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Beispiele aus Polen (1989-2015)
Das historische Polen wies bis 1939 die
grösste jüdische Gemeinschaft Europas
mit 3,2 Millionen Menschen auf. Nach
1945 war jüdische Geschichte weitgehend
ein Tabuthema, von den 300.000 überlebenden
Juden wanderten über 90% weiter,
besonders als es zu Pogromen kam.
Schätzungen gehen heute von drei- bis
zehntausend Juden aus. In der Bevölkerung
wurde im Untergrund das Stereotyp
von der „Judäo-Kommuna“ verbreitet,
die Vorstellung dass Juden insgeheim die
kommunistische Herrschaft über Polen
ausüben würden.
Nach 1990 entstand eine politisch völlig
neue Situation: Im liberalen Katholizismus
diskutierte man seit 1987 über die jüdische
Geschichte Polens. Nachkommen polnischjüdischer
Familien wollten die Orte ihrer
Vorfahren besuchen, orthodoxe Juden
die Gräber verehrter Rabbiner. Amerikanisch-
jüdische Stiftungen ließen Synagogen
renovieren und richteten koschere
Restaurants für Touristen etwa in Krakau
ein: Wie reagierte die polnischen Universitäten
auf diese Bestrebungen? Wie die
breite Bevölkerung?
Dr. Malgorzata Grzywacz
(geb. 1962): Dr. phil. Kulturhistorikerin
und Germanistin, Übersetzerin, wissenschaftliche
Mitarbeiterin des Instituts
für Kulturwissenschaften der Adam-
Mickiewicz-Universität in Pozna, Posen,
Polen.
Mitbegründerin des transdisziplinären
Edith-Stein-Forschungszentrums der
Universität und seine Geschäftsführerin.
Aktiv im christlich-jüdischen Dialog:
Stellvertretende Vorsitzende des Vereins
„Miasteczko-Pozna“ (Schtetl Pozna) und
der Redaktion der jüdischen Zeitschrift
„Miasteczko-Pozna“.
Forschungsarbeiten und Interessen:
Kulturgeschichte des Christentums
im deutschen Sprachraum, Frauen in
der Religionsgeschichte Mittel- und
Osteuropas, Geschichte des Protestantismus
in der NS-Zeit, Geschichte und
Gegenwart der Juden in Polen und
Deutschland, Didaktik der Kultur und
Geschichte und ihre Implementierung
in die universitäre Arbeit.
Autorin bzw. Coautorin von sieben
Büchern, zahlreicher wissenschaftlicher
Artikel und Aufsätze (in deutscher,
englischer und polnischer Sprache).
Der Eintritt ist frei, um eine Spende
wird gebeten.