Konzentrationslager in globalgeschichtlicher Perspektive

Vortrag/Vorlesung
10. November 2016
18:00 - 20:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, ESA 1/West, Raum 221, 20146 Hamburg
Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager ist in den letzten dreißig Jahren von der Systemebene bis hin zu den einzelnen Außenlagern gründlich erforscht worden. Die Konzentrationslager werden zu Recht als wesentliches Herrschaftselement des Regimes und als Kennzeichen des Nationalsozialismus aufgefasst. Zu selten wird allerdings erkannt, dass es sich um ein Phänomen handelt, das in globalgeschichtlicher Perspektive betrachtet werden muss, da es von Anfang an das Ergebnis globaler und transnationaler Entwicklungen war. Bereits die ersten sogenannten Konzentrationslager der Briten im Südafrikanischen Krieg (1899-1902) entstanden im Kontext der imperialen Expansion und in einem transnationalen Diskurs. Das nationalsozialistische Lagersystem wurde jedoch nicht durch Nachahmung der britischen Lager etabliert, wie das NS-Regime zuweilen in der Polemik behauptete, sondern beruhte einerseits auf den deutschen Traditionen der politischen Repression und des Strafvollzugs und andererseits auf den transnationalen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Es war Teil eines utopischen „empire-building“-Projekts, in dem es um globale Ziele für eine langfristige Zukunft ging. Dadurch erklärt sich der radikale Funktionswandel des Systems von 1933 bis 1945.

Gastvortrag von Prof. Dr. Alan Kramer