Internationale Konferenz: Exodus. Die Juden Europas nach dem Holocaust (MIT ANMELDUNG)

18. Januar 2017 -
19. Januar 2017
18:30 - 18:15 Uhr
Ort: Botschaft von Rumänien | Dorotheenstraße 62-66, 10117 Berlin; Topographie des Terrors | Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Veranstalter: Topographie des Terrors, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas u.a.

Der Begriff »Exodus« steht hier für das Ende einer historischen Epoche: die Entwurzelung und Heimatlosigkeit der Juden in Europa nach dem Holocaust. Fluchtbewegungen, Versuche des Neubeginns in Übersee, die Erfahrung des Exils sind Aspekte des komplexen Themas. Der Flucht nach Shanghai folgte dort kein dauerhafter Aufenthalt, das Zusammentreffen von »Opfern« und »Tätern« in Südamerika – in Gestalt der jüdischen Exilgemeinden unter Präsenz ehemals hochrangiger Funktionsträger des NS-Regimes in Argentinien oder Chile – gehören wie die DP-Lager in Westdeutschland zu den Determinanten jüdischer Nachkriegsexistenz. In den Blick zu nehmen ist schließlich auch die kirchliche Fluchthilfe für NS-Täter (»Rattenlinie«).

Zum Vergleich mit dem jüdischen Schicksal werden drei kulturelle Gemeinschaften exemplarisch betrachtet. Die Bukowinadeutschen, die während der NS-Herrschaft ihre Heimat verlassen mussten, damit annektierte Gebiete wie das »Wartheland« dem Prozess der »Eindeutschung« unterzogen werden konnten, wurden dort zum zweiten Mal vertrieben und mussten sich im besetzten Nachkriegsdeutschland neue Existenzen aufbauen. Im gleichen Zusammenhang ist die Identität von Deutschen und Juden nach dem Krieg in Czernowitz bzw. in Siebenbürgen von Interesse. Die Erfahrungen von Nichtjuden als kultureller und ethnischer Gemeinschaft unter existentiell-katastrophalen Bedingungen, die vergleichend betrachtet werden, schärfen den Blick für die Dimension des Menschheitsverbrechens, ohne zu relativieren.

 

Veranstaltungsorte:

18. Januar 2017, Botschaft von Rumänien, Dorotheenstr. 62-66, 10117 Berlin (S + U Friedrichstraße), Anmeldung berlin.rsvp[at]mae.ro ,Fax 030 21239399

19. Januar 2017, Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin-Kreuzberg (S+U Potsdamer Platz, S Anhalter Bahnhof), Anmeldung veranstaltungen[at]topographie.de ,Telefon 030 2545091 3

PROGRAMM

Mittwoch, 18. Januar 2017, 18.30 Uhr, Botschaft von Rumänien

SZENISCHE LESUNG: »OHNE BLEIBE UND BESTAND« (mit Anmeldung)

Texte von Alfred Gong und anderen deutsch-jüdischen Autorinnen

und Autoren aus der Bukowina

Begrüßung

S.E. Emil Hurezeanu, Botschafter von Rumänien

Einführung

Professor Dr. Wolfgang Benz, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Berlin

Szenische Lesung

Dr. Natalia Blum-Barth, Mainz, Anna Schumacher, Berlin, und Georg Aescht, Bonn

Die Bukowina, am östlichen Rand des Habsburgerreichs gelegen, war ein multiethnisches, multikulturelles und multikonfessionelles Gebiet. Insbesondere in ihrer Hauptstadt Czernowitz entwickelte sich im Laufe des 1 9. Jahrhunderts eine facettenreiche Kultur, zu der die deutsche, jüdische, rumänische, ukrainische und polnische Bevölkerung ihren Beitrag leistete. Die deutsche Sprache war dabei ein Element der Verständigung verschiedener ethnischer Gruppen untereinander. Die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Bukowina trug zur Entstehung einer lebendigen, größtenteils jüdisch geprägten Literaturszene bei, deren prominenteste Vertreterinnen und Vertreter Paul Celan, Rose Ausländer, Alfred Gong, Alfred Margul-Sperber und Moses Rosenkranz waren. Die kulturelle Welt der Bukowina wurde durch den Zweiten Weltkrieg vernichtet; die Erinnerung daran wurde zum bleibenden Thema für die Autorinnen und Autoren, die den Holocaust überlebten und ihre nun sowjetisch gewordene Heimat verlassen konnten.

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Donnerstag, 19. Januar 2017, 10.15 Uhr (Einlass ab 10 Uhr), Dokumentationszentrum Topographie des Terrors

 

KONFERENZ (mit Anmeldung)

 

10.15 Uhr

Begrüßung

Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin

Einführung

Prof. Dr. Wolfgang Benz, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Berlin

I . Entwurzelung und Neubeginn: Displaced Persons

Leitung: Prof. Dr. Andreas Nachama

 

10.30 Uhr

Flucht nach Berlin

Dr. Angelika Königseder, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Berlin

 

11 .00 Uhr

Befristeter Aufenthalt. Lübeck als Transitstation und Ort jüdischen Neuanfangs

Dr. Sigrun Jochims-Bozic, Kiel

 

11 .30 Uhr

Flucht durch Österreich: Stationen der illegalen Einwanderung nach Palästina

Univ.-Prof. Dr. Thomas Albrich, Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck

 

12.00 – 12.15 Uhr Pause

 

II . Nach dem Exil

Leitung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

 

12.15 Uhr

Wo weiterleben? Das Ende des jüdischen Exils in Shanghai

Dr. Miriam Bistrovic, Stiftung Jüdisches Museum Berlin / Leo Baeck Institut

12.45 Uhr

Deutsche Juden in den USA

Dr. Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin

13.15 – 14.30 Uhr Mittagspause

 

14.30 Uhr

Deutsche Juden in Lateinamerika

Dr. Patrik von zur Mühlen, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

15.00 Uhr

Der jüdische Exodus nach Australien

Prof. Dr. Konrad Kwiet, Sydney Jewish Museum, Australien

 

III . Die andere Seite: Vertreibung als kollektives Schicksal

Leitung: Dr. Dr. Gerald Volkmer, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg

15.30 Uhr

Zweimal vertrieben auf der Suche nach Heimat: Deutsche aus der Bukowina

Dr. Markus Bauer, Berlin

 

16.00 – 16.15 Uhr Pause

 

16.15 Uhr

Deutsche und Juden in Czernowitz

Dr. Markus Winkler, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Ludwig-Maximilians-Universität München

16.45 Uhr

Deutsche und Juden in Siebenbürgen

Prof. Dr. Ladislau Gyémánt, Babes-Bolyai-Universität Cluj-Napoca, Rumänien

 

IV. Bittere Bilanz

17.15 Uhr

Christliche Barmherzigkeit für Judenmörder: Flucht der Täter nach Südamerika und die Begegnung mit den Juden des Exils

Prof. Dr. Wolfgang Benz

18.15 Uhr Ende

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Veranstalter:

18. Januar 2017: Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam, mit Unterstützung der Botschaft von Rumänien in derBundesrepublik Deutschland

19. Januar 2017: Stiftung Topographie des Terrors, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, und Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europa