitrag: 10 Euro
Bitte überweisen Sie den Teilnahmebeitrag auf folgendes Konto:
Bank: Mittelbrandenburgische Sparkasse
Kontoinhaber: Bildungsverbund
Kontonr.: 3502032520
BLZ: 16050000
Verwendungszweck: Fachtag Juni 2010
Verkehrsverbindungen (ab Berlin-Zentrum)Bahn
Buslinie 804 (stündlich) Richtung Malz bis zur Gedenkstätte vom Bahnhofsvorplatz oder ausgeschilderter Fußweg (20 Min.)
PKW
Auf der Stadtautobahn A 111 Richtung Hamburg; am Oranienburger Kreuz auf die A 10 (Berliner Ring) in Richtung Prenzlau bis Abfahrt Birkenwerder; auf der B 96 bis Oranienburg und auf der ausgeschilderten Strecke zur Gedenkstätte.
Kontakt und Informationen zur Übernachtung
Robert Becker
Gedenkstätte Sachsenhausen
Tel: 03301-200425 (Deutsch und Englisch)