Weimar. 2023 eröffnet das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus im ehemaligen Gauforum in Weimar. Trägerin ist die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Bereits jetzt lädt das neue Museum mit dem Pop-Up-Forum „In Gesellschaft.“ an seinen zukünftigen Standort ein. Das innovative Format setzt auf das Gespräch mit sorgfältig kuratierten Gästen in guter Atmosphäre und einen belebten Platz, um zu mehr Auseinandersetzung mit unserer Geschichte anzuregen. Moderiert vom Dlf-Korrespondenten Henry Bernhard, treffen Perspektiven aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aufeinander und beleuchten, was im öffentlichen Bewusstsein kaum verankert ist: Dass Zwangsarbeit während der NS-Zeit ein Massenphänomen war, ein Verbrechen an Millionen von Menschen unter Beteiligung der breiten deutschen Bevölkerung, und dass die Bedeutung dieser Vergangenheit und ihrer Kontinuitäten bis heute zu wenig Beachtung finden. Der Umgang mit den Zwangsarbeiter:innen, die während der Kriegsjahre überall in Deutschland - von der Großindustrie bis zum Privathaushalt - eingesetzt wurden, war wie die gesamte NS-Gesellschaft zutiefst von Rassismus geprägt. An drei Terminen im Mai, Juni und Juli 2022 setzt sich „In Gesellschaft.“ mit diesem Rassismus und seiner Relevanz für die Gegenwart auseinander.
Das erste Forum am Donnerstag, den19. Mai 2022, 18:30 – 20:00 Uhr, thematisiert „Rassismus & Judenhass“. Angelehnt an das Thema des 77. Jahrestages der KZ-Befreiung „Buchenwald und der Holocaust“ geht es um Zwangsarbeit von Jüdinnen und Juden während der Shoah. Zwangsarbeit war häufig die einzige Chance, der antisemitischen Mordpolitik der Nationalsozialisten zu entkommen. Ausbeutung als mögliche Rettung – wie ließ und lässt sich das verhandeln?! Wie stellen wir uns dieser historischen Verantwortung? Welche Rolle spielt die Auseinandersetzung mit dem NS für neue Generationen und Menschen mit internationaler Geschichte in Deutschland? Darüber sprechen mit uns Dennis Forster, Leiter des Projektes „ReMember“ an der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, die Historikerin Lisa Hauff und Leon Kahane, Künstler und verantwortlich für das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst.
Zwei weitere Ausgaben von „In Gesellschaft.“ finden am 23. Juni 2022 zu „Rassismus & Strukturen“ und am 21. Juli 2022 zu „Rassismus & Sprache“ statt. Als Gesprächsgäste werden im Juni die Antidiskriminierungsexpertin Meral El, der Rassismus- und Schulforscher Karim Fereidooni und Manfred Grieger, ehemaliger Chefhistoriker von VW, erwartet. Für Juli sind die Autorin Özlem Özgül Dündar, Carola Lentz, Präsidentin des Goethe-Instituts, und Historiker Janosch Steuwer angekündigt. Mehr Informationen unter: museum-zwangsarbeit.de
Die Veranstaltungen finden open-air auf dem Stéphane-Hessel-Platz in Weimar statt. Am vorletzten Donnerstag im Mai, Juni und Juli 2022, 18:30 – 20:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Getränke und Snacks bietet der mobile Truck der Weinbar Weimar. Bei schlechtem Wetter findet das Forum im Bauhaus-Museum Weimar statt.
"In Gesellschaft." bei vimeo: Den Auftakt der Veranstaltungsreihe im letzten Jahr verpasst? Das Forum Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus gibt es auch als Videoreihe unter https://vimeo.com/sgbumd/videos.