Hubert Zafke war als SS-Sanitäter im KZ Auschwitz-Birkenau und zuvor im Krankenrevier des KZ Neuengamme tätig, in dem zahlreiche Häftlinge gezielt durch Injektionen ermordet wurden. Im Februar 2015 wurde Zafke von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Neubrandenburg wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Während in Detmold und Lüneburg ehemalige SS-Wachmänner des KZ Auschwitz-Birkenau wegen „Beihilfe zum Mord“ verurteilt wurden, scheint es in Neubrandenburg ein anderes Rechtsverständnis darüber zu geben, ob der Dienst in Vernichtungslagern als Beihilfe zum Mord gewertet werden muss. Die Schwurgerichtskammer verzögerte das Verfahren von Anfang an und brüskierte die Vertreter der Nebenklage, weshalb die Richter im Juni 2017 vom Landgericht Neubrandenburg für befangen erklärt wurden. Mittlerweile hat ein ärztliches Gutachten Zafke für verhandlungsunfähig erklärt, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass das Verfahren weitergeführt wird.
Mit der Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Christine Siegrot, möchten wir über den Verlauf des Verfahrens diskutieren. Mit VertreterInnen der Prozessbeobachtungsgruppe möchten wir über die Rolle der Öffentlichkeit in diesem Verfahren sprechen. Die Historikerin Alyn Beßmann, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, berichtet über Medizinverbrechen in den Konzentrationslagern und die Beteiligung Zafkes an der Tötung von Häftlingen durch Injektionen im KZ Neuengamme.