Im Gespräch: Prof. Dr. Thomas Großbölting, Prof. Dr. Isabel Heinemann und Christoph Spieker
Deutschland im 20 Jahrhundert – das sind zwei Weltkriege, eine gescheiterte Demokratie, Nationalsozialismus und Holocaust, ein 40 Jahre lang geteiltes Land. Aber es ist auch Sozialstaat, Wohlstand, Liberalisierung und Globalisierung, eine erfolgreiche Demokratie und die längste Friedensperiode der europäischen Geschichte. Ulrich Herberts lang erwartetes Werk unternimmt nun die Vermessung dieses in jeder Hinsicht besonderen Jahrhunderts – und liefert damit einen Maßstab, an dem sich Zeitgeschichte künftig wird messen lassen müssen.
Die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert sieht Herbert durch zwei Perspektiven bestimmt, die zueinander in Widerspruch stehen. Zum einen die großen Kriege und Katastrophen, die das deutsche 20. Jahrhundert in zwei Teile spalten – vor und nach 1945. Deutschland ist das Land, in dem die radikalen Ideologien von links und rechts erdacht wurden, und das einzige, in dem sie jeweils staatliche Form annahmen. Das prägt die erste wie die zweite Hälfte des Jahrhunderts.
Zum anderen der Aufstieg der modernen Industriegesellschaft, der über die verschiedenen politischen Systeme hinweg zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die soziale und politische Ordnung führte. Erst 1990 scheinen sie gelöst, als der Sozialismus zusammenbricht. Aber am Ende des Jahrhunderts ist die Debatte um die Leistungen und Defizite des Kapitalismus wieder voll entbrannt.
Professor Dr. Ulrich Herbert stellt zu Beginn zentrale Thesen seines Buches vor. Anschließend diskutieren mit ihm Professor Dr. Thomas Großbölting, Professorin Dr. Isabel Heinemann und Christoph Spieker.