Filme: Leben im Faschismus

Film
14. Januar 2024
11:00 - 13:00 Uhr
Ort: Abaton, Allende-Platz 3/Grindelhof, 20146 Hamburg
Veranstalter: Evangelischen Akademie der Nordkirche, der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft Hamburg e. V., KZ-Gedenkstätte Neuengamme

„Fischerhude. Ein deutsches Dorf in der Nazizeit“

Der Film versucht – in der Begegnung mit ehemaligen SA-Männern, dem ehemaligen Führer der HJ wie der ehemaligen Leiterin des BdM – die Motive für die bedingungslose Mitwirkung bei der gelungenen „nationalsozialistischen Revolution“ auf dem Land in den 1920er/1930er Jahren zu rekonstruieren. Im Dorf Fischerhude war hier unter anderem der Unternehmer Heinrich Peper mitverantwortlich, der 1922 in die NSDAP eintrat und später stellvertretender Gauleiter Lüneburgs wurde. Der politische Gegenpol im Dorf war die Künstlerfamilie Bontjes van Beek, deren älteste Tochter Cato ab Herbst 1941 in Berlin Flugblätter gegen die Nazis verteilte und deshalb 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde. Catos Mutter berichtet vom Schmerz über die Ermordung der Tochter und von der Empörung darüber, dass Peper, der nach 1945 unter falschem Namen in der Lüneburger Heide untergetaucht war und 1952, ohne je für seine Verbrechen bestraft worden zu sein, nach Fischerhude zurückkehrte und erneut der größte Arbeitgeber im Dorf und Vorsitzender des Schützenvereins wurde.

NDR, 1981, 45 Minuten

„‚Brûlez ces lettres! – Verbrennt diese Briefe!‘“

Drei Kunststudentinnen, darunter Mietje Bontjes van Beek, die Schwester von Cato, organisierten ab 1941 in der Berliner S-Bahn eine Hilfsorganisation für französische Zwangsarbeiter. Diese wurden jeden Morgen von ihrem Lager am Rande von Berlin mit demselben Zug, der die Mädchen zur Kunsthochschule brachte, hinter vergitterten Fenstern zur Zwangsarbeit transportiert. Bis 1942 nahmen die Studentinnen beim Aus- oder Umsteigen und beim, wie zufällig erfolgendem, Durchqueren der Gefangenenkolonnen heimlich Nachrichten mit den Wünschen der Franzosen in Empfang. Die Frauen versorgten diese bei der nächsten Begegnung auf dem S-Bahnsteig mit Medikamenten, Schreibpapier, Bleistiften, Orangen, Schokolade und einmal sogar mit einem Fußball. Die Nachrichten, die meistens mit der Losung „Brûlez ces lettres! – Verbrennt diese Briefe!“ endeten, versteckte Mietje unter den Dachsparren ihres Elternhauses in Fischerhude. Dachdecker fanden sie in den 1980er Jahren und die Dokumente wurden zum Auslöser dieses Films.

NDR, 1986, 45 Minuten

Diese Filmvorführungen sind Teil der Dokumentarfilm-Reihe „Die Rückkehr der Täter“ von Hannes Heer.

Preis: 10 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

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