Filmvortrag "Der Regisseur Veit Harlan"

20. November 2015
15:00 - 00:00 Uhr
Ort: Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63065 Offenbach
Veranstalter: Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63065 Offenbach

von und mit Dr. Rosemarie Killius. Aufführung des Spielfilms "Jud Süß"

 

Am Freitag, 20. November 2015, 15:00 Uhr, gibt es im Haus der Stadtgeschichte einen Filmvortrag von Historikerin Dr. Rosemarie Killius, der sich dem Leben und Wirken des NS-Regisseurs Veit Harlan (1899-1964) widmet. Dazu wird der Spielfilm „Jud Süß“ gezeigt, den Harlan im Jahr 1940 drehte. In den Hauptrollen sind Ferdinand Marian, Werner Krauß und Kristina Söderbaum zu sehen. Im Anschluß findet eine Diskussion statt.

Der Film ist ein Vorbehaltsfilm, wurde also von den Alliierten auf eine Verbotsliste aus politischen Gründen gefährlicher Filme gesetzt, und wird bei dieser Aufführung mit Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Wiesbaden) abgespielt.

Filmlexika verzeichnen diesen unerträglichen, in seinen durchschaubaren Ansagen gegenüber Jüdinnen und Juden ermüdenden Film „Jud Süß“ als „faschistischen Tendenzfilm“ und „historischen Propagandafilm“, der vorgibt, mit der Darstellung des Lebens und Wirkens des im 18. Jahrhundert in Württemberg tätigen jüdischen Staatsbeamten Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738) Tatsachen zu schildern, aber nicht nur dessen Biographie, sondern auch den damals durch christliche Deutsche an Oppenheimer verübten Justizmord in verfälschtem Licht präsentiert. Die eigentliche Handlung dieses in seinen Aussagen sowohl beim deutschen Durchschnittspublikum wie auch bei NS-Einsatzgruppen brandstiftenden Films ist daher nicht weiter erwähnenswert.

Dieser durch NS-Propagandaminister Joseph Goebbels geforderte und geförderte Film, diente – durch einen gewissenlosen und menschenverachtenden NS-Regisseur gedreht – wie andere vergleichbare Produktionen der Vorbereitung des Holocaust durch ein willfähriges Tätervolk. Das unsägliche Machwerk offenbart einen Vorrat an „geschichtsverfälschenden, verleumderischen und volksverhetzenden Hinzufügungen“, so Autorin Barbara Gerber in ihrem 1990 erschienenen Standardwerk „Jud Süß. Ein Beitrag zur historischen Antisemitismus- und Rezeptionsforschung“. Die Expertin kennzeichnet den unmenschlichen Film als „Werk regimehöriger Geschichtsfälscher, die, nicht ohne technische Raffinesse, ein lukratives Geschäft mit der Rassenhetze betrieben.“

Filmexperte Michael Töteberg stellt wiederum fest: „Jud Süß ist politische Pornographie. […] Der Film mobilisiert offen sexuelle Ängste und Aggressionen und instrumentalisiert sie für die antisemitische Hetze.“ Schriftsteller Ralph Giordano, um nur eine Auswahl gleichlautender Meinungen zu präsentieren, sieht in diesem Film „die niederträchtigste, gemeinste und raffinierteste Form von ‚künstlerischem‘ Antisemitismus.“

Der Eintrittspreis für Film und Vortrag beträgt 5,00 Euro.