Die Endphase des NS-Regimes und die Eskalation des Terrors
Prof. Dr. Johannes Tuchel, Berlin
SS-Geiseln in der Alpenfestung. Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol im April 1945
Hans-Günter Richardi, Dachau
Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 139 „Sippen”- und „Sonderhäftlinge” aus 17 Ländern Europas nach Südtirol verschleppt. Sie sollten der SS als Geiseln für Verhandlungen mit den Westalliierten in der „Alpenfestung” zur Verfügung stehen. Unter den überwiegend prominenten Gefangenen waren Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Kirche sowie Familienangehörige der am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 Beteiligten.
In seiner Einführung gibt Johannes Tuchel einen Überblick über die Ereignisse der letzten Kriegsmonate 1945, beschreibt die Eskalation des nationalsozialistischen Terrors und die Verbrechen in der Kriegsendphase, die Auflösung des NS-Herrschaftssystems und den Zusammenbruch des „Dritten Reichs”. Vor diesem Hintergrund berichtet Hans-Günter Richardi, auch anhand von Bildmaterial, über den Transport der „Sippen”- und „Sonderhäftlinge” nach Südtirol, die dort am 30. April 1945 befreit wurden.
Hans-Günter Richardi, 1939 geboren, ist freier Autor und war über dreißig Jahre Redakteur der „Süddeutschen Zeitung”. Er hat zahlreiche Bücher verfasst und widmete sich insbesondere der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau. Die von Richardi erarbeitete Ausstellung „Rückkehr ins Leben” basiert auf seinem Buch SS-Geiseln in der Alpenfestung. Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol (2005). Für seine Forschungsarbeit zur Geschichte des Nationalsozialismus wurde Richardi mehrfach ausgezeichnet. Er ist u.a. Träger der Verdienstmedaille des „Internationalen Dachau-Komitees” und der Bürgermedaille der Stadt Dachau.
Johannes Tuchel, 1957 geboren, ist Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und lehrt am Fachbereich für Holocaust-Studien des Touro College Berlin. Der Politikwissenschaftler hat zahlreiche Werke zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und zur Geschichte der NS-Konzentrationslager veröffentlicht.
Die Wanderausstellung „Rückkehr ins Leben” ist nach ihrer Erstpräsentation 2006 erneut in Berlin zu sehen. Bis 30. April 2012 wird sie im Steglitz-Museum gezeigt (Drakestraße 64 A, 12205 Berlin-Lichterfelde).