Mir aber zerriss es das Herz.
Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz
Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin
Eintritt frei
Begrüßung: Prof. Dr. Andreas Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors
Buchpräsentation mit dem Autor Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Martin Stöhr, Bad Vilbel
Die Historikerin Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977) war in der NS-Zeit Studienrätin an einem Berliner Mädchengymnasium und Mitglied der Bekennenden Kirche. 1938 bat die 45-Jährige um Versetzung in den Ruhestand, weil sie die neuen nationalsozialistisch geprägten Lehrpläne ablehnte. Ebenso wie ihre Freundin, die Botanik-Professorin Elisabeth Schiemann (1881-1972), gewährte sie ab 1933 zahlreichen jüdischen Menschen Hilfe. Ihre 1935/36 anonym verfasste Denkschrift Zur Lage der deutschen Nichtarier schrieb sie mit dem Ziel, die Bekennende Kirche zu einer öffentlichen Stellungnahme gegen die Verfolgung der Juden zu veranlassen. Im Gegensatz zu der Denkschrift über die Aufgaben der Bekennenden Kirche an den evangelischen Nichtariern von Margarete Meusel (1897-1953), der Leiterin des Evangelischen Bezirkswohlfahrtsamts Berlin-Zehlendorf, ging es Elisabeth Schmitz nicht allein um die Christen jüdischer Herkunft. Sie forderte in ihrer Denkschrift kirchliche Solidarität für alle Verfolgten. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie in ihre Heimatstadt Hanau zurück. Elisabeth Schiemann übte ebenfalls offene Kritik an der Rassenpolitik des National-sozialismus. Ihr wurde 1940 die Lehrbefugnis entzogen. Margarete Meusel blieb während der Kriegsjahre Anlaufstelle für Verfolgte. Auch sie leistete aktiven Rettungswiderstand.
Die drei Frauen sind von der Berliner Kirche lange Zeit vergessen worden. Erst allmählich werden ihre Widerstandsaktivitäten bekannt. Margarete Meusel ist 2007 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet worden.
Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Geschichte der protestantischen Kirchen seit dem Kaiserreich. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen, darunter Protestantismus und Nationalsozialismus. Studien zur nationalsozialistischen Durchdringung des protestantischen Sozialmilieus in Berlin (2001) und der Sammelband Kirchliche Amtshilfe. Die Kirche und die Judenverfolgung im „Dritten Reich“ (2008). Zuletzt erschien seine Biographie Mir aber zerriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz (2010).
Martin Stöhr, 1932 geboren, war bis 1997 Professor der Theologie an der Universität Siegen und 1969-86 Direktor der Evangelischen Akademie von Arnoldshain. Seit Mitte der 1960er Jahre war er zudem als Vorsitzender von Institutionen des christlich-jüdischen Dialogs und 1995-2010 auch als Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung aktiv. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Das Erbe der Bekennenden Kirche (1983).