Gedenkstätte Buchenwald feiert die Übergabe der "Reminiszenzen" von Józef Szajna

Vortrag/Vorlesung
Film
8. April 2022
12:00 - Uhr
Ort: Kinosaal, Gedenkstätte Buchenwald, 99427 Weimar
Veranstalter: Gedenkstätte Buchenwald

Das Environment "Reminiszenzen" von Józef Szajna, ein herausragendes Zeugnis der polnischen Avantgarde und heute weltweit eines der Hauptwerke der bildkünstlerischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust, hat nun in der Kunstausstellung der Gedenkstätte Buchenwald seinen dauerhaften Präsentationsort gefunden. Mit Hilfe öffentlicher Gelder konnten die "Reminiszenzen" angekauft werden.

Das 1970 noch auf der Biennale in Venedig durch die Sammlerin Gertrud Johnsson erstandene Werk wurde bereits seit 1998 als Leihgabe in der Buchenwalder Kunstaustellung gezeigt. Józef Szajna hat die "Reminiszenzen" in der Gedenkstätte noch mit eigener Hand eingerichtet. Als das Environment an Interessenten in den USA verkauft werden sollte, konnte es nun in einer Zusammenarbeit der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Freistaates Thüringen und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora dauerhaft in Deutschland gehalten werden.

Programm

Begrüßung

Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Adam Borkowski, Vize-Konsul der Republik Polen

Film

"Replika" (Regie: Józef Szajna, 1988 (Auszüge))

Vortrag

Prof. em. Dr. Volkhard Knigge: "Für mich ist einfach noch nicht die Zeit gekommen, wo nur die Rosen blühen." - Józef Szajna und sein Environment Reminiszenzen

Grußworte

Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder

Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung

anschließend: Besichtigung der "Reminiszenzen" in der Kunstausstellung

Hintergrund

Das Environment nimmt Bezug auf die Ermordung von 169 Professoren und Absolventen der Kunstakademie Krakau in Auschwitz, die Teil der "Ausmerzung" der polnischen Intellektuellen durch die Nationalsozialisten war.

Józef Szajna wurde 1922 im ostpolnischen Rzeszów geboren, wo ihm heute ein eigenes großes Museum gewidmet ist. 1940 als Widerstandskämpfer von den Deutschen verhaftet, wurde er in das KZ Auschwitz verbracht. Später musste er in einem Buchenwalder Außenlager für die Junkers-Flugzeugwerke Zwangsarbeit leisten. Hier entstanden erste heimliche Bildwerke, die in ihrer Kunst, konkret und abstrakt zugleich zu sein, spätere Werke vorwegnehmen. 1947 kehrte Szajna nach Polen zurück und studierte Grafik und Bühnenbild an der Kunstakademie Krakau, wurde Theaterdirektor und Regisseur in Nowa Huta und in Warschau.

Bereits Ende der 1950er Jahre erregte Józef Szajna mit seinen eigenwilligen Inszenierungen Aufsehen, in denen er kompromisslos plastische Arbeiten und Theater miteinander verschmolz und die Sehgewohnheiten des Publikums herausforderte: Er erfand die Performance. Heute gilt er als einer der Gründerväter des performativen Theaters bzw. des Autorentheaters. Sein Stück "Replika", das auf die "Reminiszenzen" folgte, wurde weltweit wahrgenommen. Aus Protest gegen das 1982 eingeführte Kriegsrecht in Polen legt er alle seine Ämter nieder und gab seine Titel und staatlichen Auszeichnungen zurück. Nach 1990 folgten zahlreiche Ausstellungen und weitere Inszenierungen von Warschau über Berlin bis Mexiko oder Japan. Józef Szajna verstarb 2008 in Warschau.