Familie Berendsohn in Altenwerder: Geachtet, dann ausgegrenzt, enteignet und vertrieben

Vortrag/Vorlesung
11. Mai 2023
18:00 - 20:00 Uhr
Ort: St. Gertrud Kirche Altenwerder, Altenwerder Querweg, 21129 Hamburg
Veranstalter: Geschichtswerkstatt Süderelbe (Süderelbe-Archiv); Kirchengemeinde St. Thomas; Kirchliche Gedenkstättenarbeit; Moorburger Art e. V.; Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte; Verein zur Erhaltung und Förderung der St. Gertrud Kirche Altenwerder e.V.

In Altenwerder lebten Paul und Mabel Berendsohn mit ihren acht Kindern. Paul Berendsohn war Gründer und Besitzer der örtlichen Köhlbrand-Werft, die erfolgreich arbeitete und 1938 etwa 120 Arbeiter beschäftigte. Die Familie war im Dorf angesehen und geachtet.

Obwohl alle Familienmitglieder zur evangelisch-lutherischen Kirche gehörten, galten in der Zeit des Nationalsozialismus der Vater als „Jude“ und die Kinder als „Halbjuden“. Eine Hetzkampagne gegen die Familie begann und der „jüdischen Werft“ wurde systematisch die Existenzgrundlage entzogen. Faktisch wurde die Familie vom Staat entschädigungslos enteignet. Nahezu mittellos gelang es ihr 1938, aus Deutschland zu fliehen und nach Honduras auszuwandern. Nach Kriegsende kehrte Paul Berendsohn nach Hamburg zurück, um den Besitz seiner Familie zurückzubekommen und die Werft neu aufzubauen. Dagegen wehrte sich die Stadt in langjährigen Auseinandersetzungen um die „Wiedergutmachung“.

Hanno Billerbeck (Kirchliche Gedenkstättenarbeit) und der Historiker Herbert Diercks stellen den Lebensweg Paul Berendsohns, die Geschichte der Werft und die Auseinandersetzungen um die Rückerstattung mit der Stadt Hamburg vor. Außerdem wird aus den Lebenserinnerungen von Oscar Berendsohn, dem zweitjüngsten Kind der Familie, gelesen.

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