Gewerkschaftlicher Widerstand gegen den Nationalsozialismus spielt in der Erinnerungskultur so gut wie keine Rolle. Gleiches gilt für die Forschung, die Umfang und Intensität gewerkschaftlichen Widerstandes lange Zeit unterschätzt hat. Dabei beteiligten sich eine Reihe Gewerkschafter/innen nur wenige Monate nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften Anfang Mai 1933 am Aufbau von Widerstandsnetzen, die jahrelang illegale Aktivitäten entfalteten. Kontakte ins Exil und zu internationalen Organisationen unterstreichen die Bedeutung dieser Gewerkschaftsgruppen. Aufgrund ihres Engagements gegen die Nazis wurden zahlreiche
Gewerkschafter/innen inhaftiert, nicht wenige verloren ihr Leben.
Ausgehend vom Ende der Weimarer Republik und der freigewerkschaftlichen "Anpassungspolitik" im Frühjahr 1933 gibt der Vortrag einen Überblick zur Verfolgung und zum Widerstand der Gewerkschaften. Von besonderem Interesse ist die große Gruppe von Metallgewerkschaftern/innen um Alwin Brandes und Heinrich Schliestedt, die ihr Zentrum in Berlin und Sachsen hatte, aber auch Verbindungen in den Südwesten des Reiches aufrecht erhielt. Zugleich werden illegale Aktivitäten in der Region Karlsruhe beleuchtet.
Referent: Dr. Stefan Heinz, Mitarbeiter der Forschungsstelle Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik der Freien Universität Berlin, Mitherausgeber der Buchreihe "Gewerkschafter im Nationalsozialismus. Verfolgung – Widerstand – Emigration" im Metropol-Verlag.