Konzert-Lesung

Lesung
13. Juli 2010
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Veranstalter: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Vier junge Musiker, die mit ihrem Orchester bereits mehrere Wettbewerbe gewonnenhaben, spielen Streichquartett-Sätze von Haydn, Mendelssohn, Schubert und Schulhoff.

Zwischen den Musikstücken erinnern kurze literarische Zeugnisse an das musikalische Leben in Dachau und Theresienstadt, wo viele hochrangige Musiker und Komponisten inhaftiert waren. Das musikalische Leben in den Lagern war zugleich Auflehnung gegen die Hoffnungs- und Sinnlosigkeit und gegen die Nazis, die von entarteter Kunstsprachen und die Komponisten und Aufführenden als Untermenschen bezeichneten.

Erwin Schulhoff, von dem drei Sätze aus seinen Fünf Stücken für Streichquartett zuhören sein werden, wurde 1894 in Prag geboren. Der Komponist experimentierte sowohl mit der Zwölftonmusik als auch mit Jazzelementen und Tanzformen, bevor er sich schließlich der Ästhetik des Sozialistischen Realismus zuwandte. Die zu hörenden Stücke sind rhythmusbetonte Tänze (Alla Czeca, Alla Tango milonga, Alla Tarantella). Schulhoff erwarb schließlich die Staatsbürgerschaft der UdSSR, weshalb er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion als Bürger eines „Feindstaates“von den Nazis inhaftiert wurde. Am 18. August 1942 starb er im Lager auf der Wülzburg bei Weißenburg.

Textausschnitte der Musiker und Komponisten Gregor Schwake (Benedikterpater), Viktor Ullmann und Erwin Schulhoff geben Einblicke in das musikalische Leben der Lager und zeigen, wie Musiker im Festhalten an der Kultur und an schöpferischen Prozessen Widerstand gegen die Entmenschlichung der Nazis geleistet haben. Nicht zuletzt laden sie dazu ein, das Denken und musikalische Schaffen der von den Nazis verfolgten Künstler und Komponisten wieder zu entdecken.

Es spielen Clara Scholtes (Violine), Fabian Schulz (Viola), Johannes Slenczka (Violoncello), Simón Doggenweiler-Menkhaus (Violine), Texte Spezialvikar Michael Lorenz und Pastoralreferent Ludwig Schmidinger.

Bei schlechtem Wetter in der Kirche.