Extreme Rechte heute. Aktuelle Forschung zum Rechtsextremismus in Deutschland
mittwochs 18 bis 20 Uhr, Hörsaal J, Hauptgebäude Edmund–Siemers–Allee 1 19.05. – 14.07.2010
Die Parteien der extremen Rechten, etwa die NPD und DVU, haben bei den letzten Bundestagswahlen nur wenige Stimmen gewinnen können. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sich die extreme Rechte auflöst – im Gegenteil. Schon länger suchen die Rechtsextremisten nach neuen Strategien, ihre Politik zu modernisieren und damit neue Anhänger zu mobilisieren. Auch gibt es deutliche regionale Unterschiede in Stärke und Erscheinungsform der extremen Rechten. Die Veranstaltungsreihe informiert in kritischer Absicht über aktuelle Tendenzen in diesem politischen Lager: über die Entwicklung in Norddeutschland, über Integrationsangebote der traditionell eher männerbündisch organisierten Rechten für Frauen und Mädchen, über rassistisches Denken im modernen Gewand oder über das Geschichtsbild des Rechtsextremismus.
19.05.2010 Extreme Rechte im Norden
Die extreme Rechte in Deutschland hat sich gewandelt; soziale Themen greifen NPD und Kameradschaften auf. Vor Ort bringen sie sich auch im Norden in den kommunalen Alltag ein. Es werden Strategien und Strukturen, mit Schwerpunkt auf Norddeutschland, aufgezeigt. Andreas Speit, Dipl.–Sozialökonom, freier Journalist
02.06.2010 Extrem rechte organisierte Mädchen und Frauen ab 1945 in (West– und Ost–) Deutschland
Thema des Vortrags sind Rechtsextremistinnen in Westdeutschland kurz nach 1945, geschichtsrevisionistische Veröffentlichungen und die Aktivitäten von NPD–Frauen in den 1970er Jahren sowie der „Boom“ extrem rechter Frauenaktivitäten ab den 1990er Jahren. Rena Kenzo, Autorin und Journalistin, Gründungsmitglied des „Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus“, Hamburg
16.06.2010 Geschichtsbilder und Geschichtspolitik am rechten Rand
Für rechtsextreme Akteure war Geschichte nach 1945 einerseits aufgrund der politisch–kulturellen Ächtung der NS–Zeit zum Problem geworden, andererseits spielten bestimmte Bilder deutscher Geschichte und ein spezifischer Umgang mit dieser Geschichte stets eine zentrale Rolle für die Selbstverständigung und die Abgrenzung nach außen. Dr. Harald Schmid, Historisches Seminar, Christian–Albrechts–Universität zu Kiel
30.06.2010 Wie „Rassen“ und „Nationen“ zur „Vielfalt der Kulturen“ werden
„Ethnopluralismus“ kann mittlerweile als zentrales ideologisches Verbindungsglied der gegenwärtigen europäischen Rechten betrachtet werden. Der Vortrag geht auf die Entwicklung des Konzepts ein und zeigt anhand von empirischen Fallbeispielen seine vermeintlich pluralistische Semantik sowie seine Anschlussfähigkeit an den Antisemitismus auf. Dr. Claudia Globisch, Institut für Soziologie, Universität Leipzig
14.07.2010 Feminismen und Diskurse extrem rechter Frauen – Anknüpfungen und Abgrenzungen
Für viele extrem rechte Frauen gelten „Feministinnen“ als Feindbild, umgekehrt ist den meisten Feministinnen eine klare Absage gegenüber der extremen Rechten selbstverständlich. Ein genauerer Blick zeigt, welche offenen und subtilen Anknüpfungspunkte es gibt und welche Diskursverschiebungen zu Annäherungen führen können. Prof. Dr. Renate Bitzan, Allgemeinwissenschaftliche Fakultät, Georg–Simon–Ohm– Hochschule Nürnberg, Gründungsmitglied des „Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus“
Koordination
PD Dr. Kirsten Heinsohn, Historisches Seminar, Universität Hamburg/ Dr. des. Claudia Kemper/ Sylvia Necker, M. A., Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg
Kontakt
Caludia Kemper
Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg