Am 8. April 1971 fand in London der erste Welt-Roma-Kongress statt. Seit 1990 wird der 8. April als internationaler Roma-Tag begangen. Menschen mit Romno-Hintergrund sind die größte ethnische Minderheit in Europa. Sie bilden keine geschlossene Gemeinschaft, sondern teilen sich in zahlreiche unterschiedliche Gruppen mit vielfältigen Besonderheiten auf. In Deutschland hat sich als Bezeichnung für die Minderheit das Begriffspaar „Sinti und Roma“ etabliert.
Zum Roma-Tag 2022 hat der Münchner Verein RomAnity Filmporträts über Menschen mit Romno-Hintergrund in Auftrag gegeben. Der Initiator Radoslav Ganev, selbst Rom aus Bulgarien und Politologe, sagt: „Ziel ist es diese fernab von gängigen Klischees und Vorurteilen zu zeigen. Sie sind Künstler, Akademiker und normale Nachbarn.“ Einer von ihnen ist der Dachauer Künstler Alfred Ullrich, dessen Mutter aus der österreichischen Sinti-Familie Endress stammte. Die meisten Familienmitglieder wurden Opfer des nationalsozialistischen Völkermords. Drei Onkel von Alfred Ullrich litten im KZ Dachau.
Zeitgleich mussten Geistliche, die im KZ interniert waren, dem „Rassenforscher“ Dr. Robert Ritter für seine antiziganistischen „Gutachten“ zuarbeiten, auf deren Grundlage oft die Deportation in ein Vernichtungslager erfolgte. Gegen den Weitergebrauch dieser „Gutachten“ zu polizeilichen Zwecken nach 1945 und für die staatliche Anerkennung des NS-Völkermords an der Minderheit traten im April 1980 Romani Rose, zehn weiteren Sinti und die Münchner Sozialarbeiterin Uta Horstmann in der KZ-Gedenkstätte Dachau in einen weltweit beachteten Hungerstreik. Der Streik konnte nur stattfinden, weil die Versöhnungskirche ihre Räume den Sinti als Übernachtungsquartier zur Verfügung stellte.
Vor 40 Jahren erreichte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt die antiziganistischen NS-Verfolgung als Völkermord anerkannte und die Pflicht der Bundesrepublik Deutschland betonte, die Opfer zu entschädigen und ihre gesellschaftliche Lage zu verbessern.
Im Rahmen des Themengottesdienstes wird der neue Film (ca. 10 Min.) über Alfred Ullrich präsentiert. Im Anschluss gibt es eine Gesprächsrunde mit dem Porträtierten, mit Anna Zhukovets und Artur Weigandt vom Filmteam sowie mit Radoslav Ganev von RomAnity. Uta Horstmann wird dazu an den Ort ihres Hungerstreiks zurückkehren.
Bereits zum 27. Januar 2022 wurde auf dem YouTube-Kanal der Versöhnungskirche ein Film (34 Min.) von Anna Zhukovets (Regie, Kamera, Schnitt) und Artur Weigandt (Ton) veröffentlicht, der ein Gedenken an die ermordeten Mitglieder der Familie Endress dokumentiert: