Gegen das Vergessen: Aus der Geschichte lernen

5. September 2014
14:00 - 17:00 Uhr
Ort: Stiftung Topographie des Terrors
Veranstalter: Stiftung Topographie des Terrors

Begleitprogramm zur Gedenkveranstaltung für die Opfer der "Euthanasie" und Zwangssterilisation

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs war gleichzeitig der Auftakt für die Schrecken der NS-Patientenmorde. Am 01. September 2014 jährt sich das Ereignis zum 75sten Mal.

Zum fünften Male veranstalten die 12 Verbände des Kontaktgesprächs Psychiatrie am ersten Septemberwochenende eine Veranstaltung unter der Überschrift "Gegen das Vergessen: Aus der Geschichte lernen".

Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms steht der Diskurs um den "Wert" des Menschen indessen enger wechselseitiger Abhängigkeit von gesellschaftlichen Verhältnissen und deren Entwicklung. Die individuelle Herausbildung von Werten und Normen wird geprägt von den Leitbildern und Normen der Gesellschaft. Es stellt sich die Frage, wie ein spezifischer gesellschaftlicher Nährboden bestimmte Werte und Haltungen fördern, zulassen aber auch be- und verhindern kann.

Die Beiträge des Fachtags konzentrieren sich vorrängig auf Einstellungen und Haltungen, die die nicht hintergehbaren Würden jedes Menschen in Frage stellen.

  • Im Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung geht Dr. Susanne Doetz der Frage nach, wie ausgehend vom Ersten Weltkrieg bis zum nationalsozialistischen Deutschland eine Spur gelegt werden konnte, welche die funktionalistisch-instrumentelle Be- und Abwertung verschiedener Gruppen von Menschen, möglich machte. Inwieweit wurde diese Sichtweise von weiten Teilen der Bevölkerung toleriert und hingenommen und warum führte eine solche Entwicklung nicht zu einem breiten und umfassenden Widerspruch?
  • Der Beitrag von Prof. Heiner Keupp befasst sich mit dem Themenkomplex, wie Werte und Haltungen individuell enstehen und sich weiterentwickeln in der Interaktion mit der unmittelbaren Umgebung und übergreifender gesellschaftlicher Verhältnisse. Konkreter: Wie sieht der gesellschaftlich-kulturelle Kontext aus, in dem (alltags-) rassistische Haltungen und Abwertungen gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen gedeihen können?
  • Ulla Schmidt blickt auf die heutige Entwicklung: Welche offenen, aber auch hintergründigen, eher verdeckten Haltungen prägen und bestimen die aktuelle Diskussion um den "Wert" und die Würde des Menschen im Diskurs um die Sterbehilfe wie auch bei der Refomierung des Sozialsystems?



Vorträge und Diskussionen im Auditorium der Stiftung Topographie des Terrors

Moderation: Dr. Katharina Ratzke

14:00 Uhr: Begüßung durch die Stiftung Topographie des Terrors

14:15 Uhr: Der Wert des Menschen und die Bewertung menschlichen Lebens von 1914 bis 1934 -  Welche Rolle spielt der 1. Weltkrieg? - Dr. Susanne Doetz (Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Berlin)

15:00 Uhr: "Verworfenes Leben" - Von den "Überflüssigen" in der Spätmoderne durch den alltäglichen Ausschluss - Prof. em. Heiner Kneupp (Reflexive Sozialpsychologie, Universität München)

15:45 Uhr: Pause

16:15 Uhr: Welche Werthaltungen finden sich in den aktuellen Diskussionen über Reformen in unserem Sozialsystem und über die Sterbehilfe - Ulla Schmidt (MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Ministerin a. D., Berlin)

Ca. 17:00 Uhr: Ende des Veranstaltung