Juden und Muslime in Frankreich – heute eine heikle Nachbarschaft?

Vortrag/Vorlesung
11. Juni 2015
19:00 - 00:00 Uhr
Ort: Alte Synagoge Essen
Veranstalter: Alte Synagoge Essen

Danny Leder, Journalist und Autor, Paris

Frankreich ist jenes Land in Europa, in dem sowohl die meisten Juden (rund 500.000) als auch die meisten Muslime (etwa fünf Millionen) leben. Die Angehörigen beider konfessionellen Gruppen stammen familiengeschichtlich in ihrer Mehrzahl aus den französischen Ex-Kolonien in Nordafrika. Und viele Angehörige beider Gruppen leben oft noch in enger Nachbarschaft in denselben städtischen Gebieten.

Aber an die Stelle einer ursprünglich eher unkomplizierten und oft auch verständnisvollen Koexistenz trat in den letzten fünfzehn Jahren eine stellen- und

phasenweise gefährliche Situation für die Juden. Mehr als die Hälfte der in

Frankreich als „rassistisch“ eingestuften Taten richten sich gegen Juden, obwohl

diese weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung darstellen. Die Täter sind fast

ausnahmslos Jugendliche aus muslimischen Familien, die sich an der Schnittstelle

zwischen Vandalismus, Kriminalität und Islamismus bewegen. Bei diesen Jugendlichen handelt es sich zwar nur um eine kleine Minderheit abseits der muslimischen Mehrheitsströmungen in Frankreich. Sie stellen aber inzwischen eine besondere Bedrohung dar, weil sich einige unter ihnen zu dschihadistischen Attentätern entwickelt haben.

Danny Leder, Jahrgang 1954, stammt aus Wien und ist seit 33 Jahren in Paris

als Autor und Journalist für deutschsprachige Medien tätig. Er hat sich mehrfach in Reportagen, Essays und Vorträgen mit dem Verhältnis zwischen Juden und Muslimen in Frankreich und deren gemeinsamer Vorgeschichte im Maghreb beschäftigt.