Every Face Has A Name

Film
15. November 2015
10:45 - 00:00 Uhr
Ort: Filmladen, Goethestr. 31, Kassel
Veranstalter:

Am 28. April 1945 kommen Fähren mit zahlreichen Überlebenden der deutschen Konzentrationslager im schwedischen Malmö an. Die Insass/innen bilden einen Querschnitt der Gesellschaft: norwegische Widerstandskämpfer/innen, polnische Mütter mit ihren Babys, britische Spion/innen und Juden/Jüdinnen. Damals haben Filmteams die Ankunft der Geretteten dokumentiert. Jetzt, 70 Jahre später, sehen die Geflüchteten von damals das Found-Footage-Material erstmals und erkennen sich darin. Sie erleben wieder die Gefühle von damals, die Freude, die Verwirrung und Unsicherheit, kurz: den Moment ihrer Rettung. In EVERY FACE HAS A NAME macht sich Regisseur Magnus Gertten auf die Suche nach den 1945 Geflüchteten und gibt einigen von ihnen ihr Gesicht zurück. Die Recherche des historischen Materials beginnt bereits 2008. Insgesamt 60 der Menschen in dem Film konnte das Filmteam ausfindig machen, neun von ihnen werden im Film begleitet. Bernhard Kempler war gerade erst neun Jahre alt, als er in Malmö eintraf. Der jüdische Junge hatte sich jahrelang als Mädchen verkleiden müssen, um den Krieg zu überleben. Elsie Ragusin aus New York besuchte ihre Großeltern in Italien, als sie der Spionage angeklagt und nach Auschwitz deportiert wurde. Eine weitere Hauptrolle spielt die 35mm-Filmrolle mit den Aufnahmen von 1945, die mit Hilfe von sensiblem Schnitt und neuester Technologie (u.a. wurde ein 4k-Scan erstellt) neue Szenen entstehen lässt. In EVERY FACE HAS A NAME bekommen die damals anonymen Gesichter tatsächlich eine Identität und damit etwas von ihrer Würde zurück, die ihnen im Krieg genommen wurde. Es sind besondere filmische Momente, wenn die Protagonist/innen sich in dem Found-Footage-Material wiedererkennen und dazu ihre Geschichte erzählen. Zudem wird gekonnt die Brücke geschlagen zur heutigen Flüchtlingssituation mit Aufnahmen von einem kleinen Fischerboot, das im Juli 2014 fast 600 Menschen nach Sizilien bringt, die ihre kriegsgebeutelte Heimat verlassen mussten. Magnus Gertten schafft eine filmisch herausragende, sehr besondere und womöglich eine der letzten Momentaufnahmen von Überlebenden des Zweiten Weltkriegs.

  • Schweden
  • 01:16:00
  • Regie: Magnus Gertten
  • Production: Lennart Ström
  • Kamera: Adam Makarenko, Caroline Troedsson
  • Schnitt: Jesper Osmund
  • Musik: Hans Appelqvist
  • Ton: Audun Røstad, Jørgen Meyer
  • Sprache: en,sv,pl
  • Untertitel: en
  • Jahr: 2015


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